Best of Five bei Grand Slams muss bleiben
Andrew Abdo, der neue CEO von Tennis Australia, dachte zuletzt laut über eine Anpassung des Formats bei Grand-Slam-Turnieren nach. Die Abschaffung des Best-of-Five-Modus wäre ein großer Fehler, meint Alex Antonitsch.
von Alex Antonitsch
zuletzt bearbeitet:
10.09.2026, 11:48 Uhr

Die Diskussion über eine mögliche Verkürzung der Matches bei Grand-Slam-Turnieren hat mich irritiert – und ehrlich gesagt auch nervös gemacht. Ausgelöst wurde sie durch Aussagen des neuen CEO von Tennis Australia, wonach man darüber nachdenke, das Best-of-Five-Format der Männer zu überdenken, vor allem in den ersten Runden.
Doch genau dieses Format macht einen Grand Slam aus. Best of Five gehört zur DNA dieser Turniere.
Im Tennis darf nicht jede Reform nur einem Prinzip folgen: alles schneller, alles kürzer. Wimbledon hat erfreulicherweise sofort klargestellt, dass eine Verkürzung dort nicht zur Diskussion steht. Inzwischen hat auch Tennis Australia reagiert und erklärt: "Best of Five is here to stay.“ Das ist eine wichtige und richtige Botschaft.
Natürlich muss man sich Gedanken darüber machen, wie man ein jüngeres Publikum für Tennis gewinnen und langfristig bei unserem Sport halten kann. Die Aufmerksamkeitsspanne hat sich verändert, ebenso die Art, wie Sport konsumiert wird.
Der Tennissport muss reagieren
Doch wenn wir ehrlich sind, verfolgen viele junge Fans – Digital Natives, die Generation Z und die Generationen danach – ein Tennismatch nicht unbedingt über drei, vier oder fünf Stunden. Sie konsumieren vor allem Hotshots, Highlights, dramatische Szenen, Emotionen oder Ausraster über Social Media und digitale Plattformen. Und wenn wir Glück haben, sind sie bei den entscheidenden Momenten eines Matches live dabei.
Darauf muss Tennis reagieren – mit moderner Aufbereitung, starken digitalen Formaten und einem besseren Zugang zu Livebildern und Höhepunkten. Aber deshalb muss man nicht das sportliche Fundament der Grand Slams verändern. Die Lösung kann nicht darin bestehen, die großen Matches so lange zu verkürzen, bis sie vermeintlich in die Aufmerksamkeitsspanne eines jungen Publikums passen.
Natürlich muss sich der Tennissport auch Gedanken darüber machen, wie die körperliche Belastung für die Spieler reduziert und die Attraktivität der Matches gesteigert werden kann. Dafür gibt es jedoch sinnvollere Ansatzpunkte als die Abschaffung von Best of Five.

Ein wichtiges Thema sind die Bälle. Sie sollten wieder so beschaffen sein, dass die Spieler leichter zu direkten Punkten kommen können. Etwas schnellere Bälle könnten dabei helfen, die Ballwechsel und damit auch die Matchdauer auf natürliche Weise zu verkürzen.
Auch unterschiedlichere Bodenbeläge wären wünschenswert. Viele Spieler fordern schon länger, dass sich die Turniere und Beläge wieder stärker voneinander unterscheiden. Darüber hinaus sollte verstärkt in die Entwicklung gelenk- und bänderschonenderer Courts investiert werden. Hier wäre Innovation tatsächlich dringend notwendig.
Über all diese Punkte sollte man intensiv nachdenken. Das Best-of-Five-Format bei Grand Slams darf dabei jedoch nicht zur Disposition stehen.
Der Davis Cup sollte uns eine Warnung sein. Auch dort wollte man alles schneller, kürzer und kompakter machen – und die entscheidenden Begegnungen zusätzlich an einen zentralen Austragungsort verlegen. Das Ergebnis war der Verlust eines großen Teils seiner Tradition, Identität und besonderen Atmosphäre.
Majors dürfen nicht zum Davis Cup werden
Inzwischen rudert man zumindest teilweise zurück und setzt vor dem Finalturnier wieder stärker auf Heim- und Auswärtsbegegnungen. Der klassische Davis Cup ist trotzdem leider verloren gegangen. Denn gerade Viertelfinale, Halbfinale oder sogar ein Finale im eigenen Land waren jene Begegnungen, die für Spieler, Fans und eine ganze Tennisnation besonders emotional und wertvoll waren. Das best of three Format trägt auch nicht dazu bei , dass es noch epische Daviscup Matches gibt !
Diesen Fehler darf man bei den Grand Slams nicht wiederholen. Tradition allein ist kein Argument gegen jede Veränderung. Aber nicht alles, was kürzer ist, ist automatisch besser.
Best of Five verlangt Kondition, taktische Anpassungsfähigkeit, mentale Stärke und die Fähigkeit, auch nach mehreren Stunden noch Lösungen zu finden. Genau daraus entstehen die großen Geschichten, Wendungen und unvergesslichen Matches – und damit letztlich auch jene Hotshots, Highlights und Dramen, die ein junges Publikum begeistern.
Grand Slams sind die größten Prüfungen unseres Sports. Und deshalb muss bei den Männern gelten: Best of Five muss bleiben !
