Von der Hitze in die Halle: Was beim Trinken im Tennis wirklich zählt
Von der Hitze bei den US Open bis zur europäischen Hallensaison: Die Bedingungen ändern sich, die Bedeutung der richtigen Flüssigkeitsversorgung bleibt. Was der Körper über den Schweiß verliert, warum Wasser allein oft nicht reicht und was beim Trinken vor, während und nach dem Match zählt. Ein Gastbeitrag von Dr. Simone Kumhofer. Mit dem Rabattcode TENNISNET13 sichert ihr euch 13 Prozent Rabatt auf waterdrop®-Produkte.
von Dr. Simone Kumhofer
zuletzt bearbeitet:
02.10.2026, 15:07 Uhr

Bei den US Open ließ sich wieder gut beobachten, wie sehr ein Match kippen kann, wenn im Louis Armstrong Stadium die Nachmittagssonne steht und die Luftfeuchtigkeit nach oben geht. Dann entscheidet nicht mehr nur die Vorhand, sondern auch, wie gut ein Spieler seinen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt im Griff hat. Inzwischen ist die Tour in Asien angekommen, Beijing und Wuhan laufen, Shanghai steht an, und in ein paar Wochen beginnt in Europa die Hallensaison. Die Kulisse wechselt, das physiologische Problem bleibt. Tennis gehört wegen der langen Matchdauer, der wiederholten hochintensiven Ballwechsel und teils beträchtlicher Schweißverluste zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt, wenn es ums Trinken geht. Und gerade in der Halle wird das gern übersehen.
Wie viel tatsächlich verloren geht
Ein enges Match über zwei Gewinnsätze zieht sich schnell über zwei bis drei Stunden, ein Fünfsatzmatch auch mal über vier oder fünf. Was in dieser Zeit an Schweiß zusammenkommt, unterschätzen die meisten. Bei Hitze verlieren Tennisspieler häufig deutlich mehr als einen Liter pro Stunde, einzelne Athleten unter extremen Bedingungen noch erheblich mehr. Über ein langes Match hinweg landet man damit rasch bei einem Flüssigkeitsverlust im Bereich mehrerer Prozent des Körpergewichts – jedenfalls, wenn nicht konsequent nachgetrunken wird.
Das ist relevant, weil sich solche Defizite auf die Leistung auswirken. Ab etwa zwei Prozent Verlust können, besonders bei Hitze und langer Belastung, körperliche wie kognitive und motorische Parameter nachlassen. Betroffen ist damit ausgerechnet das, worauf es im Tennis ankommt: die Feinmotorik am Schläger, die Aufmerksamkeit für die richtige taktische Entscheidung, und die Fähigkeit, auch nach zwei Stunden noch schnell genug auf einen Return zu kommen.
Ein Wort noch zu den Krämpfen, die gegen Matchende so häufig auftreten. Die naheliegende Erklärung „zu wenig getrunken" greift zu kurz. Belastungsbedingte Muskelkrämpfe gelten heute als multifaktoriell, und die neuromuskuläre Ermüdung dürfte dabei eine größere Rolle spielen als der reine Flüssigkeitsstand. Bei Athleten mit sehr hohen Schweiß- und Salzverlusten können diese zusätzlich hineinspielen. Der Krampf im dritten oder fünften Satz hat also meist nicht eine Ursache, sondern ist eher das Ergebnis dessen, was sich über ein langes Match alles aufsummiert.
Wasser allein reicht oft nicht
An dieser Stelle hält sich ein Missverständnis hartnäckig, auch bei ambitionierten Amateuren. Schweiß besteht nicht nur aus Wasser. Er enthält Elektrolyte, vor allem Natrium, dazu unter anderem Kalium, Kalzium und Magnesium. Wie viel Natrium jemand über den Schweiß verliert, schwankt von Person zu Person beträchtlich. Manche verlieren auffällig viel; die weißen Salzränder auf dunkler Kleidung nach dem Match sind oft ein erster Hinweis darauf.
