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Timea Bacsinszky – „Leute, ich habe euch doch nichts getan!“

Timea Bacsinszky vermisst olympische Umgangsformen auf der Tennis-Tour.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 01.09.2016, 04:56 Uhr

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - AUGUST 04: Tennis player Timea Bacsinszky of Switzerland talks while attending a press conference on August 4, 2016 in Rio de Janeiro, Brazil. (Photo by Ker Robertson/Getty Images)

Von Florian Goosmann aus New York City

Es ist wieder Tour-Alltag für Olympia-Silbermedaillen-GewinnerinTimea Bacsinszky, die heute in Runde zwei gegenVarvara Lepchenkoum den Einzug in Runde drei kämpft. Oder besser gesagt: spielt. Denn Bacsinszky geht der aggressive Ton, der auf der Tennis-Tour herrscht, komplett gegen den Strich. Speziell nach ihren Erlebnissen in Rio. „Im Village hat man den Respekt gespürt, den jeder jedem erweist. Es gibt keine Aggressivität. Alle waren nett. Auch ich habe vermutlich mehr gestrahlt als sonst, habe mehr gelacht, weil ich diese Energie gespürt habe.“

„Das hier ist doch kein Krieg!”

Für Bacsinszky ein Gefühl, das sie auf der Tour vermisst. „Jeder Wettkampf sollte so sein. Selbst im Tennis nutzt man manchmal Ausdrücke wie ‚Oh, was sind deine Waffen?’ Was soll das? Das hier ist doch kein Krieg. Man nutzt Waffen aber für den Krieg. Aber wieso nutzen wir das in unserem Vokabular?“

Bei den Spielen hat es der Schweizerin vor allem das Pin-Tauschen angetan, „sonst wären die Leute wohl zu schüchtern, miteinander zu sprechen“. So aber „kann man zu jedem Land der Welt gehen und sagen ‚Ah, Palau, wusste gar nicht, dass es das gibt. Oder Tuvalu, wo liegt das denn?’ Man wird neugierig, fragt ‚Welchen Sport machst du?’ – ‚Oh, ich habe gegen sie verloren oder habe mich verletzt.’ Man spürt dann, wie traurig das ist und wie viel es den Leuten bedeutet. Dann sagst du bye-bye, viel Glück und siehst ihn oder sie womöglich nie wieder.“ Der gesamte Kontakt sei natürlich, schlicht und nett gewesen. „Alle Bilder, die man von den Olympischen Spielen sieht, sind voller positiver Emotionen, voller Sportsgeist.“

Ernst gemeinte Aufrichtigkeit

Der Wechsel zurück auf die Tennistour war für Bacsinszky insofern wieder ein Schritt in eine andere Liga. „Diese Anspannung, die viele in den Augen haben, auch auf der Tour... Man denkt: ‚Leute, ich habe doch nichts getan, beruhigt euch!’ Man spürt manchmal eine Aggressivität, die ich bei Olympia sicher nicht gefühlt habe.“ In Rio hingegen habe man sich zu 100 Prozent sicher um die Aufrichtigkeit sein können, darüber, dass sich die anderen wirklich für einen gefreut hätten – und so sollte die Welt sein, so Bacsinszky. Andererseits, wenn die Spiele wöchentlich stattfänden, „wäre es womöglich nichts Besonderes mehr“, so die Schweizerin weiter, der die Spiele in jedem Falle „so einiges deutlich gemacht haben“.

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01.09.2016, 04:56 Uhr