Kommunikationsprobleme auf der ATP-Tour – und warum sich Roger Federer mit Novak Djokovic so schwertut

Die Abstimmung um Chris Kermode war das große Thema der ersten Tage in Indian Wells. Auch, weil die Big Player der Tour - Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic - sich nicht grün waren.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 13.03.2019, 19:27 Uhr

Novak Djokovic, Roger Federer
© Getty Images
Novak Djokovic, Roger Federer

Es waren spannende, teils unverständliche Tage in Indian Wells bislang – und das lag ausnahmsweise mal nicht nur an den Geschehnissen auf dem Platz.

Die Abwahl von Chris Kermode als ATP-Chef zum Ende des Jahres, sie hatte sich in den vergangenen Wochen angekündigt. Als es dann so kam, herrschte dennoch großes Entsetzen.

Viele Aktive und Ehemalige zeigten sich überrascht, schließlich habe der umgängliche und entspannte Kermode in den letzten fünf Jahren große Erfolge erzielt – und ein Blick auf die Zahlen bestätigte dies. Noch nie war die ATP erfolgreicher, noch nie verdienten die Akteure mehr.

Auch Roger Federer wusste offenbar nicht so recht, was vor sich ging. Wie er der Schweizer Presse vor ein paar Tagen verriet, habe er einen Tag vor der Wahl versucht, Spielerrats-Präsident Novak Djokovic zu treffen – der als einer der entscheidenden Akteure galt, die eine Wiederwahl von Kermode verhindern wollten.

Ein Treffen, das nie stattfand

Djokovic jedoch habe keine Zeit gehabt. Als „schwer verständlich“, bezeichnete Federer dies, auch wenn er anschließend beschwichtigte, Djokovic habe mit der ganzen Geschichte ja viel am Hut. Ein Treffen am Tag danach, wie von Djokovic vorgeschlagen, war für Federer wiederum sinnlos, „da war ja schon alles entschieden.“

Er überlege nun sich wieder mehr engagieren, sagte Federer – oder nur ein wenig einzubringen, ohne Politik zu machen. „Ich will nicht die ganze Zeit reinfunken, aber ich kann auch nicht nur wegschauen und sagen, es interessiert mich nicht. Ich muss mich informieren, und das habe ich in den letzten Tagen gemacht. Ich habe auch mit Rafa gesprochen. Wir sind auf dem gleichen Nenner, das ist wichtig für ihn und mich.“

Nadal sei sogar auf einen Kaffee bei ihm im Haus vorbeigekommen, erklärte Federer im Gespräch mit dem „Tennis Channel“. „Wir haben darüber gesprochen, was da vor sich geht, und ich bin glücklich darüber, dass wir auf einer Wellenlänge liegen.“

Warum werden Federer und Djokovic nicht miteinander warm?

Während also Federer und Nadal, wie so meist trotz Rivalität auf dem Platz, ganz gut miteinander können und sich mögen, wird man aus dem Duo Federer/Djokovic nach wie vor nicht schlau.

Eine gewisse Annäherung nach anfänglichen Probleme zwischen beiden ist nicht von der Hand zu weisen: War Federer vom jungen Djokovic wegen dessen häufigen Verletzungs-Ausreden genervt (und ebenso von Djokovics Eltern), lud er ihn im vergangenen Jahr sogar zum Laver Cup ein. Wirklich Klarheit um das Miteinander der beiden war jedoch noch nie da.

Der ehemalige Schweizer Profi Claudio Mezzadri beschrieb das schwierige Verhältnis zwischen Federer und Djokovic gegenüber blick.de so: "Roger gefallen emphatische Menschen, die sich gegenseitig schätzen – diesbezüglich hat er etwas Mühe mit Djokovic. Sie gehen freundlich, aber reserviert miteinander um. Roger erklärte mir, dass Novak zwar nett und witzig sei, es ihm aber nicht gelinge, ihn einzuordnen.“

Und weiter: „Wenn das Publikum Liebling Federer unterstützt, reagiert der Djoker mit genervten Gesten. Obwohl er die Liebe der Fans sucht, verscherzt er es sich ständig. Für Roger widerspiegeln Novaks beleidigte Reaktionen die dunkle Seite seines Charakters. Deshalb dominiert die Rivalität zwischen ihnen – während mit Rafael Nadal neben der Intensität auf dem Court viel Respekt und Sympathie besteht.“

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Soares unterstützt Djokovic

Persönliche Dinge hin oder her: Offen scheint nach wie vor die Frage, ob man die Kommunikationsprobleme hätte anders lösen können. Muss ein Akteur aus dem Spielerrat die Spieler aufsuchen - oder umgekehrt?

Unterstützung bekam Djokovic von Spielerrats-Kollege Bruno Soares. Auf die Kritik von Nadal, dass ihn niemand aus dem Spielerrat zur Kermode-Entscheidung kontaktiert habe, sagte der Doppel-Experte: „Es ist schwierig, mit jedem zu sprechen. Wenn jemand Zweifel hat, liegt es an demjenigen, seinen Vertreter im Rat aufzusuchen, um Dinge zu fragen oder vorzuschlagen.“

Wie es weitergeht im ATP-Machtkampf? Bleibt spannend. Zumal ein Nachfolger für Chris Kermode noch nicht in Sicht ist.

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