Daniil Medvedev: Mit der Kraft der Shaolin-Mönche

Daniil Medvedev hat sich in New York auch von den Buh-Rufen des Publikums nicht aus der Ruhe bringen lassen. Grund dafür ist ein neuer mentaler Ansatz.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 10.09.2019, 19:17 Uhr

Daniil Medvedev
© Getty Images
Daniil Medvedev

Er gilt als netter Typ - der auf dem Platz manchmal austickt. Bei den US Open verscherzte es sich Daniil Medvedev gleich mehrfach mit dem New Yorker Publikum, schaffte es aber, die negative Energie in Kraft umzuwandeln. "Indem ihr gegen mich wart, habt ihr mir so viel Power gegeben, um zu gewinnen. Vielen Dank!", gab der 23-Jährige gerne in den On-Court-Interviews zu wissen. Um sich danach, in der Presserunde, zu entschuldigen./

Und im Finale bot er Publikumsliebling Rafael Nadal einen großen Kampf, den dieser erst spät im fünften Satz gewann (und sich auch beim Publikum mit einer freundlichen Rede wieder Freunde machte).

Medvedev: Früher oft zu früh aufgegeben

Dem war jedoch nicht immer so. "Ich habe oft... Nicht abgeschenkt, aber aufgegeben. Ich dachte: Okay, das wird zu hart", reflektierte Medvedev nach dem Finale über frühere Zeiten. Seitdem er auf der ATP-Tour sei, habe er sich aber verändert. So suche er immer Wege, sein Spiel anzupassen. "Ich habe versucht, etwas anderes zu probieren. Bin ab und an ans Netz gegangen, habe Stopps eingestreut, Slice. Ich habe alles versucht", erklärte Medvedev sein großes Comeback gegen Nadal.

Einen großen Anteil am "neuen" Medvedev" hat wohl Coach Gilles Cervara, der Medvedev seit Ende 2017 exklusiv betreut. Noch beim Wimbledon-Turnier hatte Medvedev der Schiedrichterin damals Münzen vor den Stuhl geworfen. "Große Probleme mit seiner Einstellung", habe er gehabt. "Ich weiß nicht, warum alle Dämonen kommen, wenn ich Tennis spiele." Nach einem schwierigen Match zu Beginn des Spielzeit 2018 habe man zusammengesessen und etwas Neues aufgebaut, erklärte Cervara gegenüber espn.com.

Den entscheidenden Einfluss hat vielleicht Medvedevs Sportpsychologin, Francisca Dauzet, mit der er seit über einem Jahr zusammenarbeitet. "Sie hilft mir viel", so Medvedev. "Nach Spielen saß ich oft herum und dachte: Ich will nicht verlieren, weil ich durchdrehe oder die Konzentration wegen der Fans verliere, oder wegen des Schiedsrichters. Wenn ich schon verlieren muss, dann, weil ich der schlechtere Spieler bin."

Medvedev - der Shaolin-Mönch unter den Tennisspielern

Dauzets Arbeit hat Einflüsse der chinesischen Medizin, Meditation und der Philosophie der "Shaolin Warriors" - chinesische Mönche, die bekannt dafür sind, eine der ältesten und meist-respektiertesten Formen von Kung Fu zu praktizieren. Diese innere Ruhe und das sensorische Bewusstsein will Dauzet auch in Medvedev verankern, wie sie in der espn-Story erklärte. "Wenn ein Shaolin kämpft, schaut er nicht, was um ihn herum geschieht. Er spürt einfach, was passiert."

Ein weiterer Vorteil Medvedevs aus Sicht der Psychologin: "Sein Verstand ist sehr groß. Sehr komplex, wie ein Computer. Er hat so viele Dinge, die er in der einen Sekunde zusammenfügen kann."

Sollte Medvedev seinen Weg fortführen wie zuletzt, wird dem ersten Grand-Slam-Titel in Zukunft wohl nichts im Wege stehen

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Dienstag
10.09.2019, 19:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 10.09.2019, 19:17 Uhr