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Andy Murray - Von Beruf Raumdeuter

Der zweifache Goldmedaillen-Gewinner vermisst den Court wie kaum ein anderer.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 01.09.2016, 20:00 Uhr

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 01: Andy Murray of Great Britain celebrates his victory over Marcel Granollers of Spain during his second round Men's Singles match on Day Four of the 2016 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on Septe...

Von Jens Huiber aus New York City

Der Legende nach hat Peter Haas, als er noch höchstselbst die Übungseinheiten seines Sohnes Tommy leitete, den Mitgliedern der Trainingsgruppe folgende Aufgabe gestellt: mit verbundenen Augen mehrere Schläge zu simulieren, nach Vorgaben des Coaches versteht sich. Vorhand, Vorhand, kurzer Ball, jetzt die Rückhand, vor ans Netz. Nach den Ballwechseln sollten die Jugendlichen dann exakt beschreiben, wo sie gerade ständen. Stellte manAndy Murrayheutzutage vor diese Herausforderung, der Schotte würde seine Position wohl millimetergenau angeben können.

Andy Murray hat Planungssicherheit am Donnerstag in New York City.Die Vorhersagen, wonach es erstmals während der Edition 2016 nass werden können, bewahrheiten sich.Dem zweifachen Olympiasieger ist dies einerlei, er darf sich unter jenem Dach versuchen, von dem er vor Turnierbeginn noch vermutet hatte, dass es wahrscheinlich niemals gebraucht werde. Marcel Granollers ist ein feiner Tennisspieler, der mit einer breiten Palette an Spielvarianten aufwarten kann. Für Murray fällt der Spanier in die Kategorie „dankbarer Gegner“.

Grundlose Emotionen

Dieser Tage übrigens eine Menge mit vielen Elementen. Aber gegen Granollers, der mit einiger Finesse, aber deutlich weniger Tempo spielt, kann sich die Nummer zwei der Welt in jenen Disziplinen auszeichnen, die ihm seine herausragende Klasse garantieren: Antizipation und Schnelligkeit. Wenn Andy Murray in Matchform ist, scheint jeder Court zu schrumpfen, jeder Stoppball zur Aussichtslosigkeit auf den Punktgewinn verdammt.

Nachdem Murray aber noch nicht ganz in Matchform ist, brilliert er auch wieder einmal verbal - alleine: Die so neue wie lautstarke Klimaanlage verhindert, dass das Publikum ab dem Mittelrang an den Gefühlsausbrüchen des Siegers von 2012 teilhaben kann, womöglich dringen die Frustschreie voll verständlich nicht einmal zu Coach Ivan Lendl durch. Dass kein triftiger Grund für eben diese vorliegt, ist nichts Neues im Kosmos des Davis-Cup-Siegers von 2015.

Hoher Geräuschpegel

Sehr wohl vernehmen kann Lendl den tosenden Applaus, den sein langjähriger Antagonist John McEnroe erfährt, auf der Anzeigetafel annonciert als achtfacher US-Open-Champion. Das mag auf die Einzelbilanz reduziert zu optimistisch formuliert sein, die amerikanische Regie ist da nicht zimperlich, wirft die vier Triumphe an der Seite von Peter Fleming einfach mit in den Topf.  Laut sei es gewesen, die Verhältnisse im Match „heavy“, beim nächsten Mal müsse er sich besser an die Indoor-Konditionen anpassen, sagt Murray nach dem Einzug in Runde drei.

Die Orientierung auf dem Court hat der aktuelle Wimbledon-Champion nicht angesprochen, die hat er in jungen Jahren wohl mit den Trainingseinheiten von Mutter Judy in traumwandlerischer Sicherheit verinnerlicht. Der Legende nach hat aus der Trainingsgruppe von Peter Haas übrigens nur einer immer gewusst, wo er steht. Tommys Spielkameraden indes zuverlässig die eigene Position missinterpretiert.

von tennisnet.com

Donnerstag
01.09.2016, 20:00 Uhr