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US Open: Dominic Thiem schlägt Alexander Zverev nach 0:2-Satzrückstand und gewinnt erstes Grand-Slam-Turnier!

Der Sieger der Herren-Konkurrenz bei den US Open 2020 heißt Dominic Thiem! Der Österreicher setzte sich in einem hochdramatischen Finale gegen Alexander Zverev mit 2:6, 4:6, 6:4, 6:3 und 7:6 (6) durch. (Den Ticker zum Endspiel könnt ihr hier nachlesen.)

von Nikolaus Fink
zuletzt bearbeitet: 14.09.2020, 21:19 Uhr

Dominic Thiem bei den US Open in New York
© Getty Images
Dominic Thiem gewann in New York seinen ersten Grand-Slam-Titel!

Im Herrenfinale der US Open 2020 ging es sowohl für Dominic Thiem als auch für Alexander Zverev um nichts Geringeres als den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Während es für Thiem bereits das insgesamt vierte Major-Endspiel war, gab Zverev auf dieser Turnierebene sein Debüt in einem Finale.

Von Nervosität war beim Deutschen in seinem ersten Aufschlagspiel aber überhaupt nichts zu bemerken, der 23-Jährige setzte mit drei Assen eine erste Duftmarke in diesem Endspiel. Thiem hingegen war sichtlich angespannter als sein Kontrahent, übte in den Anfangsminuten kaum Druck aus und musste seinen Aufschlag folgerichtig zum 1:2 aus seiner Sicht abgeben. 

Zverev spielt nahezu perfekten Satz

Vor allem das Service kam bei Thiem überhaupt nicht nach Wunsch, in den ersten drei Servicegames platzierte der Weltranglistendritte nur 37 Prozent seiner ersten Aufschläge im Feld - dennoch konnte der 27-Jährige nach 0:30-Rückstand auf 2:3 verkürzen. Zwei Games später schaffte Zverev aber das zweite Break des ersten Durchgangs und servierte in weiterer Folge sicher zum 6:2-Satzgewinn aus.

Der gebürtige Hamburger spielte sein mit Abstand bestes Tennis des Turniers: Er schlug 16 Winner bei nur sechs Unforced Errors, gewann 92 Prozent der Punkte nach dem ersten Aufschlag und war am Netz mit sieben von acht Angriffen erfolgreich. Thiem hingegen servierte auch gegen Ende des Satzes weit unter seinem Normalniveau und kam zudem mit seinen Grundschlägen überhaupt nicht durch.

Zverev wackelt, fällt aber nicht

Dasselbe Bild zeigte sich zunächst auch im zweiten Abschnitt. Zverev blieb der bessere Spieler und nahm Thiem, nachdem der Österreicher bereits im ersten Game einen Breakball entschärft hatte, den Aufschlag zum 2:1 ab. Im darauffolgenden Spiel zwang der Lichtenwörther sein Gegenüber erstmals über Einstand, verlor aber auch dieses Spiel und gab danach erneut sein Service zum 1:4 ab.

Thiem zeigte seine bis dato schlechteste Partie bei den diesjährigen US Open, wehrte bei 1:5 und eigenem Aufschlag aber drei Breakmöglichkeiten ab und nahm Zverev dann den Aufschlag ab - der Weltranglistensiebente hatte zuvor bei seinem vierten Satzball einen mehr als einfachen Volley verlegt. Anschließend verkürzte Thiem auf 4:5, beim zweiten Versuch mit eigenem Aufschlag brachte Zverev den Satz aber trotz kleiner Probleme in trockene Tücher. Nach rund 80 Minuten führte der 23-Jährige mit 6:2 und 6:4.

Trotz der kleinen Steigerung gegen Ende des zweiten Satzes schien Thiem nach wie vor nicht hundertprozentig im Arthur Ashe Stadium angekommen zu sein. Dieser Eindruck wurde durch ein miserables Aufschlagspiel beim Stand von 1:1 untermauert - Zverev breakte und war seinem ersten Grand-Slam-Triumph nun schon sehr nahe. Doch angesichts dessen begannen die Nerven beim Weltranglistensiebenten zu flattern, Thiem schlug zurück und glich zum 2:2 aus.

Thiem breakt zum Satzgewinn aus

Gefühlt war der Lichtenwörther auch danach einem Break näher, Zverev befreite sich aber immer wieder aus brenzligen Situationen und kam beim Stand von 4:4 selbst zu zwei Halbchancen. Sowohl bei 30:30 als auch bei Einstand agierte der dreifache ATP-Masters-1000-Sieger aber etwas zu passiv - Thiem stellte auf 5:4. Anschließend schickte sich der Österreicher an, das Match in eine Verlängerung zu schicken - und schaffte dies unter kräftiger Mithilfe Zverevs auch. Durchgang Nummer drei ging mit 6:4 an den Favoriten.

