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US Open: Gegen die schmerzhaften Erinnerungen - Federer und die Kunst des Vergessens

Nach dem Final-Drama von Wimbledon startet Roger Federer bei den US Open seinen nächsten Anlauf auf den 21. Grand-Slam-Titel. Doch der Schweizer musste erst einmal lernen zu vergessen.

von SID
zuletzt bearbeitet: 24.08.2019, 20:23 Uhr

Roger Federer bei den US Open
© Getty Images
Roger Federer

Diese beiden verflixten Matchbälle gingen Roger Federer einfach nicht aus dem Kopf. Der Tennis-Maestro versuchte, die schmerzhafte Niederlage im Wimbledon-Finale in der Bergwelt seiner Schweizer Heimat zu vergessen. Er wanderte, fuhr Mountainbike und feierte seinen 38. Geburtstag mit der Familie, umgeben von traumhafter Natur. Doch dann spukten diese beiden vergebenen Chancen zum Sieg über Novak Djokovic wieder in den Gedanken Federers herum.

"Als ich wieder zu trainieren begann, hatte ich Flashbacks – von den guten und schlechten Momenten. Es war schwierig", sagte der Grand-Slam-Rekordchampion ungewohnt grüblerisch der Luzerner Zeitung. Zehn Tage lang rührte der Altmeister keinen Schläger an, ließ das Masters in Montreal aus, doch der nächste Rückschlag folgte umgehend. 

Bereits im Achtelfinale beim Masters in Cincinnati scheiterte er am Russen Andrei Rublew, kassierte in nur 62 Minuten gar die schnellste Niederlage auf der ATP-Tour seit 16 Jahren. Ein schlechtes Vorzeichen für die US Open, in die der Schweizer am Montag gegen den Inder Sumit Nagal startet? Für Federer keineswegs.

Fdederer mit seinem Spiel zufrieden

"Ich weiß, dass es hart werden wird. Ich komme nicht als der überwältigende Favorit hierher, wie vielleicht noch 2006 oder 2007", sagte er zwar, aber nicht ohne zu betonen: "Ich habe zuletzt bei den Grand Slams gut gespielt. Ich bin mit meinem Spiel zufrieden." Die frühe Niederlage in Cincinnati "könnte sogar eine gute Sache sein, wer weiß". Denn Federer nutzte die unerwartete Freizeit, reiste eher als geplant nach New York und bereitete sich akribisch vor.

"Ich fühle mich körperlich und mental gut erholt seit Wimbledon", erklärte Federer, der Ärger über die vergebenen Chancen ist verflogen. Denn klar ist für ihn ohnehin: "Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen." Vielmehr will er beim letzten Grand Slam des Jahres die Zeit wieder einmal stillstehen lassen. Auch mit 38 Jahren gehört er neben Titelverteidiger Novak Djokovic und Rafael Nadal zu den "ewigen" Top-Favoriten.

"Novak ist auf Hartplatz eine Macht, Rafa wird auch sehr schwer zu schlagen sein", prophezeite Federer, ehe er schmunzelnd anfügte: "Und ich bin auch immer für eine Überraschung gut." 

Alleiniger Rekordhalter in New York?

Mit seinem sechsten Triumph in Flushing Meadows würde Federer zum alleinigen Rekordsieger in der Open Era (seit 1968) aufsteigen, doch seine erfolgreichsten Tage in New York liegen schon einige Jahre zurück. Von 2004 bis 2009 stand er sechsmal in Folge im Endspiel, fünfmal gewann er. Seither erreichte er jedoch nur noch ein weiteres Finale. 2015 war das, auch damals gegen Djokovic und auch damals mit ungenutzten Chancen. 19 von 23 Breakmöglichkeiten ließ er liegen und verlor in vier Sätzen.

Doch statt sich von den Dämonen der Vergangenheit treiben zu lassen, kann Federer auch einfach auf die guten Vorzeichen blicken. Als er letztmals bei der Generalprobe in Cincinnati wie in diesem Jahr bereits im Achtelfinale ausgeschieden war, war er danach bei den US Open nicht zu bezwingen. Zwar ist das schon elf Jahre her - doch Zeit spielt bei Federer ja sowieso keine Rolle.

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24.08.2019, 21:12 Uhr
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