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Wimbledon: Matchbälle abgewehrt! Novak Djokovic gewinnt Final-Krimi gegen Roger Federer

Novak Djokovic hat in einem dramatischen Finale den fünften Wimbledontitel seiner Laufbahn gewonnen. Der Weltranglisten-Erste schlug den achtfachen Champ Roger Federer mit 7:6 (5), 1:6, 7:6 (4), 4:6 und 13:12 (3) - nach Abwehr von zwei Matchbällen. Hier könnte ihr das Finale im Liveticker nachlesen!

von Florian Goosmann aus Wimbledon
zuletzt bearbeitet: 14.07.2019, 21:04 Uhr

Novak Djokovic
© Getty Images
Novak Djokovic

Am Ende von Durchgang eins kehrte auch auf den Zuschauerrängen etwas Ausgeglichenheit ein. Ein „Come on, Roger!“ hatte man seit Beginn des Endspiels mehrfach vernommen, ab und war ein etwas leiseres „Come on, Novak“ über den Centre Court gehuscht, und kurz bevor Federer beim 5:5 aufschlagen wollte, brüllte ein Fan: „We love you both!“

Der Satz war bis dato auf hohem Niveau verlaufen, zur Freude auch von Rod Laver, Stefan Edberg mit Tochter Emilie und natürlich dem königlichen Anhang in der Royal Box. Federer war der erwartet aggressivere und abwechslungsreichere Spieler, dessen Vorhand zu Beginn jedoch viel streute. Den einzigen Breakball des Durchgangs vergab der Schweizer beim 2:1 mit eben einer Vorhand ins Doppel-Aus. Wurde es später noch mal kritisch, befreiten sich beide Akteure mit starken ersten Aufschlägen. Federer variierte vor allem beim Aufschlag des Djokers, wenn er in den Ballwechsel kam, slicte viel und griff hier und da an - zu einem Breakball reichte es nicht mehr.

Federer gibt Tiebreak-Führung aus der Hand 

Im Tiebreak ging es hin und her: Djokovic gelang das erste Minibreak, Federer egalisierte und zog zum 5:3 davon. Dann verließ ihn erneut die Vorhand -  und der Djokovic machte vier Punkte am Stück zum Satzgewinn nach 58 Minuten. Auch wenn Federer gefühlt näher dran gewesen war: Mit einer Gewinnquote von 88 Prozent beim ersten Aufschlag und nur sechs Fehlern ohne Not (bei Federers 14) war der Satzgewinn für den Weltranglistenersten zahlenmäßig verdient.

Bittere Statistik für Federer zu diesem Zeitpunkt: Nur ein Mal konnte er gegen Djokovic gewinnen, wenn er Satz eins verloren hatte (Dubai 2014); überhaupt war Djokovic mit 8 Siegen aus den letzten 10 Begegnungen im direkten Vergleich mit 25:22 am 37-Jährigen vorbeigezogen.

Djokovic in Durchgang zwei abwesend 

Seine Hausnummer an unerzwungenen Fehlern hatte Djokovic in Satz zwei schnell erreicht. Die knapp 15.000 Zuschauer auf dem Centre Court hatten den Ausgang des ersten Durchgangs noch kaum verdaut, da stand es bereits 4:0 für Federer. Djokovic schien völlig von der Rolle, und während Federer beim 5:1 zauberte, prügelte Djokovic beim 0:40 einen zweiten Aufschlag weit ins Aus. Diesen Satz: Djokovic wollte ihn nur noch beenden, was ihm hiermit nach nur 25 Minuten gelungen war. Parallelen zum Federer-Nadal-Halbfinale? Waren in diesem Moment kaum zu übersehen.

