Berlin – das Anti-Wildcard-Konzept zu den Grand Slams

Obwohl die Grand-Slam-Turniere die weltweiten Spielerinnen und Spieler vermarkten, gehen die Wildcards, bei nicht ausbleibender Kritik, beinahe ausschließlich an einheimische Athletinnen und Athleten. Bei den Rasen-WTA-Turnieren in Deutschland stellt man diesbezüglich eine konträre Vorgehensweise fest.

von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet: 19.06.2026, 09:51 Uhr

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Die Filipina Alex Eala kommt bei den deutschen Rasen-WTA-Turnieren in Berlin und Bad Homburg in den Genuss eines Wildcard-Doppelpacks.

Beinahe als Gelddruckmaschine fungieren mittlerweile die Grand-Slam-Turniere für die vier ausrichtenden Nationen und füllen damit den Säckel der nationalen Tennisverbände beinahe endlos. Umso mehr ist es den Kritikern seit vielen Jahren ein Dorn im Auge, dass die Einnahmen beinahe komplett für die Belange der einheimischen Spielerinnen und Spieler verwendet werden, obwohl der große wirtschaftliche Erfolg aufgrund der Vermarktung der weltweiten Athletinnen und Athleten erzielt wird.

Wohl kaum deutlicher zeigt sich diese Vorgehensweise in der Vergabe der Wildcards bei den Grand-Slam-Turnieren, wie bei der aktuellen Beweisprobe in Wimbledon. Gerade mal zwei internationale Wildcards stehen im Hauptfeld bei den Herren für den Bulgaren Grigor Dimitrov und Verabschieder Stan Wawrinka aus der Schweiz zur Verfügung, bei den Damen ist es aktuell nur die sensationelle French-Open-Finalistin Maja Chwalinska aus Polen.

Eine komplett konträre Vorgehensweise stellt man fest, wenn man sich das Draw bei den Berlin Tennis Open anschaut, was ebenfalls zahlreiche Kritiker hervorrufen dürfte. Von den vier Wildcards für das Hauptfeld ging mit der Hamburgerin Eva Lys gerade mal eine an eine deutsche Spielerin, die aufgrund einer Verletzung im Ranking etwas zurückgefallen war und durch den Freifahrtschein die einzige DTB-Teilnehmerin an der Spree war.

Beim Blick auf das anstehende Viertelfinale könnte man natürlich zu dem Schluss kommen – sportlich alles richtig gemacht. So konnten sich sowohl die Tschechin Nikola Bartunkova und die Spanierin Paula Badosa, als auch die Filipina Alex Eala mit ihren Wildcards bis ins Viertelfinale durchspielen. Dennoch dürfte es nicht wenige geben, die sich wesentlich mehr DTB-Spielerinnen zur Förderung des einheimischen Nachwuchses gewünscht hätten.

Beinahe ähnlich zeichnet sich das Bild beim bevorstehenden 500er-Event in Bad Homburg ab. Neben Lys, die erneut die deutsche Fahne hochhalten soll, erhält auch Eala wieder eine Wildcard, zudem darf sich die 45-jährige Venus Williams per Freifahrtschein dem Publikum fix im Hauptfeld präsentieren. Gerade bei der dreifachen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber in ihrer Doppelfunktion als Turnier-Sportdirektorin und Beraterin des DTB dürfte die Erinnerung trotz beendeter Traumkarriere eigentlich nicht zu lange her sein, dass Wildcards im eigenen Lande für ihren sportlichen Werdegang ein wichtiges Steckenpferd waren.

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von Dietmar Kaspar

Freitag
19.06.2026, 11:36 Uhr
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