Daniel Masur mit erstem Challenger-Erfolg: „Damit man nicht 10 Jahre lang ein Rookie bleibt“

Der Tag danach: Daniel Masur ist im schweizerischen Lugano angekommen. Wenige Stunden zuvor hatte er beim Biella Challenger Indoor 4 in Norditalien seinen ersten Triumph im Einzel auf der ATP-Challenger-Tour verzeichnet.

von Florian Heer
zuletzt bearbeitet: 23.03.2021, 09:56 Uhr

Daniel Masur
© Biella Challenger
Daniel Masur

Viel scheint sich für die Profis im Wanderzirkus Tennis auch in Zeiten der Pandemie nicht verändert zu haben. Wie eh und je scheinen sie durch die Welt zu jetten. Beim genaueren Hinsehen fällt jedoch auf: Auch hier hat sich einiges verändert. Masur war in Biella nicht nur eine Woche aktiv, sondern hat insgesamt an vier Turnieren teilgenommen, wobei er das letzte mit einem spannenden Finalsieg am Sonntagnachmittag über seinen deutschen Landsmann Matthias Bachinger erfolgreich beenden konnte.

Masur empfindet es als „Privileg“, in Zeiten der Pandemie seinen Beruf ausüben zu dürfen. „Es wird zwar weniger geflogen und ich fahre viel mit dem Auto, trotzdem überquere ich mehrfach die Grenzen von Österreich, Schweiz und Italien. Zu Hause hingegen sitzen viele im Home-Office und können nicht raus. Das fühlt sich manchmal schon merkwürdig an. Ich werde allerdings nicht versuchen dies zu verhindern, da durch die jeweiligen Hygienekonzepte bei den Events das Ganze nicht unverantwortlich ist. Ich kann allerdings die Situation richtig einordnen, dass Tennis-Turniere stattfinden können, obwohl die ganze Welt stillsteht“, erzählt der 26-jährige im Rahmen des Tennis-Podcasts Challenger Corner.

„Der beste Masur“ auf dem Platz

Aus sportlicher Sicht läuft es bei Masur so gut wie nie zu vor. Nach acht Erfolgen auf dem ITF-Pro-Circuit ist ihm mit dem Titelgewinn in Biella ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere geglückt.

„Egal auf welcher Ebene der Tennis-Tour, der erste Turniersieg ist immer ein besonderer Schritt. Nach drei Einzügen ins Halbfinale bei Challenger-Events war es mein erstes Endspiel, umso besser, dass es gleich im ersten Anlauf geklappt hat“, freut sich der gebürtige Niedersachse, der bereits seit vielen Jahren an der TennisBase Oberhaching im Großraum München trainiert. Der Schützling von Lars Übel hat in den letzten Monaten zusammen mit seinem Coach hart trainiert und an vielen Dingen, wie beispielsweise dem zweiten Aufschlag, gefeilt.

„Die Arbeit aus dem Training auf die Matches zu übertragen, ist sehr gut gelungen. Dazu gehört auch etwas Glück. Ich fühle mich aber sehr gut aufgestellt, bin gesund und habe über die Jahre hinweg auch Erfahrung in Bezug auf Turnierplanung, Regenerationszeiten, meinen Körper und Spielgefühl gewinnen können. Das wächst im besten Fall, damit man nicht zehn Jahre lang ein Rookie bleibt.“

Finale zweier Qualifikanten

Auch die physische Komponente scheint zu passen. In einem hochklassigen Finale gegen Bachinger fühlte sich Masur zum Ende einer langen Turnierwoche noch immer topfit.

„Mein Returnspiel war wohl gefährlicher. Ich war im zweiten als auch dritten Satz bereits mit einem Break vor, aber er hat sich beide Male stark zurückgekämpft. Nach zweieinhalb Stunden sind es vielleicht drei Punkte, die den Unterschied ausmachen. Es hätte in beide Richtungen ausgehen können. Aufgrund des Spielverlaufs geht das Ergebnis aber auch so in Ordnung“, analysiert Masur, der sich ebenso wie sein Kumpel und Trainingspartner Bachinger durch die Qualifikation kämpfen musste.

Erfolg unter „besonderen“ Bedingungen

Auf dem Weg ins Finale warf er dann mit dem an Nummer 4 gesetzten Japaner Yuichi Sugita, dem Routinier Sergiy Stakhovsky, dem tschechischen Nachwuchstalent Jonas Forejtek und dem Ukrainer Illya Marchenko mehrere namhafte Spieler aus dem Hauptfeld. Am Ende standen sieben Siege in acht Tagen zu Buche. Dabei beschrieb Masur die Bedingungen vor Ort als „besonders“.

„Die Unterkunft und die Verpflegung waren super“, so die Nummer 213 der ATP-Weltrangliste. „Allerdings waren die Trainingsplätze im Hotel und mit einem komplett anderen Belag als die Match-Courts ausgestattet. Das hatte mit einer vernünftigen Vorbereitung nichts zu tun gehabt. Die zwei Hauptplätze waren mit einem Abstand von ca. 500 Metern in zwei separaten Hallen untergebraucht. Auch die waren komplett unterschiedlich zu spielen. Der Center-Court war deutlich langsamer, die Bälle sind höher abgesprungen mit enorm vielen Platzfehlern. Dies war wahrscheinlich der schlechteste Hartplatz, auf dem ich je gespielt habe. Dieser Belag war vermutlich nicht auf eine vierwöchige Turnierserie ausgelegt. Insgesamt waren es schwierige Bedingungen, auf die man sich immer wieder neu anpassen musste.“

Nächster Halt: Lugano

Nach vier intensiven Turnieren bekommt der Palasport in Biella nun seine wohlverdiente Pause. Die Profis sind aus der Region Piemont inzwischen nach Lugano weitergezogen. Zeit seinen ersten Challenger-Erfolg zu feiern blieb Masur dadurch keine.

„Vielleicht hole ich das in der kommenden Woche nach“, freut sich der Wahl-Tutzinger. Dann geht es zur Regeneration und weiteren Trainingseinheiten nach Hause. Das nächste Tour-Erlebnis wird aber bestimmt nicht lange auf sich warten lassen.

von Florian Heer

Dienstag
23.03.2021, 12:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 23.03.2021, 09:56 Uhr