Wimbledon: Alexander Zverev will "Fery-Tale" für den eigenen Titeltraum beenden
Alexander Zverev stürmt seinem ersten Titel in Wimbledon entgegen. Auf dem Weg ins Finale will er nun ein britisches Märchen beenden.
von SID
zuletzt bearbeitet:
09.07.2026, 12:16 Uhr

Auch Alexander Zverev weiß, wie gute Märchen geschrieben werden. Da gibt es den Helden, der sich auf eine große Reise begibt, Aufgaben bestehen und Hindernisse überwinden muss. Und ihm gegenüber steht der Antagonist, der sich mit aller Macht in dessen Weg stellt. Für seinen Traum vom zweiten Grand-Slam-Triumph in Folge muss Zverev in Wimbledon nun selbst die Rolle des Bösewichts übernehmen, schließlich will er das magische "Fery-Tale" in SW19 beenden - und Millionen britischer Herzen brechen.
Natürlich wisse er, "dass 99 Prozent der Zuschauer ihn anfeuern werden", sagte Zverev vor seinem Halbfinale am Freitag gegen das Wimbledon-Wunder Arthur Fery. Der 23 Jahre alte Brite steht im All England Club sensationell in der Runde der letzten vier, lässt die Insel dieser Tage gleichermaßen beben und auf den ersten Heimsieg seit Andy Murray 2016 hoffen. Doch Zverev, der spätestens nach dem dominanten Sieg gegen seinen ehemaligen Angstgegner Taylor Fritz vor Selbstvertrauen strotzt, freut sich auf sein Auswärtsspiel auf dem heiligsten aller Tennisplätze.
Zverev hat keine Angst vor der Atmosphäre
"Ich genieße solche Atmosphären auch. Ich mag es, wenn die Energie richtig hoch ist", sagte Zverev. Sorgen, dass das Publikum einen Einfluss auf seine eigene Leistung haben könnte, macht er sich keine. "Ich bin fast 30 Jahre alt. Ich bin schon lange genug auf Tour", sagte der French-Open-Sieger, der die "feindseligsten, schwierigsten und unfairsten" Zuschauer schon alle erlebt habe: "Ich komme damit klar." In London habe er aber ohnehin das Gefühl, dass die Fans "ziemlich fair" seien. "Ja, es kann laut sein, es kann ausgelassen sein", sagte Zverev, "aber das ist okay."
In Großbritannien ist der Hype um ihren "King Arthur", der fünf Minuten entfernt von Wimbledon aufwuchs, immens. Die Titelseiten gehören alle Fery, der als erst zweiter Spieler eine Wildcard erhielt und es dann bis in das Halbfinale schaffte. Längst wird überlegt, ob der legendäre Hügel bei Court 1 nach Henman Hill und Murray Mound nun umbenannt werden soll. Fery's Fairway oder Fery Field zählen zu den beliebtesten Vorschlägen.
Fery verzaubert sogar die Königin
Er selbst habe "immer daran geglaubt", dass er "ein Topspieler dieser Welt" sein könne, sagte Fery, der mit seinem Sieg gegen den Italiener Flavio Cobolli sogar Königin Camilla verzauberte. Doch auch der Weltranglisten-114. weiß, dass sein eigenes Märchen nur mit einem weiteren Wunder weitergehen kann. "Zverev ist nochmal ein größeres Level", sagte Fery, der ausgerechnet am Finaltag seinen Geburtstag feiert: "Aber ich bin bereit. Ich habe nichts zu verlieren."
Bei Zverev sieht das ganz anders aus. Ihm ist bewusst, dass die Chance auf die erste deutsche Finalteilnahme im Männer-Einzel seit Boris Becker vor 31 Jahren riesig ist. Dass er im Halbfinale auf Fery treffe, sei "vielleicht ein bisschen überraschend", sagte Zverev. Dennoch geht er mit großem Respekt in die "harte Herausforderung" gegen den Lokalmatadoren. "Ich finde, er hat es verdient", sagte Zverev: "Es ist eine tolle Geschichte."
Ein Märchen, das aber kein britisches Happy End bekommen soll.
Das Herren-Einzel-Tableau in Wimbledon
