Die Größten zeigen Größe

Bei den Pressekonferenzen zeigen sich die Spitzenprofis ergebnisunabhängig von ihrer besten Seite.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 04.07.2016, 22:08 Uhr

LONDON, ENGLAND - JULY 02: Novak Djokovic of Serbia speaks to the media following his defeat against Sam Querrey of the United States on day six of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on July 2, 20...

Von Jens Huiber aus London

Die Versuchsanordnung ist bei allen Grand-Slam-Turnieren die gleiche: Es gibt einen großen Saal, in dem die Pressekonferenzen der Elitespieler abgehalten werden, und mehrere kleinere, in denen die mehrheitlich lokalpatriotischen Wünsche der Journalisten aus aller Welt ihre Befriedigung finden. Der erste Teil der Befragungen findet in der Regel in der Amtssprache Englisch statt, dann darf auch auf Deutsch, Rumänisch oder in Mandarin nachgehakt werden. Der englische Teil wird protokolliert und liegt zur Nachbearbeitung im Pressezentrum aus.

Dennoch empfiehlt es sich, hier und da eine der Pressekonferenzen selbst zu besuchen oder diese zumindest über das Intranet auf dem Bildschirm live zu verfolgen. Gerade in den letzten Tagen haben die Größten der Tennisbranche wieder ihre Ausnahmestellung unter Beweis gestellt, vor allen der Weltranglisten-ErsteNovak Djokovic, der bei seinerViersatz-PleitegegenSam Querreyimmerhin nicht weniger als die Chance auf einen Kalender-Grand-Slam, womöglich noch vergoldet in Rio de Janeiro, verspielt hatte.

Erklärungen, keine Ausreden

Djokovic sitzt gefasst neben dem zuständigen Herren von der Turnierleitung, während Letzterer die Reihenfolge der Fragenden festlegt, studiert der beste Spieler der Welt die Statistiken seiner epochalen Viersatz-Niederlage. Was folgt, ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich ein Profisportler in für ihn schweren Zeiten verhalten sollte: Djokovic zollt seinem Gegner Respekt, sucht keine Ausreden, bittet höflich darum, zu respektieren, dass er zu manchem Thema nicht mehr sagen möchte oder kann.

Garbine Muguruzahatte sich wenige Tage davor mindestens ebenso Respekt abringend aus der Affäre gezogen. DieFrench-Open-Siegerinlegte den Sachverhalt kurz dar, wonach sie sich einfach nicht gut gefühlt hätte, Tragödie sei ihrAus in Runde zweigegenJana Cepelovanun aber auch keine. Sprach’s, nahm noch zu einigen Fragen in ihrer Muttersprache Spanisch Stellung und verabschiedete sich, viele der Gesichter im Auditorium wird Muguruza womöglich bald wiedersehen, entweder in Montreal oder spätestens bei Olympia.

Klare Hackordnung

Die Laune vonRoger Federerist nachseinem Achtelfinal-SieggegenSteve Johnsonnaturgemäß deutlich besser als die von Djokovic und Muguruza, der Schweizer unterhält das Auditorium wie gewohnt in mehreren Sprachen. Die große Kunst Federers besteht darin, auch Fragen, die er zum mindestens 642. Mal gehört hat, so zu beantworten, dass sich der Fragesteller fühlt, als habe er oder sie gerade das bergaufwärts laufende Wasser erfunden.

Serena Williamsschließlich wirkt in erster Linie müde, was die Branchenprima aber nicht davon abhält, messerscharfe, (teils auch selbst-)ironische Spitzen zu setzen. Der Herr vom Club teilt natürlich auch bei ihr die Fragenden ein, wer das letzte Wort hat, das zeigt aber Novak Djokovic: Nachdem er sich eigener Ansicht nach im Englischen auserzählt hat, nimmt er den Sprachenwechsel gleich selbst in die Hand: „Let’s switch to Serbian, please.“

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Montag
04.07.2016, 22:08 Uhr