Becker erlebte Djokovic-Triumph in Gefängnis: "Ich stand auf und weinte"
In einem Interview mit dem englischen Guardian sprach Tennislegende Boris Becker nun unter anderem über seine Zeit im Gefängnis, die freundschaftliche Rivalität zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz sowie seine starke emotionale Bindung zu Novak Djokovic.
von Clemens Engert
zuletzt bearbeitet:
22.11.2025, 11:26 Uhr

Die Zeit im Gefängnis sei unglaublich herausfordernd gewesen, so Becker. "Jeder, der behauptet, das Leben im Gefängnis sei einfach, lügt. Es ist eine echte Strafe. (...) Im Gefängnis begehen Menschen Selbstmord, fügen sich selbst Verletzungen zu und werden wahnsinnig. Das ist die harte Realität auf die man stößt, wenn man noch nie im Gefängnis war - und genau das verschweigen einem die Anwälte vorher, vielleicht um einen nicht einzuschüchtern", so der heute 58-Jährige.
Der emotionalste Moment während seiner Haftzeit sei gewesen, als er 2022 in seiner Zelle den Wimbledon-Triumph seines Ex-Schützlings Novak Djokovic miterlebt hatte. „In diesem Moment hatte ich keine Angst mehr. Und als Novak gewann und die Arme hob, stand auch ich auf und hob meine. Da brach im Block ein ohrenbetäubender Lärm los. Zehn Minuten lang flogen die Fäuste. Gegen die Wände, gegen die Türen. Mit Gläsern, mit Stühlen. Zwei Wochen hatte ich gebraucht, um ihnen klarzumachen, dass er mein Mann war, und jetzt hatten sie es begriffen. Sie hatten es verstanden. Ich stand da und weinte“, erinnert sich die Tennislegende.
“Novak ist ein Vorbild”
Becker schwärmt von seinem ehemaligen Schützling in den höchsten Tönen: "Ich glaube, seine Persönlichkeit ist für den heutigen Tennissport von entscheidender Bedeutung. Er ist ein Vorbild und zeigt jungen Menschen, welche Hingabe nötig ist, um an die Spitze zu gelangen und sich dort zu halten. Er jagt immer noch seinen 25. Grand-Slam-Titel, erreichte in diesem Jahr das Halbfinale aller vier Grand-Slam-Turniere und gewann zwei Turniere. Wer sind wir, Novak vorzuschreiben, wann er aufhören soll?", so Becker. Djokovic selbst hatte zuletzt angekündigt, bis zu den Olympischen Spielen 2028 weiterspielen zu wollen.
Und auch zur amikalen Rivalität zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz äußerte sich der Leimener anerkennend. Es sei zwar "etwas ungewöhnlich", dass sich der Italiener und der Spanier so gut verstehen würden, "aber sie sind Vorbilder, und es ist wunderbar, dass sie diese Chemie auf und neben dem Platz haben", meint Becker und fügt hinzu: "Unsere Generation war anders. Wir hatten keine sozialen Medien. Wir hatten andere Qualitäten. Aber in dieser wettbewerbsorientierten Welt schätze ich das Verhalten von Jannik und Carlos sehr."
