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US Open: Philipp Petzschner - „Im Doppel geht es immer um Nuancen“

Jürgen Melzer und Oliver Marach spielen am Sonntag um den Einzug in das Doppel-Achtelfinale bei den US Open 2019. Gecoacht werden die beiden auf der nordamerikanischen Tour von Philipp Petzschner, dem ehemaligen Partner von Melzer. Im Interview mit tennisnet geht es auch um Nick Kyrgios.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 01.09.2019, 17:34 Uhr

2018 noch gemeinsam aktiv: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
© GEPA Pictures
2018 noch gemeinsam aktiv: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer

tennisnet: Herr Petzschner. Wir plaudern hier mit dem Coach Philipp Petzschner. Werden wir auch den Spieler Petzschner noch einmal sehen?

Philipp Petzschner: Mir geht es den Umständen entsprechend gut, Leistungssport wird aber wohl nicht mehr möglich sein. Aber ich kann zumindest wieder schmerzfrei gehen.

tennisnet: Sie haben gerade die kommenden Gegner von Oliver Marach und Jürgen Melzer beobachtet, Nick Kyrgios und Marius Copil. Gerade um den Australier gibt es hier beinahe täglich enorme Aufregung.

Petzschner: Ich glaube, dass Nick viele Attribute hat, die für das Tennis gut sind. Trotz alledem muss er sich zügeln, auch mit seinen Aussagen, wenn er Spieler öffentlich direkt angreift. Das ist ein absolutes No-Go. Solche Dinge könnte man auch privat klären. Ich persönlich verstehe mich mit ihm gut, wir haben immer eine Menge Spaß zusammen. Und er hat ein großes Herz. Mein Sohn ist ein Riesenfan von ihm, und ich habe Nick mal gefragt, ob er aus seiner Special Edition noch ein Paar Schuhe für mich hätte. Er hatte keines mehr - aber dann doch noch irgendwie eines organisiert, nur für meinen Sohn.

tennisnet: Ihre beiden Schützlinge haben zum Auftakt in drei Sätzen gegen Andrey Rublev und Mikhail Kukushkin gewonnen. Ihre Einschätzung?

Petzschner: Das Match war bis zum Ende auf des Messers Schneide. Olli musste im letzten Game noch einmal Breakbälle abwehren. Im Doppel geht es immer nur um Nuancen. Gegen die beiden war es nicht einfach, Rublev ist im Moment sehr selbstbewusst, spielt sehr gutes Tennis. Es ist ein guter Sieg, aber wir sind mit der zweiten Runde natürlich noch nicht zufrieden.

tennisnet: Worin liegt die konkrete Aufgabe eines Coaches bei zwei Spielern mit derart viel Routine wie sie Oliver Marach und Jürgen Melzer haben?

Petzschner: Ich versuche zu vermitteln, dass die beiden zueinander finden, nicht wie Individualisten spielen. Jürgen kenne ich besser als jeden anderen Spieler auf der Tour. Es geht letztlich nur um Kleinigkeiten. Hier und da sage ich ihnen taktisch etwas, aber wir sprechen das natürlich alles gemeinsam durch. Ich hoffe, dass ich den beiden weiterhelfen kann, deshalb haben sie mich auch geholt. Ich finde, dass es schon viele gute Dinge gibt. Aber auch noch Aspekte, die man verbessern kann und muss.

tennisnet: Jürgen hat vergangene Woche in Winston Salem ziemlich überraschend auch Quali im Einzel gespielt. Deutet sich da ein Comeback an?

Petzschner: Nein, nein. Ich habe mich gefreut, Jürgen noch einmal im Einzel zu sehen, er war auch in beiden Sätzen Break vor, hatte den Ball gut am Schläger. Ich glaube aber, dass er bei einem Sieg Probleme bekommen hätte, am nächsten Tag noch einmal so eine Leistung abzurufen. Er ist es einfach nicht mehr gewohnt, diese hohen Intensitäten zu fahren.

tennisnet: Gibt es konkrete Ziele, die intern besprochen wurden?

Petzschner: Das Fernziel ist auf jeden Fall Olympia 2020. Kurzfristig können wir uns vielleicht noch in das Masters mogeln. Nach den US Open spielen Jürgen und Olli Davis Cup, dann in Asien, dann noch ein paar Turniere in Europa. Sie haben genügend Chancen, noch viele Punkte zu holen.

tennisnet: Sie haben hier mit Jürgen Melzer 2011 den Titel geholt. Was hat sich seitdem im Doppel-Spiel verändert?

Petzschner: Es gibt viel mehr Spezialisten, viel mehr Leute, die sich von Anfang an nur auf das Doppel konzentrieren. Mate Pavic etwa. Früher hatte man eher so die Einzelspieler, die dann spät in ihrer Karriere mit dem Doppel begonnen haben. Aber selbst Mark Knowles und Daniel Nestor haben früher auch Einzel gespielt. Es gibt jetzt viel mehr gute Teams, dafür spielen weniger gute Einzelspieler.

tennisnet: Könnten Sie Einzelspielern empfehlen, mehr Doppel zu spielen?

Petzschner: Dominic Thiem etwa macht das ja, Diego Schwartzman auch. Auch David Goffin sieht man öfter Doppel spielen, Karen Khachanov ebenfalls. Die nehmen das einfach als Trainingseinheiten, um ihr Spiel zu verbessern. Bei einem Grand-Slam-Turnier mit Best-of-Five im Einzel ist es allerdings schwierig, wenn man dann nach einem Vier- oder Fünf-Satz-Match am eigentlich freien Tag um 14 Uhr Doppel spielen muss. Das ist natürlich suboptimal, wenn einem im Einzel dann die Körner fehlen.

tennisnet: Apropos. Frances Tiafoe haben gegen Alexander Zverev offenbar die Körner gefehlt, er hat sich eine zwölfminütige Toilettenpause gegönnt. Stefanos Tsitsipas ist sogar mitten im Satz rausgegangen. Was sagt der Veteran zu solchen Vorfällen?

Petzschner: So etwas hat es vor ein paar Jahren einfach nicht gegeben. 2018 hatten wir ja hier beim Match von Djokovic und Fucsovics die Situation, wo beide während des Matches die Sachen gewechselt haben und ins Eisbad gegangen sind, weil es so heiß war. Solange man sich im Regelwerk befindet, ist das wohl in Ordnung. Für Spieler, die länger dabei sind, ist das natürlich ungewohnt. Aber wenn man wirklich auf die Toilette muss, dann muss man halt.

tennisnet: Björn Borg musste allerdings nie auf die Toilette …

Petzschner: Damals war es aber wohl auch noch nicht so intensiv. Es wäre aber wichtig, dass das einheitlich geregelt wird. Letztes Jahr hat der Ruben Bemelmans hier gegen den Jaume Munar, nach dem vierten Satz ist Munar dann in die Kabine gegangen, um seine Schuhe zu wechseln. Die haben auf Platz 13 gespielt, Munar war eine Viertelstunde weg. Und Bemelmans konnte den Platz nicht verlassen.Da muss eine klare Regel her.

tennisnet: Noch schnell zur Aktualität: Wie müssen es Jürgen Melzer und Oliver Marach gegen Nick Kyrgios und Marius Copil anlegen?

Petzschner: Sie müssen auf ihre Chancen warten. Obwohl Kyrgios und Copil gut aufschlagen, lassen sie einen doch immer wieder in den Ballwechsel zurück. Die zweiten Bälle nach dem Return müssen konsequent gespielt werden. Die Aufschlagspiele müssen konzentriert abgearbeitet werden. Und dann einfach die Chancen nutzen.   

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