Thiem kam nun insbesondere mit seiner Topspin-Vorhand immer öfter zum Erfolg und setzte zudem den Rückhand-Slice immer geschickter ein. Der Österreicher hatte auch anfangs des vierten Abschnitts Oberwasser und fand bei 3:2 zwei Breakmöglichkeiten vor - bei diesen agierte der 27-Jährige, der über die gesamte Matchdauer extrem weit hinter der Grundlinie returnierte, aber zu passiv. So konnte Zverev auf 3:3 stellen.

Der fünfte Satz entscheidet

Doch Thiem blieb weiterhin am Drücker, sicherte sich zwei Spiele später das Break und servierte zu Null zum Satzausgleich aus. Im gesamten vierten Abschnitt unterliefen dem Weltranglistendritten nur zwei leichte Fehler, darüber hinaus gewann er alle zwölf Punkte nach zweitem Aufschlag.

Zverev, der im Turnierverlauf bis zum Finale knapp vier Stunden länger auf dem Platz gestanden hatte als sein Gegenüber, wirkte hingegen nicht mehr allzu spritzig und gab sein erstes Aufschlagspiel im fünften Satzab. Doch der Deutsche packte sein Kämpferherz aus, schaffte - auch dank eines Doppelfehlers - das sofortige Rebreak und ging danach mit 2:1 in Front.

Zverev und Thiem können nicht ausservieren

Auch die nächste brenzlige Situation gab es bei Aufschlag des Niederösterreichers. Zverev erarbeitete sich bei 3:2 ein 0:30, Thiem gewann aber die nächsten vier Punkte und glich neuerlich aus. Doch zwei Spiele später schickte sich der 23-Jährige erneut an, den Aufschlag seines Kontrahenten zu durchbrechen - und diesmal gelang es ihm auch: Zverev servierte nach 3:30 Stunden zum Turniersieg.

Doch Thiem ließ nicht locker und erarbeitete sich zwei Breakchancen. Die erste wehrte der Hamburger mit einem guten Service ab, beim zweiten landete aber ein Volley im Netz - der Niederösterreicher war wieder im Spiel! Im folgenden Spiel kam Zverev zu einem 15:30, doch mit drei überragenden Punkten en suite stellte Thiem auf 5:5.

Zverev war nun sichtlich angefasst und musste seinen Aufschlag erneut abgeben - nun servierte Thiem zum Matchgewinn. Der Östereicher, der sich beim Seitenwechsel am Oberschenkel behandeln lassen musste, war dem Druck aber ebenso wenig gewachsen wie Zverev zuvor. Der Deutsche breakte und schickte die Partie in einen alles entscheidenden Tiebreak.

Zverev wehrt zwei Matchbälle ab, Thiem verwandelt den dritten

Zverev ging schnell mit 2:0 in Führung, Thiem schlug - sichtlich gehandicapt - zurück und glich zum 2:2 aus. Zwei weitere Punkte später stand es 3:3. Der Deutsche zeigte Nerven und servierte beim Stand von 4:3 für Thiem einen Doppelfehler. Im Anschluss erarbeite sich der Niederösterreicher zwei Matchbälle.

Bei beiden verschlug Thiem jedoch eine mehr als machbare Vorhand - bei 6:6 mussten noch einmal die Seiten gewechselt werden. Der Österreicher holte sich mit einem Vorhandpassierball aber einen weiteren Matchball - und dieser passte. Thiem gewann nach 4:02 Stunden mit 2:6, 4:6, 6:4, 6:3 und 7:6 (6).

Thiem ist somit der erste Spieler der Open Era, der in einem US-Open-Finale einen 0:2-Satzrücktsand aufholte. Zudem krönte sich der 27-Jährige nach Thomas Muster zum zweiten österreichischen Einzel-Grand-Slam-Sieger der Geschichte.

"Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll. Es ist mit Sicherheit der erste von vielen Grand-Slam-Titeln für dich. Du hättest ein paar Fehler mehr machen sollen. Es war ein schwieriges Finale", meinte Zverev nach dem Match unter Tränen zu Thiem. Und schickte eine an sein Team gerichtete Kampfansage hinterher: "Wir werden diesen Titel einmal holen."

Thiem sagte nach seinem ersten Major-Triumph: "Wir haben eine großartige Freundschaft, Sascha. Es ist erstaunlich, wie weit uns unsere Reise gebracht hat. Ich wünschte, es gäbe heute zwei Sieger." Zudem wandte sich der 27-Jährige ebenfalls an seine Box: "Ich kann euch nicht genug danken." Gegenüber ServusTV erklärte Thiem: "Ich kann es nicht wirklich glauben, es war ein verrücktes Match, ein verrückter Tag. Man hat gesehen, wie nervös ich am Anfang war. Ich habe mich in den ersten zwei Sätzen bleiern gefühlt. Mit dem Rebreak im dritten Satz habe ich mich begonnen, besser zu fühlen. Dann war es nur noch Drama."

Sowohl für Thiem als auch für Zverev wird es wohl mit den am 27. September beginnenden French Open weitergehen. Den Start für das ATP-Masters-1000-Turnier in Rom hatten die beiden schon vor dem US-Open-Finale abgesagt.

Den Live-Ticker zum Endspiel könnt ihr hier nachlesen.

Hier das Einzel-Tableau bei den US Open 2020

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