Bresnik betrachtet Trennung von Thiem "nüchtern wie immer"

Vor etwas mehr als einem Jahr haben sich die Wege von Günter Bresnik und seinem Musterschüler Dominic Thiem getrennt. Der Rückblick auf die letzten gemeinsamen Tage und die Zeit danach fällt beim Coach kritisch aus.

von APA
zuletzt bearbeitet: 31.03.2020, 17:33 Uhr

Günter Bresnik und Dominic Thiem 2019 in Melbourne
© GEPA Pictures
Günter Bresnik und Dominic Thiem 2019 in Melbourne

Die ATP-Tour ruht, es ist davon auszugehen, dass auch das Wimbledon-Turnier in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Schwierige Umstände für alle Beteiligten. "Man wird sehen, wie unterschiedlich schnell die Leute wieder in die Gänge kommen", sagte Bresnik jüngst im APA-Gespräch. Besonders bei körperlichen Defiziten könnten nun die jungen Spieler aber gegenüber den Routiniers aufholen."

Für die absolute Spitze wird sich hingegen wenig ändern, glaubt der frühere Thiem-Coach und -Manager. "Die Leute, die oben stehen, betrifft es weder wirtschaftlich noch sportlich wahrscheinlich sonderlich. Sie sind froh, wenn die Positionen eingefroren sind. Wirtschaftlich stehen die alle so gut da, dass sie ihr Leben lang nichts mehr arbeiten müssen", weiß Bresnik.

Allerdings mache die Situation, "die Kluft nach oben noch einmal größer", weil die Spitze "oben noch mehr einzementiert" sei, meint der 58-jährige Niederösterreicher. Die French Open sind bereits von Mai auf September verschoben worden, auch Wimbledon steht kurz vor der Absage bzw. Verschiebung. Eine Verschiebung ist wegen des sensiblen Rasenbelags heikel.

"Eigentlich ist das eine Wettkampfverzerrung", erklärt Bresnik. "Wenn einem Bauern im Sommer die Ernte abhandenkommt, weil es Hagel gibt, kann er das auch nicht im Herbst nachholen. Da musst wieder von vorne anfangen."

Bresnik zur Thiem-Trennung - "Dinge, die ich halt gar nicht verstehe"

Für Bresnik selbst jährt sich demnächst das Ende der Zusammenarbeit mit Dominic Thiem. Der Weltranglisten-Dritte hatte sich sozusagen in zwei Etappen zunächst vom Trainer, dann kurz vor den French Open vom Manager Bresnik getrennt. Im Rückblick betrachtet der Ex-Davis-Cup-Kapitän und frühere ÖTV-Sportdirektor dies "nüchtern wie immer".

"Es wird mir halt immer klarer, wie das gelaufen ist. Es macht es um nichts ästhetischer. Es sind Dinge, die ich halt gar nicht verstehe. Ehrlichkeit, Loyalität, Werte..., da ist nicht viel davon eingehalten worden", erklärte Bresnik und fügt hinzu, "ich habe eigentlich kein Problem damit, außer dass man sich vielleicht darüber ärgert, dass man sich täuschen hat lassen. Wenn ich jemandem alles zu verdanken habe, dann kann ich so nicht mit ihm umgehen. Wolfgang (Thiem) wäre ein Clubtrainer in Seebenstein und Dominic wäre ein Future-Spieler."

Im Leistungszentrum Südstadt ist Bresnik eine von drei Personen in der seit 2001 privat geführten Betreibergesellschaft. Der Vertrag wurde erst vor kurzem um zwölf Jahre verlängert. Die Plätze dort sind laut Bresnik "bummvoll". Er sieht seine Zukunft auch weiter in der Südstadt, schließt aber ein neuerliches Engagement auf der Tour nicht aus.

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31.03.2020, 17:33 Uhr