Djokovic wehrt Satzball ab und holt die 2:1-Satzführung 

Djokovic verließ im Anschluss kurz den Platz und fand den Reset-Button. Beide kamen nun wieder viel über den Aufschlag zu Punkten, ohne die Highlight-Ballwechsel aus Durchgang eins. Eine kurze 15:30-Öffnung für Djokovic beim 4:4 vernichtete Federer mit platzierten Spieleröffnungen. Den besten Ballwechsel des Satzes gewann Federer mit einem difficilen Halbvolley-Stopp zum Satzball, aber Djokovic wehrte mit einem Körper-Aufschlag ab und machte das 5:5.

Im Tiebreak verließ Federer erneut die Rückhand, und Djokovic zog schnell mit 3:0 und 5:1 davon. Eine Chance zum 5:5 auf einen zweiten Aufschlag verschenkte Federer mit einem Slice ins Aus. Djokovic ging damit mit 2:1-Sätzen in Führung, obwohl Federer in fast allen Statistiken des Durchgangs der Bessere gewesen - und Djokovic im gesamten Match bislang zu keinem Breakball gekommen war.

Federer erzwingt Satz fünf 

Federer wirkte nun angeknockt, aber er kämpfte: Eine Hawk-Eye-Entscheidung brachte ihm unter großem Jubel zwei frühe Breakchancen zum 3:2 - und Federer nutzte gleich die erste. Ein weiteres Break folgte, im Anschluss kam Djokovic zu seiner ersten Breakchance des Spiels, die Federer in einem Ballwechsel über 35 Schläge (!) mit einem Rückhandwinner die Linie entlang abwehrte. Djokovic kam dennoch ran und verkürzte auf 4:5, im Anschluss servierte Federer zu null aus - der fünfte Satz musste nach knapp drei Stunden Spielzeit die Entscheidung bringen.

Djokovic wehrt Matchbälle ab

Diesmal durfte Djokovic vorlegen - ein Vorteil im Entscheidungssatz. Hier hatte Federer beim 1:2 gleich dreifaches Pech mit der Netzkante, wehrte aber nach und nach drei Breakchancen ab.

Danach verließ Federer sowohl sein erster Aufschlag als auch die Rückhand: Gleich drei Mal flog diese in einer jeweils kurzen Rallye ins Aus, Djokovic breakte zum zweiten Mal im Match. Federer aber kam im direkten Gegenzug zum Anschluss und zum 4:4.

Tolle Aktion: Beim 5:5 und 15:30 packte auch Djokovic mal einen Stopp aus, Federer erlief ihn, aber der 32-Jährige Djoker tauchte den Volley heraus - und sicherte sich das Spiel. Beim 5:6 kam Federer schließlich in Bedrängnis, musste zwei Mal über Einstand, aber blieb nervenstark.

Die vermeintliche Entscheidung fiel beim 7:7: Djokovic hatte bereits ein 30:0, als Federer noch mal rankam und mit einem Vorhand-Passierschlag das Break schaffte. Der Schweizer servierte dann zum Matchgewinn, führte mit 40:15 und hatte zwei Matchbälle - und gab das Spiel noch ab.

Federer erholte sich von dem Schock, nachdem er zwischenzeitlich sieben Punkte am Stück verloren hatte, und glich wenig später zum 9:9 aus. Beim 11:11 kam Federer dank Hawk-Eye-Hilfe zu zwei Breakchancen, aber Djokovic wehrte ab. 

Match-Tiebreak muss Entscheidung bringen 

Und dann kam er, der erste Match-Tiebreak überhaupt bei 12:12 im Einzel. Djokovic gelang das entscheidende Minibreak zum 2:1, und dieses gab er bis zum Matchgewinn nicht mehr aus der Hand.

Ein Endspiel, das man nie mehr vergesse, wurde Federer im Siegerinterview gelobt - "ich hoffe, dass ich es bald tue", konterte der. 

"Als ich ein Kind war, war dieses Turnier dasjenige, bei dem ich mitspielen und es gewinnen wollte", erklärte Djokovic. Das ist ihm nun bereits zum fünften Mal gelungen.

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