Agnieszka Radwanska – Die Zauberin am gelben Filzball

Die 27-jährige Polin ist die topgesetzte Spielerin beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 20.04.2016, 00:00 Uhr

INDIAN WELLS, CA - MARCH 09: Agnieszka Radwanska of Poland hoplds an oversize likeness of her face at the WTA All-Access Hour during the BNP Paribas Open at the Indian Wells Tennis Garden on March 9, 2016 in Indian Wells, California. (Photo by Matth...

Ihrem größten Triumph ging ein ziemlich kurioses Vorspiel voraus. Mit nur einem Sieg und zwei Niederlagen in ihrer Vorrundengruppe zog Agnieszka Radwanska letzten Herbst ins Halbfinale der WTA-Weltmeisterschaft in Singapur ein - nur um dann auf der Zielgeraden erst Garbine Muguruza(Spanien) und auch noch die zweimalige Wimbledon-Queen Petra Kvitova zu schlagen. Und sich damit - unverhofft kommt oft - die Krone beim rauschenden Finalwettbewerb des Wanderzirkus aufzusetzen. "Es war das verrückte Ende eines verrückten Jahres", erinnert sich die 27-jährige Polin, die auf der Zielgeraden der Saison 2015 einen bemerkenswerten Endspurt hingelegt und sich so auch noch das Ticket für das Turnier der besten Acht gesichert hatte.

Radwanska, die topgesetzte Spielerin beim Stuttgarter Porsche Tennis Grand Prix, gehört schon seit einigen Jahren zu den Spitzenkräften des Welttennis - und zwar in der außergewöhnlichen Rolle einer Spielerin, die sich gegen die Starken und Großen in ihrer Berufswelt mit viel Improvisationskraft und Intuition durchsetzt. Die gute Freundin von Angelique Kerber erinnert in ihrem Habitus eher an eine äußerst clevere Schachspielerin auf dem Centre Court - strategisch immer einige Züge vorausdenkend und -planend. "Ich kann nicht mit Power gewinnen, deshalb muss ich immer andere Wege finden", sagt die grazile Radwanska, "ich hätte auch gerne so einen Aufschlag wie Serena Williams. Aber es macht auch Spaß, andere Lösungen zu finden." Tatsächlich ist niemand vor den Überraschungsschlägen Radwanskas sicher, vor der Unberechenbarkeit einer Künstlerin, deren Finten und Finessen einem oft den Atem rauben. Jedenfalls ist die inzwischen schon erfahrene Tennisreisende fast immer mittendrin dabei, wenn die Spielerinnenorganisation WTA die "Hot Shots" des Monats und des Jahres kürt.

Erst Krise, dann der größte Titel

Weit gebracht hat es die einstmals herausragende Juniorenspielerin auch im Erwachsenentennis schon: Mit Ausnahme der US Open spielte sie bei allen Grand-Slam-Turnieren in der heißen, prickelnden Endphase mit, stand einmal im Wimbledon-Finale und erreichte noch zwei Mal das Halbfinale im All England Club. Mit 18 WTA-Turniersiegen gehört sie auch zu den erfolgreichsten Spielerinnen der Gegenwart. Wobei der letzte und wichtigste Coup für die meisten Experten, vielleicht sogar für Radwanska selbst unerwartet kam. "2015 war ich wirklich in eine Krise geraten. Ich fühlte mich lange, als würde ich nur noch auf der Stelle treten", sagt Radwanska. Doch nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte fing sich die 27-Jährige wieder, knüpfte besonders bei der WM spät an alte Stärken an, spielte auch wieder mit der nötigen Durchschlagskraft und dem Selbstbewusstsein, das es für Tennis-Großtaten braucht.

Auch 2016 begann gut für die artistische Krakauerin - mit einem Turniersieg in Shenzhen gegen die Amerikanerin Alison Riske. Und mit dem anschließenden Halbfinalvorstoß bei den Australian Open, gestoppt werden konnte sie dort in Melbourne erst von Nummer-eins-Frau Serena Williams. Zwischenzeitlich verdrängte Radwanska sogar Freundin Kerber von Platz zwei der Weltrangliste. Vorgenommen hat sie sich viel für den Rest des vollgepackten Jahres: "Es wird Zeit, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Außerdem will ich bei den Olympischen Spielen eine Medaille holen."

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von Jörg Allmeroth

Mittwoch
20.04.2016, 00:00 Uhr