Wichtig ist deshalb nicht allein, wie stark jemand schwitzt, sondern auch, was dabei mit hinausgeht. Kritisch kann es vor allem dann werden, wenn über längere Zeit viel hypotone Flüssigkeit aufgenommen wird – reines Wasser etwa – und zwar mehr, als tatsächlich verloren geht. Der Natriumspiegel im Blut kann dann stark absinken, im Extremfall bis zur belastungsassoziierten Hyponatriämie, die von Übelkeit und Kopfschmerzen bis zu ernsten neurologischen Problemen reichen kann.
Daraus folgt aber nicht, dass jeder Schluck Wasser mit einer abgemessenen Portion Elektrolyte kombiniert werden müsste. Sinnvoller ist, Trinkmenge, Matchdauer, Temperatur und die eigenen Schweißverluste zusammen zu betrachten. Je länger das Match und je höher die Schweißrate, desto mehr rückt Natrium in den Vordergrund.
Das richtige Timing
Gutes Flüssigkeitsmanagement fängt lange vor dem ersten Aufschlag an. Wer versucht, kurz vor Matchbeginn schnell noch große Mengen zu trinken, macht es falsch. Es geht darum, mit einem ausgeglichenen Haushalt auf den Platz zu gehen.
In den Stunden davor heißt das: genug trinken, ohne sich den Magen vollzuschlagen, und bei zu erwartenden hohen Schweißverlusten auch an ausreichend Natrium denken. Während des Matches sind kleine, regelmäßige Mengen in aller Regel besser als selten viel auf einmal, und die Seitenwechsel bieten dafür ohnehin die passenden Gelegenheiten. Wie viel konkret nötig ist, hängt stark vom Spieler und den Bedingungen ab. Wer bei 30 Grad mit hoher Schweißrate spielt, braucht eine andere Strategie als jemand, der in kühler Halle vergleichsweise wenig verliert.
Nach dem Match geht es ums Auffüllen. Muss die Regeneration schnell gehen, etwa weil am nächsten Tag das nächste Match ansteht, sind rund 125 bis 150 Prozent des entstandenen Defizits ein guter Richtwert – pro verlorenem Liter also etwa 1,25 bis 1,5 Liter. Der Grund ist simpel: Ein Teil der Flüssigkeit wird in den folgenden Stunden wieder ausgeschieden. Natrium hilft dabei, die aufgenommene Flüssigkeit im Körper zu halten.
Trinken ist nicht dasselbe wie Energie zuführen
Zwei Dinge werden in der Praxis oft in einen Topf geworfen: die Versorgung mit Flüssigkeit und die mit Energie. Das sind zwei verschiedene Baustellen.
Kohlenhydrate während eines langen, intensiven Matches sind keineswegs verkehrt. Bei mehrstündiger Belastung tragen sie im Gegenteil dazu bei, die Kohlenhydratverfügbarkeit und damit die Leistung oben zu halten. Ein Sportgetränk kann Flüssigkeit, Natrium und Kohlenhydrate deshalb durchaus bewusst gleichzeitig liefern. Nur muss eben nicht jede Trainingseinheit und nicht jede Flasche automatisch zur Kohlenhydratquelle werden.
Wer in erster Linie Flüssigkeit und Elektrolyte braucht, kann die beiden Funktionen auch trennen: Kohlenhydrate dosiert man nach Dauer und Energiebedarf, die Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr steuert man unabhängig davon. Praktisch wird das mit zuckerfreien Elektrolytlösungen. Waterdrop etwa liefert die Mineralstoffe über einen kleinen Microdrink, den man ins Wasser gibt, ganz ohne zusätzliche Kohlenhydrate – so lässt sich die Elektrolytzufuhr sauber von der Energiezufuhr entkoppeln und flexibel an das jeweilige Match anpassen. Wer im Match zusätzlich Kohlenhydrate braucht, holt sie sich separat über Gel oder eine andere gut verträgliche Quelle.
