Günter Bresnik im Interview: "Für Lilli Tagger zahlt man gerne Eintritt"

Günter Bresnik wird in den kommenden Wochen als Experte für Sky hinter dem Mikrofon agieren. Im Interview mit tennisnet nimmt der Star-Coach zu den aktuellen Ideen der ATP, aber auch zur Entwicklung von Lilli Tagger Stellung.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 31.07.2026, 12:56 Uhr

Tennisnet: Herr Bresnik. Vor ein paar Tagen ist bekannt geworden, dass Sie für Sky als Experte Matches begleiten werden. Wie ist es dazu gekommen? 

Günter Bresnik: Dafür ist in erster Linie Uwe König verantwortlich. Ein paar andere Leute bei Sky, die ich eigentlich schon über Jahre hinweg kenne, haben mich mal vor ein paar Wochen gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Vor ein paar Tagen war die Bekanntgabe der Expertenriege im Fußball. Und im Tennis haben sie auch Experten gesucht. Ich hoffe, ich kann die Erwartungen halbwegs erfüllen. 

Tennisnet: Gerade findet der Wechsel auf die nordamerikanische Hartplatzserie statt. Und es steht im Raum, dass Turniere wie Kitzbühel, Umag, Gstaad oder Bastad ab 2028 ebenfalls auf Hard Court ausgetragen werden. Wie stehen Sie dazu?

Bresnik: Ich halte nichts davon, dass man Traditionen zerstört. Ich finde es ein Wahnsinn, wenn man jetzt auch den Sandplatz vor allem in Deutschland, Österreich, Schweiz, aber eigentlich im gesamten Europa eigentlich, immer unbedeutender macht. Für mich ist es ein bisschen ein Verarschen für die Clubs und für die Masse der Tennis-Spieler, die natürlich dann auch die Turniere auf dem Belag sehen möchten, wo sie selber den ganzen Tag spielen. Und die Sandplatzsession dann zu beschränken auf, sagen wir, Monte Carlo bis Paris, dann sind wir bald dort, wo wir mit Rasen angelangt sind. Auf Rasen sind es fünf Wochen. Und der Rest auf Hartplatz. 

“Der Sport und die Turniere sind größer als die Teilnehmer”

Tennisnet: Wo sehen Sie noch Nachteile?

Bresnik: Einerseits beschwert man sich immer über den Einheitsbrei und auf der anderen Seite wird dann so agiert. Man sich sich fragen, inwieweit die Leute von der ATP visionär denken können oder wirklich nur gerade momentan dem einfachen Gewinn nachrennen. Das sei dahingestellt. Ich halte es nicht für sehr schlau. Habe ich damals beim Davis Cup auch gesagt. Da haben sie mich auch zu einem Ewiggestrigem erklärt. Heutzutage ist das alles schon Geschichte. Jeder weiß, dass es Schwachsinn war, was mit dem Davis Cup da passiert ist. 

Tennisnet: Der Gedanke ist ja der, dass man auf Hartplatz andere, bessere Spieler dazu bewegen könnte, nach Wimbledon noch in Europa zu spielen … 

Bresnik: Der Sport und die Turniere sind größer als die Teilnehmer. Die werden immer von den Turnieren gemacht und nicht umgekehrt. Und bei den ganz großen Turnieren, man stelle sich vor, man würde Paris jetzt auch auf Hartplatz verlegen. Ich halte das grundsätzlich für absurd. Die Verantwortlichen von Paris, die wehren sich schon dagegen und hoffen, dass die genannten Turniere nach wie vor bei Sand bleiben. Einen Belag derartig zu diskreditieren, halte ich einfach für schwachsinnig. Und wenn es in fünf Jahren oder in zehn Jahren in Deutschland oder Österreich oder irgendwo in Mitteleuropa wieder extrem viele Sandplatzspezialisten gäbe - die die hätten ja gar keine Möglichkeit mehr, sich zu etablieren. Und ich finde gerade die verschiedenen Beläge sehr spannend. 

Tennisnet: Auch im Doppel soll der Sparstift angesetzt werden. Inwieweit können Sie die Ideen der ATP nachvollziehen? Jürgen Melzer sieht sich da eher auf der Seite der Doppelspieler. 

Bresnik: Der Jürgen ist ja kein Doppelspezialist gewesen. Er hat alles gekonnt. Er war ein ausgezeichneter Einzelspieler, hat die Top Ten erreicht. Ich erwähne immer, dass er den Djokovic in Paris geschlagen hat. Also das ist für mich ein ausgezeichneter Einzelspieler gewesen, der auch viel Doppel gespielt hat. Grundsätzlich halte ich Doppel für eine ausgezeichnete Ergänzung für Einzelspieler. um ihr Spiel und ihre Qualität zu verbessern. Umgekehrt gilt das Gleiche als für gute Doppelspieler, die im Einzelfeld reinkommen und versuchen, sich am Wochenende in den Qualifikationen einzutragen. 

