Dem Druck standgehalten: Respekt, Alexander Zverev!
Alexander Zverev hat bei den French Open 2026 das getan, was von ihm erwartet wurde - den Titel geholt. Das war alles andere als selbstverständlich.
von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet:
08.06.2026, 08:17 Uhr

Alexander Zverev hat das Ding - endlich! 2020 stand er bei den US Open erstmals im Finale eines Majorturniers, sechs Jahre später hat es mit dem Sieg nun in Paris hingehauen. Gratulation an dieser Stelle! Dazwischen lagen, unter anderem: ein mehrfacher Bänderriss mit allem drum und dran, als er 2022 im Halbfinale von Paris gegen Rafael Nadal umgeknickt war; ein Finale gegen Carlos Alcaraz, bei dem er eine 2:1-Satzführung nicht ins Ziel brachte; und eine klare Niederlage gegen Jannik Sinner bei den Australian Open 2025, nach der Zverev desillusioniert eine große Lücke zwischen sich und der Spitze ausmachte.
Bei den French Open lief nun alles in Richtung des Hamburgers. Ja, hätte Jannik Sinners Körper noch fünf Minuten länger mitgespielt; wäre Carlos Alcaraz nicht am Handgelenk verletzt; hätte Novak Djokovic sich nicht zu sehr verausgabt (und wäre er noch ein paar Jährchen jünger). Hätte, hätte, Fahrradkette. In ein paar Jahren fragt niemand danach. In den Tennis-Geschichtsbüchern wird dauerhaft stehen: Roland-Garros-Sieger 2026 - Alexander Zverev.
Zverev-Sieg in Paris: Ein Erfolg mit Sternchen?
Ist dieser Sieg dennoch einer mit Sternchen - und eben dem Hinweis auf das oben Genannte? Zumal Zverev auf dem gesamten Weg keinen Top-Ten-Gegner schlagen musste? Ja. Und nein. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ein Majorsieger nicht die ganz übermächtige Konkurrenz bespielen musste.
Goran Ivanisevic holte 2001 endlich “seinen” Wimbledonsieg - ein Tennismärchen aber auch deshalb, weil Pete Sampras früh ausgeschieden war und dessen Bezwinger Roger Federer noch nicht ausgemacht war als künftiger Dauersieger. Federer gewann 2009 endlich die French Open - weil sein Dauerbezwinger Rafael Nadal (verletzt) verloren hatte. Und Dominic Thiem gewann 2020 die US Open - auch, weil Nadal die Corona-Auflage nicht spielte, Djokovic disqualifiziert wurde und Finalgegner Zverev nervelte. Am Ende kann man nur gegen die Leute spielen, die einem präsentiert werden. Das hat Zverev getan.
Und es ist nicht zwingend einfacher. Nach dem Aus von Jannik Sinner war Zverev der Topfavorit auf den Turniersieg, mit anderthalb Wochen Zeit, genau darüber nachzudenken. Diesem Druck hat er bis zum Finale glänzend standgehalten und seine neue, offensive Ausrichtung toll durchgezogen. Dass das Endspiel an sich eine Zitterpartie wurde und Überraschungsgegner Flavio Cobolli teils haarsträubende Fehler produzierte? Gehört eben auch zum Spiel.
Für Zverev kann der Majorsieg in Roland-Garros die letzte Chance gewesen sein: wenn Sinner und Alcaraz wieder fit sind, wenn die nächste Garde um Joao Fonseca, Jakub Mensik oder Rafael Jodar den nächsten Schritt macht. Er kann Zverev aber auch freier machen. Dann könnten durchaus noch ein, zwei, drei weitere große Erfolge hinzukommen.