Und dann ist da noch ein Faktor, den viele unterschätzen: der Geschmack. Ein Getränk kann physiologisch noch so klug zusammengesetzt sein – wenn ein Spieler es nicht gern trinkt, bleibt die Flasche halb voll und die ganze Strategie läuft ins Leere. Deshalb ist es kein Nebenaspekt, dass es Elektrolytdrinks inzwischen in einer breiten Geschmacksvielfalt gibt; erst das sorgt dafür, dass über ein langes Match überhaupt genug getrunken wird. Wer zwischen mehreren Sorten wählen kann, trinkt am Ende schlicht mehr.
Was das für die Praxis heißt: der Blick in die Tennistasche
Auf dem Platz zählt am Ende, was sich tatsächlich umsetzen lässt. Und genau da entscheidet oft das Format. Große, vorgemischte Sportflaschen sind schwer, nehmen Platz weg und die angemischte Menge ist irgendwann leer oder abgestanden. Wer an einem Turnierwochenende zwei oder drei Matches spielt, unterwegs trainiert oder einfach nicht jedes Mal literweise Fertiggetränk schleppen will, fährt mit einer kompakten Lösung besser. Ein paar Microdrinks in der Tasche wiegen fast nichts, lassen sich an jeder Wasserquelle frisch ansetzen und portionieren – ob für die knappe Trainingseinheit oder das lange Match bei Hitze. Für den Reisealltag auf der Tour, aber auch für den Vereinsspieler mit Match am Samstag und Sonntag, ist das der praktikablere Weg als die klassische Literflasche.
Warum die Halle keine Entwarnung ist
Mit der Indoor-Saison fällt die direkte Sonne weg, die thermische Belastung aber nicht unbedingt. Wie viel jemand in der Halle schwitzt, hängt von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Intensität, Kleidung und individuellen Faktoren ab, und unter ungünstigen Bedingungen können die Schweißverluste durchaus hoch bleiben.
Das Tückische daran: In der kühleren Umgebung fühlt sich die Belastung weniger „heiß" an, entsprechend schwächer meldet sich der Durst. Genau deshalb lohnt es sich, die im Sommer eingeübte Trinkstrategie nicht mit den ersten kühlen Tagen wieder zu vergessen.
Keine Faustregel für alle
Bleibt der wichtigste Punkt, und der ist zugleich der unbequemste: Eine allgemeingültige Trinkmenge gibt es nicht. Schweißrate und Natriumverlust unterscheiden sich stark zwischen einzelnen Athleten und verschieben sich zusätzlich mit Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Trainingszustand und Hitzeakklimatisation.
Wer es genauer wissen will, kann seine Schweißrate mit einfachen Mitteln abschätzen: Körpergewicht direkt vor und nach einer definierten Belastung vergleichen und dabei die getrunkene Flüssigkeit, bei Bedarf auch die Urinmenge, einrechnen. Das ergibt einen brauchbaren Startwert für die eigene Trinkstrategie. Noch genauer wird es, wenn zusätzlich die Natriumkonzentration im Schweiß bestimmt wird – das lohnt vor allem bei Athleten mit sehr hohen Schweiß- oder Salzverlusten.
Für ambitionierte Freizeitspieler lässt sich das Ganze auf ein paar Grundsätze eindampfen: gut hydriert starten, bei längeren Einheiten regelmäßig trinken, Flüssigkeits- und Elektrolytverluste im Blick behalten, und Kohlenhydrate dort einsetzen, wo Intensität und Dauer sie als Energiequelle wirklich verlangen. Nichts davon ist spektakulär. Aber über mehrere Stunden hinweg entscheiden oft gerade diese kleinen Dinge darüber, wie viel von der eigenen Leistung im dritten Satz noch übrig ist.
Die Tour zieht in diesen Wochen von der Hitze Richtung Halle. Für die Profis ändert das die Kulisse, an der Physiologie ändert es nichts. Und für alle, die selbst zum Schläger greifen, gilt am Ende dasselbe wie für die Spitze: Ein gutes Stück des Matches wird an der Bank beim Seitenwechsel entschieden.