Tennisnet: Aber ein Argument ist ja, dass das zu wenige Fans interessiert! 

Bresnik: Der größte Wunsch von den Turnierveranstaltern wäre natürlich, dass alle Einzelspieler auch Doppel spielen würden, so wie das früher der Fall war. Wenn du an McEnroe denkst oder Taroczy, Fibak, Ramirez, Gottfried. John McEnroe und Peter Fleming, das waren beide Top-10-Spieler. Der McEnroe hat jede Woche das Einzel und das Doppel gewonnen. Später auch Kafelnikow, Elting oder Haarhuis. Und Federer und Wawrinka, die gewinnen dann auch das Doppel im Davis Cup und bei Olympia. Wie auch Stich und Becker - und Nadal ebenso. 

Tennisnet: Was würden Sie als Coach empfehlen? 

Bresnik: Wenn Einzelspieler nicht mehr Doppel spielen, halte ich es persönlich für Wahnsinn. Das ist auch die Schuld der Trainer.  

Bresnik: “Ich halte die einhändige Rückhand für alles andere als überholt”

Tennisnet: Noch ein harter Themenwechsel: Lilli Tagger hat vor wenigen Tagen das WTA-Tour-250-Turnier in Prag gewonnen. Welche Perspektiven sehen Sie für Lilli?

Bresnik: Ich kenne das Lilli schon lange, als Jugendliche bereits hat mir das immer gut gefallen. Mir gefällt neben ihrem wirklich attraktiven Spiel das Gesamtpaket. Das ist ein hübsches Mädel, sie lächelt auf Platz, die sudert nicht. Da hat man das Gefühl, der macht ihr Beruf Spaß. Lilli Tagger ist jemand, für den man bereit ist, dass du ins Stadion gehst und da Geld dafür zahlst. Was Lilli jetzt gespielt hat, hat meine Erwartungen auch bei Weitem übertroffen. In Athen verliert sie gegen Sara Beleg mit 2:6 und 2:6 - und eine Woche später schlägt sie Beleg in Prag mit demselben Ergebnis. Das war sicherlich keine Eintagsfliege, mag aber auch noch nicht zur Regel geworden sein. Der herausragende Erfolg beim Turnier in Prag war natürlich der gegen Barbora Krejcikova. 

Tennisnet: Wie gefällt Ihnen die Gesamtkonstellation? 

Bresnik: Lilli ist einfach in allen Belangen in guten Händen, bewegt sich dort auf sehr sicherem Boden. Sie hat mit dem Manager von Jannik Sinner, was das Geschäft anbelangt, bestmögliche Konditionen. Und ich halte Francesca Schiavone, mit der ich mich immer wieder bei den Turnieren unterhalte, für eine, was ihre Bedürfnisse anbelangt, optimale Betreuerin. Ich habe das auch zu den Journalisten von den österreichischen Zeitungen gesagt, dass ich nach dem Wochenende keine Einschränkung mehr sehe, wo Lilli hinkommen soll. Der ist alles zuzutrauen. Ich muss nur hoffen, dass sie verletzungsfrei und von der Einstellung und vom Auftreten am Platz unverändert bleibt.  

Tennisnet: Die einhändige Rückhand ist extrem elegant - aber ist sie im modernen Tennis überhaupt noch erfolgsvorsprechend? 

Bresnik: Wie können Sie mich so etwas fragen? Denken Sie mal an alle großen deutschen Spieler. Boris, Stich, Graf. Oder bleiben wir in Österreich. Da hatten wir Skoff, Muster, Antonitsch, dann war mal Jürgen Melzer dazwischen, dann aber schon wieder Dominic Thiem da, wieder ein einhändiger Spieler. International die schönsten Matches, die ich dieses Jahr in Wimbledon gesehen habe, waren die Spiele von Dimitrov. Federer, Wawrinka, diese Reihe kann man jetzt quasi endlos fortsetzen. Wenn man das rechtzeitig und gut lernt, ist das alles andere als eine Einschränkung, Wie gut spielt Lilli Tagger zum Beispiel den Slice? Die Wechsel zwischen Slice und Spin, als wenn es nichts Selbstverständlicheres gäbe! Das ist für beidhändige Spieler viel, viel schwieriger. Ich halte die einhändige Rückhand für alles andere überholt.
 

von Jens Huiber

Freitag
31.07.2026, 17:30 Uhr
zuletzt bearbeitet: 31.07.2026, 12:56 Uhr