WTA-Strafe für Eala – ungerechtfertigt oder nachvollziehbar?
Die philippinische Newcomerin Alexandra Eala wird für ihr Land bei den Asien-Spielen an den Start gehen und verzichtet währenddessen auf das verpflichtend zu spielende WTA-1000-Turnier in Peking. Und auch die Bestrafung der 21-Jährigen durch die WTA liefert für die Tennis-Community zwei Seiten der Medaille.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
26.09.2026, 17:59 Uhr

Die Auftritte der Filipina Alexandra Eala lösen weltweit eine wahre Masseneuphorie aus. Auf allen Kontinenten rangeln sich ihre Landsleute um Tickets für die Turniere, um die Matches der 21-Jährigen live in der Arena verfolgen zu können. Auch in den sozialen Netzwerken gibt es fast keine Abstimmung mehr, in welcher die Linkshänderin, abgekoppelt von der realen sportlichen Einordnung, ganz oben landet. Und so ist es der Weltranglisten-18. ein großes Anliegen, ihr Land bei den Asien-Spielen in Japan zu repräsentieren und im besten Falle die Goldmedaille für ihre zahlreichen Landsleute nach Hause zu bringen.
Doch bei diesem Vorhaben gerät Eala zwischen die Mühlen von World Tennis und der WTA. Während der internationale Tennis-Weltverband die Kontinental-Spiele mit einem Direktplatz bei den folgenden Olympischen Spielen für die Siegerin aufgewertet hat und dadurch die Top-Spielerinnen bei dem Event präsentieren möchte, besteht die Spielerinnen-Organisation darauf, dass diese beim zeitgleich stattfindenden 1000er-Turnier in Peking an den Start gehen.
Offiziell besteht zwar die Möglichkeit, bei der WTA eine Ausnahmegenehmigung anzufragen, doch diese wurde wenig überraschend bereits für Spielerinnen wie die Indonesierin Janice Tjen und auch die Olympiasiegerin Qinwen Zheng aus China abgelehnt. Und auch bei Eala machte die Spielerinnen-Organisation keine Ausnahme. Doch während sich Tjen und Zheng dem Urteil der WTA beugten und in Peking antreten werden, hält Eala an ihrem Vorhaben fest und plant weiterhin den Start im japanischen Aichi Nagoya. Dafür nimmt sie eine Bestrafung in Form von 10.000 US-Dollar, angesichts ihrer immensen Werbeeinnahmen eher ein Taschengeld, und einem verpflichtend einzubringendes Null-Punkte-Resultat für die Weltrangliste in Kauf.
Zwiegespalten sind die Reaktionen in der Tennis-Community. Während gerade die philippinischen Tennis-Fans kein Verständnis für die Strafe bei einem Eala-Start im Auftrag ihres Heimatlandes aufbringen, gibt es doch auch Argumente für die Entscheidung der WTA. Da die satten Preisgeldschecks von den Spielerinnen gerne genommen werden, kann die Organisation auch dementsprechende Gegenleistungen erwarten. Und auf einen Start der Filipina auf asiatischem Boden, wie in diesem Falle in Peking, möchte aufgrund der hohen Nachfrage aktuell kein Turnierveranstalter verzichten.
Doch auch aus sportlicher Sicht kann die Bestrafung durchaus als gerechtfertigt angesehen werden. Nachdem sich Spielerinnen wie Tjen und Zheng an die WTA-Spielregeln halten, „erkauft“ sich Eala mit der Strafe den Start bei den Asien-Spielen, bei dem ihre größten Konkurrentinnen wie auch die kasachische Weltranglistenerste Elena Rybakina und die vierfache Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka für das Ausrichterland Japan fehlen werden und somit der Weg zu Gold mit dem damit verbundenen Fix-Startplatz bei Olympia mehr als geebnet ist.
Jedoch könnte der Weg für Eala zum Asien-Titel trotz Fehlens der Top-Spielerinnen kein Selbstläufer werden. Den Start in den Asien-Swing hat die Washington-Siegerin schon mal verpatzt – mit einer überraschenden Dreisatz-Niederlage zum Auftakt des WTA-Turniers in Singapur gegen die Russin Tatiana Prozorova, die in der Weltrangliste aktuell auf Position 180 geführt wird.
