Video von Siegesfeier: Novak Djokovic erregt den Zorn eines kosovarischen Botschafters

Unter riesigem Jubel stemmte das serbische Team vergangenen Sonntag die Trophäe des ATP Cups in die Höhe. Wenige Stunden nach dem Finalsieg über Spanien tauchte in den Sozialen Medien ein Video auf, dass die Serben beim Singen eines Marsches zeigt. Ein kosovarischer Botschafter reagierte empört darauf – und griff die serbische Nummer eins, Novak Djokovic, scharf an.

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 15.01.2020, 10:09 Uhr

Novak Djokovic löste mit einem Video beim Feiern des ATP Cup Siegs eine Welle der Empörung aus
Novak Djokovic löste mit einem Video beim Feiern des ATP Cup Siegs eine Welle der Empörung aus

Es brachen alle Dämme bei Viktor Troicki und Novak Djokovic, als sie nach einer Stunde und 15 Minuten ihren ersten Matchball im Entscheidungsdoppel gegen Pablo Carreno Busta und Feliciano Lopez verwandelten und sich damit offiziell Sieger des ersten ATP Cups nennen durften.

Zusammen mit den vielen serbischen Fans in der Ken Rosewall Arena feierten die Serben den Triumph frenetisch. Und auch in den Katakomben ging die Party für Djokovic & Co weiter: Wenige Stunden nach dem Sieg tauchte aber ein Video in den Sozialen Medien auf, dass das serbische Team beim Singen eines Marsches zeigt.

Was auf den ersten Blick harmlos wirkte, wurde durch einen Tweet des kosovarischen Botschafters von Bulgarien, Edon Cana, schnell zu einem heiß diskutierten Thema. Bei dem Marsch soll es sich nämlich um ein Kriegslied handeln, dass auch von ultranationalistischen Serben gesungen worden sein soll. Für den Kosovo – der 2008 seine Unabhängigkeit erklärte, die von Serbien aber nicht anerkannt wurde – stellt das Singen dieses Liedes offensichtlich eine Provokation dar. Edon Cana fand jedenfalls recht drastische Worte für die Nummer zwei der Welt:

„Du kannst ATP-Gewinner sein, aber bleibst dennoch ein tief primitiver, rückständiger und einfacher Balkannationalist und Chauvinist!“, schrieb Cana auf Twitter. Nicht umsonst - so Cana - sei Djokovic der unbeliebteste Tennis-Champion der Geschichte. Und auch andere Nutzer empörten sich über das Video und warfen Djokovic vor, eine serbisch-nationalistische Haltung zu unterstützen.

Djokovics Vater reagiert auf die Vorwürfe

Nun meldete sich Djokovics Vater zu den Vorwürfen zu Wort. Im Gespräch mit einem serbischen TV-Sender erklärte er, Novak Djokovic hätte keinerlei böswillige Absichten irgendjemandem gegenüber gehabt. "Es ist nichts, wofür man sich schämen müsste, wir lieben unser Volk und unser Land. Aber wir hassen andere Menschen und andere Länder nicht“, zitiert ihn das Online-Medium B.92.net.

Es ist nicht das erste Mal, dass Djokovic in einer solchen Causa auf Kritik stößt. Als der Serbe 2018 erklärte, Kroatien bei der Fußball-WM zu unterstützen, verurteilten das serbische Politiker und Medien.  "Die Medien blasen Geschichten oft zu sehr auf. In einigen Medien wurde ich für die Unterstützung der kroatischen Nationalmannschaft scharf verurteilt, aber es machte mir nichts aus. Ich weiß viele Dinge, und durch meinen Namen und meinen Einfluss kann ich zu positiver Energie beitragen“, erklärte Djokovic damals.

Australian Open für Djokovic im Fokus

Die aktuelle Diskussion wird den Serben derzeit wohl kaum tangieren, steht für ihn doch schon das nächste Saisonhighlight vor der Tür. Am 20. Januar startet der 32-Jährige nämlich sein Projekt Titelverteidigung bei den Australian Open. Durch seine sportlichen Leistungen beim ATP Cup ist Novak Djokovic abermals der Topfavorit beim ersten Grand Slam des Jahres und wird alles daran setzen, seinen achten Titel in Melbourne einzufahren.

Hot Meistgelesen

26.03.2020

Dominic Thiem - "Ich kann länger ohne Tennis als ohne Dennis leben"

29.03.2020

Thomas Muster zur Thiem-Trennung: "Wurde nicht nach 16 Tagen gefeuert"

28.03.2020

Nun auch Daniil Medvedev: Dominic Thiems FIFA-Team wächst

27.03.2020

Dirk Hordorff: "Wenn wir im Oktober wieder spielen können, dann wäre ich sehr froh"

29.03.2020

Günter Bresnik über Coronakrise: "Gibt keinen Politiker, der für irgendein Problem eine Lösung findet"

von Michael Rothschädl

Mittwoch
15.01.2020, 11:30 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.01.2020, 10:09 Uhr