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Wimbledon: Die Tenniswelt freut sich mit Tatjana Maria - "Eine der nettesten auf der Tour"

Tatjana Maria steht im Viertelfinale von Wimbledon, es ist das erste Mal, dass sie so weit bei einem Grand-Slam-Turnier kommt - und das mit 34 Jahren. Unter den Kolleginnen herrscht Freude und Bewunderung.

von Florian Goosmann aus Wimbledon
zuletzt bearbeitet: 04.07.2022, 09:36 Uhr

Tatjana Maria
Tatjana Maria

Wimbledon schreibt doch die schönsten Geschichten - und die von Tatjana Maria gehört sicher dazu. Denn Maria begeistert: Zwei Kinder hat sie mittlerweile, zwei Mal ist sie erfolgreich auf die Tour zurückgekehrt, rund ein Jahr nach der Geburt von Tochter Cecilia feiert sie nun ihren größten Karriereerfolg mit dem Viertelfinale beim wichtigsten Tennisturnier der Welt./

"Ich freue mich soooooo sehr für Tatjana Maria", twitterte Ex-Spielerin und Kommentatorin Rennae Stubbs, "sie ist der netteste Mensch, den es gibt. Sie hat eine tolle Familie. Und das war ein Sieg mit Mumm." Auch Mama-Kollegin Kim Clijsters freute sich, "Let's go, Mama", twitterte sie. Und Sabine Lisicki, 2013 hier im Finale, schrieb: "So happy für Tadde, sie hat das so sehr verdient."

Das bewegte Leben der Tatjana Maria

Das hat Maria, da sind sich alle einig, von der eher unfeinen Verliererin Jelena Ostapenko mal abgesehen. Denn Maria, ehemals Tatjana Malek, hat eine extrem bewegte Karriere hinter sich. 2008 schrammte sie nach einer Lungenembolie knapp am Tod vorbei, am Ende des Jahres starb ihr Vater, Maria fiel nach einiger Zeit in ein tiefes Loch. 2012 dann lernte sie ihren späteren Ehemann Charles Edouard Maria kennen, einen Ex-Profi und Tennistrainer, die beiden verliebten sich, heirateten 2013, am Ende des Jahres kam Tochter Charlotte zur Welt.

Maria kehrte zurück, zum ersten Mal, die Rückhand spielte sie plötzlich einhändig, 2017 zog sie erstmals unter die Top 50 der Welt ein, 2018 feierte sie ihren ersten Turniersieg auf WTA-Ebene (beim Rasenturnier in Mallorca). 2021 dann kam Cecilia auf die Welt, Maria musste nach der erneuten Babypause wieder von vorne anfangen. Und spielt zurzeit das Tennis ihres Lebens! Im Februar siegte sie beim WTA-Turnier in Bogota, nun also das Viertelfinale auf dem wichtigsten Rasen der Tenniswelt - mehr geht kaum.

Oder doch? Maria trifft im deutschen Duell nun am Dienstag auf Jule Niemeier, ebenso eine verrückte Geschichte - die Dortmunderin spielt schließlich zum ersten Mal überhaupt im Wimbledon-Hauptfeld.

Gegen Jelena Ostapenko wehrte Maria auf dem Weg in die Runde der letzten Acht übrigens zwei Matchbälle ab, sie blieb trotz zwischenzeitlicher Winner-Orgien ihrer Gegnerin ihrem geduldigen Slice-Spiel treu. Und ansonsten: auch sich selbst.

Lob für die Kinderbetreuung in Wimbledon

Verändern würde sich eh nix, sagte sie in der Pressekonferenz, noch in der Früh habe sie um 8.30 Uhr in der Halle gestanden, weil Tochter Charlotte - ebenfalls äußerst ambitioniert, was eine mögliche Profikarriere angeht - da Training gehabt habe.

Es war eigentlich das Einzige, was wirklich irritierte bislang beim Wimbledonturnier 2022: Denn Familie Maria sitzt üblicherweise gemeinsam im Zuschauerbereich, um Tatjana anzufeuern, hier jedoch hat man ihre beiden Kids noch nicht gesehen. Haben die etwa keine Lust, der Mama beim wichtigsten Turnier der Welt zuzuschauen?

Maria löste auf. Die Kinderbetreuung in Wimbledon sei einfach so großartig, Charlotte spreche seit drei Jahren davon. Und sie, die mittlerweile 8-Jährige, und Cecilia, die 1-Jährige, seien quasi untrennbar. In der Kinderbetreuung aber werde natürlich der Fernseher eingeschaltet.

Sollte der Weg von Tatjana Maria noch weitergehen beim Überraschungsturnier im All England Club in 2022: Man darf davon ausgehen, dass die Familie spätestens im Endspiel gemeinsam die Daumen drückt.

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von Florian Goosmann aus Wimbledon

Montag
04.07.2022, 09:48 Uhr
zuletzt bearbeitet: 04.07.2022, 09:36 Uhr