Wolfgang Thiem im Interview - „Das wäre für Dominic ein Gewinn“

Wolfgang Thiem macht sich am heutigen Donnerstag u.a. mit Sebastian Ofner und Dennis Novak auf den Weg nach Australien. Zuvor hat der Vater von Österreichs Nummer eins Dominic tennisnet noch ein ausführliches Interview gegeben.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 19.12.2019, 17:36 Uhr

Wolfgang Thiem ist schon auf dem Weg nach Australien
© GEPA Pictures
Wolfgang Thiem ist schon auf dem Weg nach Australien

tennisnet: Herr Thiem. Wie ist die Vorbereitung für Dominic in Florida gelaufen?

Wolfgang Thiem: Dominic hat am Mittwoch den letzten Tag der Vorbereitung gehabt, am Donnerstag ist es mit dem Flieger Richtung Brisbane gegangen. Der Schwerpunkt lag eineinhalb Wochen auf der Kondition, Tennis maximal ein-, eineinhalb Stunden.  Es waren einige Spieler dort, Dominic hat etwa mit Cristian Garin oder Reilly Opelka gespielt. Der Moritz ist uns leider abgebrochen, der hat sich einen Virus eingefangen, musste zurück kommen. Der fliegt nun mit uns  mit nach Australien. Marko Andrejic, der Junior, den wir unterstützen, ist da auch dabei.

tennisnet: Worauf wurde der Schwerpunkt gelegt?

Wolfgang Thiem: Das Training war super durchstrukturiert, eine schöne Mischung aus dem Training von Duglas mit Schwerpunkt Schnelligkeit und dem tennisspezifischen Teil, und Dr. Reinprecht hat als Sportwissenschaftler wieder die Basis für die Ausdauer gelegt. Da kann man dann gar nicht so viel Tennis spielen. Die Vorbereitung war laut Dominic ideal. In Brisbane ist dann ab 23. Dezember Tennistraining angesagt.

tennisnet: In den letzten Wochen wird gerne über eine mögliche Zusammenarbeit mit Thomas Muster gesprochen. Wie schätzen Sie diese Möglichkeit ein?

Thiem:Thomas Muster kommt am 29. Dezember nach Australien. Wenn die Chemie passt, dann wird man sicher über eine Zusammenarbeit sprechen. Fixiert ist noch nichts, würde auch keinen Sinn machen, weil wir nicht wissen, ob die beiden zusammenpassen. Da muss man wie in jeder Beziehung abwarten. Als Testphase bietet sich der ATP Cup gut an. Wenn es passt, dann wird man sich sicher über ein paar Wochen unterhalten, in denen er Dominic betreuen kann. Weil Muster als ehemalige Nummer eins und Grand-Slam-Sieger sicherlich ein paar Details, die für ganz vorne nötig sind, einbringen kann.  Aber der Nico wird der Hauptcoach sein, kein Thema. Wenn es mit Thomas Muster funktioniert, dann würde mich das freuen. Und das wäre dann auch für den Dominic ein Gewinn.

tennisnet: Während Ihr Sohn in Florida trainiert, haben Sie sich in der Südstadt um Dennis Novak und Sebastian Ofner gekümmert. Wie ist es gelaufen?

„Jurij Rodionov braucht einen Touring-Coach“

Thiem:Ofner und Nowak haben eine super Vorbereitung gehabt, beide mit eigenem Konditionstrainer. Ofi trainiert mit dem Florian Pernhaupt, der Dennis mit Dominik Jessenk. Ich habe auch versucht, Gebhart Gritsch für den einen oder anderen Tipp zu bekommen. Dem Wunsch ist er nachgekommen, hat Jessenk unter die Arme gegriffen. Das hat dem Dennis irrsinnig getaugt, weil ihn das auf ein ganz anderes Level gebracht hat. Aber Gebhart ist halt in einer Situation, wo er das nicht mehr auf Dauer machen möchte, das respektieren wir auch. Aber wenn er sich ab und zu einbringt, dann ist das sehr gut für den Dennis. Und wir fliegen heute gemeinsam nach Australien. Zunächst der ATP Cup, dann spielen Sebastian und Dennis Quali für die Australian Open.

tennisnet: Es war zu lesen, dass Sie sich nun auch um Jurij Rodionov kümmern.

