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Die Leiden des jungen Herrn K. und des alten Herrn M.

John McEnroe übt harte Kritik an Nick Kyrgios.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 04.09.2016, 16:42 Uhr

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 03: Nick Kyrgios of Australia reacts against Illya Marchenko of the Ukraine during his third round Men's Singles match on Day Six of the 2016 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 3, 2016 i...

Von Jens Huiber aus New York City

John McEnroekann jede Rolle ausfüllen, am liebsten die des „Commissioners of Tennis“, jenes Mannes also, der die Trends und Entwicklungen im Welttennis deutet, zu großen und nicht ganz so großen Problemen der Szene Stellung nimmt. Der TV-Sender Eurosport hat McEnroe in eben dieser Rolle vor nicht allzu langer Zeit prominent platziert, der siebenfache Major-Champion verfügt indes über mehrere Outlets, in denen er seinen Gedanken zu einer Bühne verhelfen kann. Und also sprach John McEnroe am Samstagabend auf ESPN2: „WennNick Kyrgiosnicht Tennis spielen mag, dann soll er bitte damit aufhören.“

McEnroe teilte dies zuallererst seinem Bruder Patrick mit, der die meisten Matches gemeinsam mit ihm kommentiert. Patrick wiederum, als ehemaliger Spitzenspieler und Davis-Cup-Kapitän der USA mit allen Facetten der Disziplin ebenso vertraut wie sein Bruder, legte gleich nach: „Wenn Kyrgios mehr trainieren würde, wäre er auch weniger oft verletzt.“ Dies alles unter dem Eindruck einer Aufgabe des Australiers, der nach drei Sätzen gegen den UkrainerIllya Marchenkounter Tränen das Arthur Ashe Stadium verlassen hatte.

Großer Appeal bei den Jungen

Die Rezeption der Person Kyrgios spaltet die Tenniswelt: Die eine Seite, Ex-Profis wie eben die beiden McEnroes, sehen in der teilweise arg unseriösen Herangehensweise der aktuellen Nummer 16 der Welt, einen Affront gegen den gesamten Sport. Je jünger das Publikum, desto größer indes die Begeisterung für Kyrgios. Die auch den Veranstaltern großer Turniere nicht verborgen bleibt - wie sonst ist eine Ansetzung für die Night Session an einem Samstag zu erklären?

Das Doppel, das Nick Kyrgios auf Court 6 mit Partner Daniel Evans zum Besten gegeben hat, kann jedenfalls als Werbung für den Tennissport an sich weltweit vertrieben werden. Zumal mit Tommy Paul undTaylor Fritzzusätzlich noch ganz viel Zukunft auf dem Platz gestanden hat. Selbstredend konnte später angereiste Zuschauer keinen Platz finden, jene, die nebenan auf dem 5er hoch genug postiert waren, konzentrierten sich gänzlich auf das, was die vier Herren in Neongelb an Schlägen und, auch das kann Teil des Partnerspiels sein, Trash Talk austauschten.

Einer wie John?

Es lassen sich gute Argumente dafür finden, John McEnroe als jenen Spieler in der Tennishistorie zu bezeichnen, der die größte Ladung an spielerischem Talent mit auf den Weg bekommen hat. Legendär ist aber auch seine Aussage, dass er deswegen gerne mit Peter Fleming Doppel gespielt hat, weil er dadurch ja einige Trainingseinheiten auslassen konnte. Ob dies letztlich reine Koketterie war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ebenso wenig aber auch, ob es Nick Kyrgios mit seinem Tennis wirklich nicht Ernst meint. Den jugendlichen Fans hat er am Sonntag im National Tennis Center jedenfalls schon gefehlt.

von tennisnet.com

Sonntag
04.09.2016, 16:42 Uhr