WTA: Julia Grabher im tennisnet-Interview - „Genau darauf habe ich hingearbeitet“

Mit ihrem Sieg beim WTA-Tour-125-Turnier in Bari hat Julia Grabher einen Karriere-Meilenstein erreicht: einen Platz unter den Top 100. Im Interview mit tennisnet resümiert die Vorarlbergerin die Woche von Bari und blickt optimistisch auf die kommenden Aufgaben.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 12.09.2022, 20:43 Uhr

Julia Grabher - seit Montag in den Top 100
© GEPA Pictures
Julia Grabher - seit Montag in den Top 100

Julia Grabher hat am Sonntag in Bari ihren größten Karriere-Triumph gefeiert, das dortige WTA-Tour-125-Turnier gewonnen. Die Vorarlbergerin zog damit erstmals in die Top 100 der WTA-Weltrangliste ein, wir aktuelle an Position 97 geführt. Zeit zu feiern hat die 26-jährige Dornbirnerin indes kaum gehabt: Schon am heutigen Dienstag steht der nächste Auftritt in Bukarest an. Davor hat sich Grabher aber noch ein paar Minuten Zeit für tennisnet genommen.

tennisnet: Herzliche Gratulation, Frau Grabher. Größter Turniersieg, Einzug in die Top 100 - haben Sie sich am Sonntagabend noch ein bisschen belohnen können?

Julia Grabher: Dankeschön! Der Titel hat mich natürlich extrem gefreut. Und die Top 100 sind noch etwas Spezielleres. Genau darauf habe ich hingearbeitet. Ich war mit meinem Touring-Coach Philipp Lang abends noch gut essen - aber es geht ja gleich weiter mit dem nächsten Turnier.

tennisnet: Ist das nicht eher schade, dass eigentlich keine Zeit bleibt, um einen Erfolg zu genießen?

Grabher: Das gehört zum Leben eines Tennisprofis einfach dazu. Man ist daran gewöhnt, fast jede Woche ein Turnier zu spielen. Und der Sieg am Sonntag hat mich nur noch mehr motiviert, dass ich meine gute Form mitnehmen und beim nächsten Event zeigen kann, wozu ich in der Lage bin.

tennisnet: Ihre Annäherung an die Top 100 hat sich in diesem Turnier in Bari ja schrittweise vollzogen. Ab welchen Zeitpunkt hatten Sie das selbst auf dem Zettel?

Grabher: Ich habe selbst nicht nachgerechnet, habe es aber aus den Medien mitbekommen. Und war vor dem Finale dann sehr nervös, weil ich gewusst habe, was ich erreichen kann: Es geht um den ersten WTA-Titel und um die Top 100. Das war während der letzten Jahre ein Riesenziel von mir. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich das Turnier so gut über die Bühne gebracht habe.

„Ich habe sehr viel und hart mit Günter Bresnik trainiert“

tennisnet: Im Halbfinale waren Sie nach dem 0:3 im ersten Satz fast unaufhaltsam, auch das Endspiel haben Sie glatt gewonnen. Haben Sie gespürt, dass Sie in Bari niemand schlagen wird?  

Grabher: Ich habe von der ersten Runde weg gut gespielt, aber immer ein, zwei Games gebraucht, bis ich in den Matches drin war. Im Halbfinale waren es dann halt drei. Danach habe ich richtig, richtig gut gespielt, die Spiele dominiert. Und Reka-Luca Jani, meine Halbfinalgegnerin, war ja richtig gut in Form, hat in der Woche davor ein Turnier gewonnen.

tennisnet: Wie wichtig war der Sieg gegen Panna Udvardy im Viertelfinale, die Nummer eins des Turniers?

