Australian Open: "Löwin" Siegemund bewahrt DTB-Frauen vor Debakel
Für Hoffnungsträgerin Eva Lys sind die Australian Open kurz nach dem Start schon wieder beendet. Laura Siegemund rettet die deutschen Frauen mit einem Super-Comeback vor einem Debakel.
von SID
zuletzt bearbeitet:
20.01.2026, 14:51 Uhr

Laura Siegemund hüpfte wie ein kleines Kind über den Court und schrie ihre Freude heraus: Mit einem denkwürdigen Comeback hat die 37 Jahre alte Kämpferin die deutschen Tennisfrauen bei den Australian Open vor einer schaurigen Gesamtbilanz bewahrt. Nachdem Eva Lys' Traum von einem weiteren Melbourne-Märchen früh geplatzt war, schlug Siegemund vor den Augen ihrer begeisterten Gastfamilie die gesetzte Liudmila Samsonova - trotz zweier Matchbälle ihrer Gegnerin.
"Es war eigentlich unlösbar, und ich habe mich gefühlt schon unter der Dusche gesehen. Ich habe da selber nicht mehr dran geglaubt", gestand Siegemund, die mit 0:6, 2:5 und 15:30 zurückgelegen hatte - und fügte dann in feinstem Schwäbisch an: "Aber des isch halt Tennis, gell? Es ist rum, wenn es rum ist."
Die Wimbledon-Viertelfinalistin, die dreimal die dritte Runde Down Under erreicht hat und nun auf Maddison Inglis (Australien) trifft, setzte sich am Ende nach 2:31 Stunden 0:6, 7:5 und 6:4 durch und erwies sich damit einmal mehr als Schreck für höher eingeschätzte Gegnerinnen. Nach dem bitteren ersten Satz zeigte sie eine beeindruckende Körpersprache und kämpfte sich als einzige deutsche Spielerin weiter.
Becker: “Ein Beispiel für junge deutsche Tennisdamen”
"Sie ist wirklich eine Löwin, eine Kämpfernatur sondergleichen. Sie ist auch vielleicht ein Beispiel für die jungen deutschen Tennisdamen, was man wirklich mit der richtigen Einstellung, einer guten körperlichen Fitness erreichen kann", sagte Boris Becker bei Eurosport. Siegemund habe das "Herz am richtigen Fleck".
Für Lys hingegen waren die Australian Open zu diesem Zeitpunkt schon beendet. Die 24-Jährige verlor ihr Auftaktmatch gegen die erfahrene Sorana Cirstea (35) mit 6:3, 4:6 und 3:6. Am Ort ihres großen Durchbruchs im vergangenen Jahr, als die Hamburgerin bis ins Achtelfinale gestürmt war, unterliefen der angeschlagenen Lys zum Ende hin zu viele Fehler.
"Sie hat definitiv auf einem ziemlich konstanten Niveau gespielt, während ich zu viele Höhen und Tiefen hatte", ärgerte sich Lys, die im Anschluss auch leichte Probleme mit dem Knie thematisierte.
Nur noch drei Deutsche im Einzel dabei
Insgesamt sind nur noch drei deutsche Profis im Wettbewerb vertreten, denn Jan-Lennard Struff verlor einen Fünfsatzkrimi mit kuriosem Anstrich. Gegen den Tschechen Vit Kopriva musste er sich mit 6:4, 2:6, 6:2, 3:6 und 1:6 geschlagen geben.
Auf Court 7 der Anlage waren im dritten Satz zwischenzeitlich die Aus-Rufe der elektronischen Linienrichtertechnologie ausgefallen - die Schiedsrichterin musste den Part übernehmen. Struff ließ sich davon zunächst nicht beirren, letztlich hatte der Tscheche aber den längeren Atem.
Siegemund freute sich nach ihrem wilden Ritt auf eine wohlverdiente kleine Feier bei ihrer Gastfamilie in Melbourne. "Das ist noch aus einer Zeit, wo ich nicht so viel Kohle hatte und geguckt habe, dass ich privat unterkommen kann", erklärte Siegemund, die in der Arena von zahlreichen Australiern unterstützt worden war.
"Jetzt bin ich seit zehn Jahren dort, das ist total schön und wie zu Hause für mich", sagte sie und freute sich über den Support: "Die kommen natürlich auch alle. Da ist auch eine Stimmung in meiner Box."
Hier das Einzel-Tableau der Frauen
