Philipp Kohlschreiber und der Traum, Partyschreck zu sein
Philipp Kohlschreiber trifft bei den US Open in der dritten Runde auf Roger Federer und will den Schweizer erstmals besiegen.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
04.09.2015, 09:48 Uhr

Von Jörg Allmeroth aus New York
Er hat sie alle schon geschlagen. Den „Djoker“,Novak Djokovic, die Nummer eins der Welt. Den „Matador“ und Satzplatz-König,Rafael Nadal. AuchAndy Murray, den schottischen Braveheart. Und dazu den größten Teil der Weltelite, ob nunTomas BerdychoderJo-Wilfried Tsonga. Nur einer fehlt Philipp Kohlschreiber noch aus der echten Königsklasse in seiner Sammlung, in der Galerie der erlesenen Geschlagenen – und das ist ausgerechnet, aber auch kein Wunder, sein Freund und liebster Trainingspartner Roger Federer. „Ein Mal muss es noch klappen, bis er aufhört“, sagt Kohlschreiber, „irgendwie, irgendwo, irgendwann.“
„Sonst kann ich auch im Hotel bleiben“
Vielleicht ist das Irgendwo ja New York, die US Open 2015. Und die riesige Betonschüssel des Arthur Ashe Stadiums, in die über 22.000 Fans hineinpassen. Dort jedenfalls hat Kohlschreiber am Samstag nach neun Niederlagen seinen zehnten Versuch, das Unmöglich scheinende und den Traum möglich zu machen, in der dritten Runde des Grand-Slam-Spektakels im Big Apple: „Warum sollte es nicht klappen?“, fragt sich Kohlschreiber. „Ich gehe raus und bin überzeugt, es zu gewinnen. Sonst kann ich auch im Hotel bleiben.“ Hat er Angst, in der größten Tennisarena des Planeten eine Abreibung zu kassieren, gegen den ewigen Roger, den Publikumsliebling, den gerade wieder neu modellierten Superstar am Racket? Als ihm diese Frage gestellt wird, am Donnerstagabend,nach seinem sicheren Drei-Satz-Sieg gegen den Tschechen Lukas Rosol, muss Kohlschreiber schmunzeln: „Dann kriege ich wenigstens vor vielen Leuten eins auf die Mütze.“
Aber ans Verlieren denkt Kohlschreiber nicht, darf er auch nicht als Profi. Auch wenn es gegen den Supermann geht, den 17-maligen Grand-Slam-Champion, den Mister Nice Guy des Tennis. „Ich rechne mir eine Chance aus“, sagt der deutsche Nummer-eins-Spieler, der nur zu gerne Partyschreck wäre. Wenn Kohlschreiber von Chancen redet, dann tut er es vor allem in der Erinnerung ans letzte Match, die Erstrunden-Partie in Halle (Westfalen). Da hatte Kohlschreiber im Tiebreak des dritten, entscheidenden Satzes 5:3 geführt, hätte die Partie mit eigenen Aufschlägen gewinnen können – um dann doch wieder und auch wie immer zu verlieren. Es sei eine jener Partien gewesen, sagt Kohlschreiber, „die dir ein paar Tage nachhängen, die du nicht gleich verdauen kannst“: „Aber ich habe im Nachhinein doch auch gesehen, wie gut ich dran war an Roger.“
Auslosungspech der letzten Wochen
Kohlschreiber ist in den letzten US-Open-Jahren, aber auch in den letzten Tenniswochen nicht vom Auslosungsglück verfolgt gewesen – um es mal milde auszudrücken. 2013 und 2014 verlor er nach bravourösen Auftritten in New York einmal gegen den späteren Champion, 2013 war das Nadal und das Jahr darauf unterlag er Djokovic. Nach dem unglücklichen Erstrunden-Rendezvous mit Federer jüngst bei den Gerry Weber Open wurde Kohlschreiber dann in Wimbledon zum Auftakt Djokovic zugeteilt, der gewann das Turnier bekanntlich später. Aber Kohlschreiber jammerte nie über die Pechserie, stellte sich tapfer und wacker in den David-gegen-Goliath-Duellen, verdiente sich den Respekt der Gegner und der Fans. „Ein richtig guter Tennisspieler“ sei Kohlschreiber, sagt Federer, „oft unterschätzt, oft nicht richtig gewürdigt.“
Und tatsächlich: Wenn einer aus Deutschland im Moment mit den Besten der Welt mitzuhalten vermag, Turniere gewinnen kann und wenigstens eine respektable Außenseiterchance gegen Federer hat, dann ist es nur Kohlschreiber. Der jungeAlexander Zverevist noch nicht so weit. „Für Philipp war es schon eine Erleichterung, dass er das Spiel gegen Zverev gewonnen hat. Da steckte schon viel Prestige drin“, sagt Davis-Cup-Chef Michael Kohlmann, „jetzt kann er frei aufspielen und das Match gegen Federer genießen.“ Vielleicht, vielleicht sogar als Sieger. Im zehnten Anlauf.
Hier die Ergebnisse von den US Open:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.
Weitere Sportnachrichten findest duhier.
US Open live auf Sky. Mehrere Spiele parallel und in HD schauen.