Grabher: Ich weiß, dass ich alle Spielerinnen, die in Bari am Start waren, gewinnen kann. Anfang des Jahres habe ich ja schon ein paar Top-50-Spielerinnen geschlagen. Aber natürlich habe ich am Anfang des Turniers nicht mit dem Titel gerechnet.

tennisnet: Wenn Sie sich an den Saisonanfang erinnern: Wie hat die Zielsetzung für das Jahr 2022 ausgesehen?

Grabher: Das Ziel Top 100 ist schon lange im Raum gestanden, weil es ja bedeutet, dass man auch in das Hauptfeld der Grand-Slam-Turniere kommt. Jetzt möchte ich mich dort zunächst einmal etablieren. Aber natürlich auch noch weiter hocharbeiten.

tennisnet: Woran machen Sie die gute Form der letzten Wochen fest?

Grabher: Ich habe sehr viel und hart mit Günter Bresnik trainiert. Und diese harte Arbeit macht sich jetzt bezahlt. Da kann man jetzt nicht einen Schlag rausnehmen. Vor allem habe ich Anfang des Jahres gesehen, dass ich die Topspielerinnen schlagen kann. Das macht im Kopf einen riesigen Unterschied: Dass man in jedem Match die Überzeugung hat, es gewinnen zu können.

tennisnet: Wie viel Kraft hat die letzte Woche gekostet? Gerade in Hinblick auf Bukarest, wo Sie ja heute schon antreten müssen?

Grabher: Ich möchte dort weitermachen, wo ich am Sonntag aufgehört habe, den Flow mitnehmen.  Natürlich habe ich eine anstrengende Woche hinter, das ist eine neue Erfahrung, die erst einmal gesammelt werden muss. Aber ich bin voll motiviert, dort weiterzumachen.

Julia  Grabher - „Man kann vor Iga Swiatek nur den Hut ziehen“

tennisnet: Wie sieht es in Ihrem Team aus? Müssen Sie sich um logistische Fragen wie etwa die Reiseplanung von Bari nach Bukarest selbst kümmern?

Grabher: Die letzten Stunden waren schon sehr aufwändig. Und da bin ich froh, dass mir einige Leute geholfen haben. Das ist komplette Teamarbeit, ohne die ich es nicht schaffen würde. Zu diesem Team gehört eben auch Philipp Lang, mit dem ich seit zwei Monaten unterwegs bin. Wenn keine Turniere anstehen, dann trainiere ich eben in der Südstadt bei Günter Bresnik. Mittlerweile wohne ich ja auch in Wien.

tennisnet: Wie sieht der Herbst 2022 noch für Sie aus?

Grabher: Geplant ist nach dieser Woche in Bukarest iin Budapest zu spielen. Danach gibt es vielleicht noch ein Sandplatzturnier. Zu verteidigen habe ich in diesem Jahr aber fast gar nichts mehr. Und das Ziel ist es, im Jänner in Melbourne im Main Draw zu spielen.

tennisnet: Wo sehen Sie ihr persönliches Limit nach oben?

Grabher: Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung. Ich muss mich jetzt erst einmal etablieren. Wo die Reise dann hingeht, darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Aber ich weiß, dass ich die Top-50-Spielerinnen jederzeit schlagen kann.

tennisnet: Abschließend noch: Wie viel haben Sie von den US Open mitbekommen?

Grabher:  Ich habe alle zwei Wochen verfolgt, das Finale der Männer am Sonntagabend ausgenommen. Man kann vor Iga Swiatek nur den Hut ziehen. Mit 21 Jahren schon den dritten Titel in dieser Kategorie gewonnen zu haben - das ist für mich Inspiration, das ich auch so schnell als möglich auf so einer Bühne spielen möchte.

Hot Meistgelesen

04.02.2023

Davis Cup: Wawrinka begräbt Deutschlands Träume

05.02.2023

Stan Wawrinka - das alte Schlachtross zieht den Karren aus dem Dreck

von Jens Huiber

Dienstag
13.09.2022, 11:42 Uhr
zuletzt bearbeitet: 12.09.2022, 20:43 Uhr