Halbfinale der Qualen: "Stehaufmännchen" Zverev kämpft vergeblich
Alexander Zverev kämpft und will einfach nicht aufgeben. Am Ende steht erneut eine Niederlage gegen seinen Angstgegner.
von SID
zuletzt bearbeitet:
20.06.2026, 21:46 Uhr

Alexander Zverev schlich wie ein Schatten seiner selbst durch die "Rasensauna" von Halle - er litt während der Ballwechsel, er litt zwischen den Punkten, er litt in den Pausen. Nach 2:40 Stunden schließlich schleppte der French-Open-Champion sich ein letztes Mal ans Netz und gratulierte seinem Angstgegner Taylor Fritz zum Sieg in einem Halbfinale der Qualen.
Die Gründe: Zunächst macht der Rücken zu, dann hatte der Diabetiker Zverev auch noch Probleme mit seinem Sensor für die Insulin-Zufuhr. "Ich hatte extreme Probleme mit meinem Zucker, weil der Sensor einen falschen Wert angezeigt hat", berichtete er. "Ich habe viel zu viel Insulin gespritzt. Ich habe mich scheußlich gefühlt."
Fritz körperlich an diesem Tag besser
Fritz gewann die unerbittliche Hitzeschlacht 6:7 (4), 6:4, 7:5, und er hat gegen Zverev nun eine Siegesserie von sieben Matches. Im Finale trifft er am Sonntag auf seinen Landsmann Frances Tiafoe, der beim 6:1, 6:3 gegen Daniel Altmaier (Kempen) im Anschluss weit weniger Mühe hatte. Letzter deutscher Sieger in Halle bleibt damit Florian Mayer 2016.
"Es war verrückt heiß hier, ich habe mich wohl besser gefühlt als Sascha. Es ist nie leicht, wenn man das Gefühl hat, dass der Gegner mit etwas zu kämpfen hat", sagte Fritz im Siegerinterview. Zverev wartet kurz vor Wimbledon (ab 29. Juni) weiter auf seinen ersten Rasentitel, dabei hatte er stark begonnen. Bereits das Service zum 2:1 nahm Zverev dem Wimbledon-Halbfinalisten von 2025 ab, sein Return funktionierte in der frühen Matchphase einwandfrei.
Dann wackelte Zverev, der in den vergangenen Runden so stark serviert hatte, selbst beim Aufschlag - er kassierte "zu null" das Rebreak zum 3:3. 13 Punkte in Serie machte Fritz in dieser Phase, Zverev drohte das Match zu entgleiten. Er nahm bei 3:4 und Einstand eine Behandlungspause und verließ unter Applaus den Platz, es schien ein Abbruch zu drohen. Er ließ sich den Rücken einrenken.
Das Publikum feiert Zverev wie einen Sieger
Zverev kehrte er zurück, spielte weiter und beendete den Tiebreak mit einem krachenden Aufschlag. Die Zuschauer jubelten. Zverev suchte an der Bande das Gespräch mit seinem Vater und erhielt Zuspruch: Es lief so halbwegs, vor allem der Aufschlag, aber immer wieder beugte Zverev sich zwischen den Punkten ausgelaugt nach vorne. Zudem nahmen die Probleme mit dem Insulinspiegel zu.
Spätestens ab dem 2:2 versuchte er größtenteils schnelle Schüsse, in Aufschlagspielen von Fritz fand er kaum noch statt. Seine einzige Chance schien ein zweiter Tiebreak zu sein, doch bei 4:4 verlor Zverev seinen Aufschlag. Bei 0:40 hatte ihm der Schiedsrichter wegen wiederholter Zeitverzögerung unter Pfiffen das erste Service gestrichen. Das Break war entscheidend für den zweiten Satz.
Und Zverev? Der gab immer noch nicht auf, obwohl viele Fans damit rechneten. Nach zehn Minuten Hitzepause begann er damit, sich auch noch durch den dritten Durchgang zu quälen. Zunächst mit Erfolg - bis zum entscheidenden Break bei 4:4. Die Zuschauer feierten Zverev dennoch wie einen Sieger.
Hier das Einzel-Tableau in HalleWestfalen
