Jule Niemeier: "Eine Hauptfeld-Wildcard für den Porsche Tennis Grand Prix ist etwas sehr Besonderes"

Jule Niemeier (WTA-Nr. 109) hat für den Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart (ab 18. April) eine Wildcard fürs Hauptfeld bekommen, auch als Lohn für ihr starkes letztes Jahr. Wir haben mit Niemeier darüber gesprochen - und auch über ihren neuen Coach Christopher Kas.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 14.04.2022, 14:59 Uhr

Jule Niemeier
© Getty Images
Jule Niemeier

Jule Niemeier hat beeindruckende zwölf Monate hinter sich, mit einem Sieg beim ITF-Turnier in Prag im vergangenen Frühjahr sowie Halbfinals bei den WTA-Turnieren in Straßburg und Hamburg. In der Weltrangliste hat sich die 22-Jährige aus dem Porsche Talent Team seit Anfang des letzten Jahres um mehr als 150 Plätze verbessert, steht aktuell auf Rang 109. Wir haben Niemeier kurz vorm Flug von Frankfurt nach Kasachstan erwischt, sie ist hier für die deutsche Auswahl beim Billie Jean King Cup am Start. Ab dem 18. April ist sie beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart dabei.

Frau Niemeier, vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Sie mit Christopher Kas als neuem Coach zusammenarbeiten. Wie kam es dazu?

Ich trainiere in Regensburg in der BeTennisBase, die von Michael Geserer und Matthias Mischka geleitet wird. Jede Spielerin hat hier ihren eigenen Coach. Michael und Matthias haben Kasi für mich engagiert, wir trainieren seit einer Woche zusammen. Es läuft quasi über die Akademie, aber Kasi ist mein eigener Trainer und wird mich auch auf Turnieren betreuen./

Wie liefen die ersten Tage an? Kasi ist ja ein sehr positiver Typ.

Ja, wir hatten sehr gute Trainingstage, haben uns von Beginn an auch menschlich gut verstanden. Persönlich kannten wir uns zuvor gar nicht. Aber es passt perfekt, ich bin sehr happy, dass wir das zusammen angehen.

Kasi hat schon einige deutsche Damen trainiert, wie Sabine Lisicki und Mona Barthel. Ist es ein Vorteil, jemanden zu haben, der auf WTA-Ebene gecoacht hat?

Ich glaube schon, das macht vieles einfacher. Auch weil Kasi sich auskennt, was die Emotionen angeht – es ist schon ein Unterschied, ob man eine WTA-Spielerin oder einen ATP-Spieler trainiert. Er hat zudem große Erfahrung, weil er selbst Profi war, kann viele Situationen auf dem Platz nachempfinden. Es ist extrem wichtig, dass man sich darüber austauschen, über Gefühle in bestimmten Phasen sprechen kann. Wir haben direkt auf Sand angefangen, haben daran gearbeitet, wie ich hier am besten agiere. Mit viel Spin auf der Vorhand, offensiv, mit dem Weg ans Netz. Es geht nicht so sehr darum, mir eine andere Spielweise beizubringen, sondern meine Spielweise zu verbessern und das Maximum herauszuholen.

Sie haben tolle zwölf Monate hinter sich, mit dem Sieg in Prag, den Halbfinals in Straßburg und Hamburg. Kam das überraschend? Sie waren ja vorher lange verletzt, haben dann auch einen Umbruch gewagt zu Michael Geserers Academy und arbeiten seither auch dauerhaft mit Florian Zitzelsberger als Physiotherapeut zusammen.

Dass die Erfolge so schnell kamen, war schon unerwartet. Natürlich wusste ich, dass ich Potenzial habe, dass ich Tennis spielen kann. Durch meine vielen Verletzungen fehlte aber das Selbstvertrauen. Auch der Rhythmus, was die Matches angeht. Mir hat ebenso das Vertrauen in meinen Körper gefehlt. Dass ich über Monate hinweg schmerzfrei spielen konnte, ohne mir über meinen Körper noch Gedanken machen zu müssen, hat enorm geholfen. Es macht viel mehr Spaß, man kann sich aufs Wesentliche konzentrieren, sich auf dem Platz und im Gym verbessern. Die Sorgen 'Oh, jetzt tut mir die Schulter weh, kann ich das nächste Turnier spielen, ist diese Trainingseinheit zu viel...?' - das alles ist weggefallen, und das war ausschlaggebend. Ich habe nun gesehen, was dabei rumkommen kann.

Sie stehen aktuell an der Grenze zu den Top 100. Wie läuft da eine Turnierauswahl ab: Wann spielt man Quali für WTA-Turniere, wann ITF-Events?

Wir schauen gar nicht aufs Ranking, das hat wenig Einfluss auf die Turnierplanung. Wir versuchen, die größten Turniere zu spielen, die möglich sind. Ich habe jetzt die Wildcard für den Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart bekommen – was für mich unfassbar ist! Ansonsten schauen wir: Madrid würde ich gerne spielen, aber das Quali-Feld ist kleiner als das von Indian Wells oder Miami, von daher muss ich abwarten, wie sich die Teilnehmerliste entwickelt. Es ist aber auch kein Weltuntergang, mal wieder ein ITF-Turnier zu spielen.

Beim Porsche Tennis Grand Prix sind Sie zum ersten Mal dabei. Waren Sie schon mal vor Ort?

Bislang nur ein Mal, als wir vor einigen Jahren ein Fotoshooting fürs Porsche Talent Team hatten. Das war direkt nach meiner Abi-Klausur, ich musste sofort wieder los, am nächsten Tag stand schon die nächste an. Auf das Turnier freue mich wahnsinnig, habe bislang nur Positives gehört. Es soll so unfassbar gut organisiert sein. Und in diesem Jahr sind neun Top-Ten-Spielerinnen dabei! Die Möglichkeit, hier teilzunehmen, ist genial.

Wie haben Sie von der Wildcard erfahren?

Anke Huber hat sich bei mir gemeldet und es mir gesagt. Wirklich gerechnet hatte ich damit nicht, eine Hauptfeld-Wildcard für dieses Turnier ist etwas sehr Spezielles. Umso mehr habe ich mich gefreut.

Der Porsche Tennis Grand Prix ist 2020 ausgefallen, 2021 fand er ohne Zuschauer vor Ort statt. Nun sind wieder Fans vor Ort, und die machen in Stuttgart bekanntlich ordentlich Stimmung. Liegt Ihnen das?

Auf jeden Fall! Ich hätte auch sehr gerne den Billie Jean King Cup gegen Kasachstan in Deutschland gespielt, speziell in Stuttgart mit der tollen Atmosphäre. Ich hoffe, dass das in Zukunft mal klappt.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück in den kommenden Wochen!

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