Alexander Zverev: "Ich habe mich selbst angelogen"
Für Alexander Zverev war auf dem Weg zum French-Open-Triumph ein mentaler Kraftakt vonnöten.
von Nikolaus Fink
zuletzt bearbeitet:
12.06.2026, 14:58 Uhr

Bei den Medienvertretern ist Alexander Zverev eigentlich als authentischer und ehrlicher Interviewpartner bekannt. In den Tagen von Roland-Garros konnte er diesem Ruf aus Selbstschutz allerdings nicht gerecht werden, verriet der Weltranglistendritte einige Tage nach dem Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels in einem “Sky”-Interview.
Hatte Zverev in Paris nach frühen Niederlagen von Jannik Sinner und Novak Djokovic stets auf öffentliche Titelansagen verzichtet, sah es innerlich etwas anders aus: “Auf einmal bin ich haushoher Favorit bei diesem Turnier, was ich noch nie bei einem Grand Slam war. Ich wusste, wenn ich gutes Tennis zeige, kann und muss ich das Turnier wirklich gewinnen."
Schlaflose Nacht nach Sinner-Aus
Er habe seine Coolness “gefaked bis zum Gehtnichtmehr”, sagte Zverev. ”Jetzt kann ich auch ehrlich sein. Ich habe mich selbst angelogen. Für meinen eigenen guten Zweck. Als Sinner verloren hat, habe ich die Nacht überhaupt nicht geschlafen. Ich habe am nächsten Tag zum Glück erst abends gespielt gegen Quentin Halys und konnte den ganzen Tag noch schlafen. Was passiert aber tagsüber? Djokovic verliert."
Spätestens mit dem Aus des 24-fachen Grand-Slam-Champions stieg Zverev am Bois de Boulogne zum haushohen Favoriten auf. Nur wenige Stunden nach Djokovics Niederlage gegen Joao Fonseca bestritt der Deutsche gegen Halys "das schlechteste Match, das ich bei den French Open gespielt habe". "Ich war nicht frei, habe nicht gut gespielt und nicht gut aufgeschlagen." Dennoch gewann Zverev in vier Sätzen.
“Es war die stressigste Woche, die ich in meinem Leben je hatte, da bin ich ehrlich”, meinte Zverev, der seine Nerven nach dem Sieg gegen Halys bis zum Endspiel gegen Flavio Cobolli gut in den Griff bekam. “Im Finale war ich sehr nervös, im Finale war ich angespannt, aber auch dort habe ich in den wichtigen Momenten dann mein bestes Tennis gezeigt”, so der 29-Jährige.
Zverev hat noch ein großes Ziel
Und also erfüllte sich Zverev mit dem Fünfsatzsieg über Cobolli seinen großen Lebenstraum. Genug hat der gebürtige Hamburger nun aber nicht, wie er in einem “Eurosport”-Interview preisgab: “Ich habe noch ein Ziel, das ich nicht erreicht habe: die Nummer eins der Welt. Es würde mich freuen, wenn ich das für eine Woche mal erreichen kann.”
Aktuell führt Sinner die Weltrangliste mit großem Vorsprung auf Carlos Alcaraz und Zverev an. Beim nächsten Highlight in Wimbledon (29. Juni bis 12. Juli) kann der Deutsche allerdings einiges an Boden gutmachen: Während Sinner im Südwesten Londons den Titel verteidigt, kann Zverev nach seinem Erstrunden-Aus im Vorjahr nur dazugewinnen.