Thiem:Die Zusammenarbeit mit Jurij ist eigentlich dadurch zustande gekommen, dass der Ofner mit dem Bernhaupt Kondition trainiert. Und Bernhaupt wiederum trainiert seit Jahren mit dem Jurij. Und der ist an mich herangetreten, ob ich ihm irgendwie helfen kann. Wir haben das für zweieinhalb Wochen ausprobiert, was mir viel Spaß gemacht hat. Jurij ist ein sehr begabter, talentierter Spieler mit unglaublichen Kraftwerten. war als Jugendspieler unter den besten Zehn der Welt, da muss man schon was können.

tennisnet: Woran hat es Jurij gemangelt?

Thiem:Ganz klar fehlt es ihm an professioneller Tennisunterstützung. Konditionsmäßig ist er gut aufgestellt, da hilft auch der Bruder mit. Wir versuchen jetzt, ihn auch im Tennisbereich besser auszustellen. Ich bin gerade auf der Suche nach einem Touring-Coach, der ihn zu den Turnieren begleitet. Gerade jetzt braucht Jurij jemanden mit Erfahrung. Da haben wir in Österreich nicht viele, weil Julian Knowle und Alexander Peya mit Novak und Ofner im Einsatz sind. Auch ein Thomas Strengberger ist nicht verfügbar. Aber ich schau mich einmal um.

tennisnet: Warum hat Rodionov 2019 ein wenig stagniert?

Thiem:Es ist ein riesiger Unterschied zwischen Jugend- und Herrentennis. In der Jugend geht vieles leichter, wenn man körperlich schon sehr weit ist, wenn ich das nötige Spielverständnis habe. das war bei Jurij der Fall. Und jetzt geht es darum, dass er solide und konstant arbeitet. Aber ich finde, dass er unglaubliches Potenzial hat. Es ist fast unmöglich, dass er es in den nächsten ein, zwei Jahren nicht unter die besten 100 schafft.

„Mit Spielmanipulationen bin ich noch nie konfrontiert worden“

tennisnet: Wie sieht es mit dem Nachwuchs hinter Rodionov aus? Wie man hört, gibt es zwei hoffnungsvolle Spieler.

Thiem:Der eine ist Lukas Neumayer. Der versteht das Spiel recht gut, ist körperlich noch nicht so weit. Hat aber ein gutes Umfeld mit der Unterstützung der Eltern. Lukas war vor kurzem auch zu einem Probetraining in der Südstadt. Er muss sich körperlich entwickeln, aggressiver werden, schneller spielen, Waffen entwickeln. Andrejic ist bei mir, den unterstützen wir schon seit zwei, drei Jahren. Der ist körperlich schon recht weit, muss aber noch konstanter werden. Hat riesiges Potenzial, super Spielverständnis, deshalb fördern wir ihn auch. Hat jetzt Finale Eddie Herr U16 gespielt, was für mich ein gutes Zeichen ist. Weil da spielen die ganzen Amerikaner mit. Ich kann mich erinnern, als ich damals mit Dominic bei Eddie Herr und Orange Bowl war, da hat der Dennis Semifinale gespielt, und da sind auch etliche Spieler übrig geblieben, die heute noch auf der ATP-Tour sind. Andrejic sollte jetzt vom ITF-Jugend-Ranking her so weit sein, dass er Australian Open Quali spielen kann. Er hat noch zwei volle Jahre Jugend vor sich, Ziel ist es natürlich dass er in die Hauptfelder der Junioren-Grand-Slams kommt.

tennisnet: Ein großes Thema der letzten Tage: Spielmanipulationen auf Futures-Ebene. Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Thiem:Die Spieler, die ich betreue, die sind noch nie mit so etwas konfrontiert worden. Vielleicht auch deshalb, weil wir so etwas nicht ausstrahlen. Wir treten so auf, dass wir nicht empfänglich wirken. Mir sind etwa in meinem Leben noch nie Drogen angeboten worden, weil ich einfach nie interessiert war. Für Dominic , der so weit vorne ist, ist das sowieso kein Thema, weil die so viel Geld verdienen. Ich verstehe es aber teilweise, dass bei Futures so etwas passieren kann. Wenn jemand grundsätzlich um jeden Cent rauft, ein Future gewinnt, und dann mit einem Minus oder wenigstens mit einer Null heimfährt, kann es schon sein, dass man auf so etwas aufspringt. Ich bin natürlich ein Gegner davon, weil es den Sport verfälscht. Aber ich verstehe auch, dass da jemand abkippen kann. Bei Challengers und Futures müssen einfach die Preisgelder angehoben werden, damit die Spieler nicht darüber nachdenken.   

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von Jens Huiber

Donnerstag
19.12.2019, 11:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 19.12.2019, 17:36 Uhr