Match-Tiebreak statt drittem Satz - warum nicht auch auf der ATP-Tour?
Beim Laver Cup wird auch im Einzel anstelle eines dritten Satzes ein Match-Tiebreak gespielt. Wäre das auch für ausgewählte Turniere auf der ATP-Tour eine Option?
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
30.09.2026, 14:58 Uhr

Über den sportlichen Wert beim Laver Cup mag man geteilter Meinung sein, fest steht aber, dass die spannendsten Entscheidungen im Match-Tiebreak gefallen sind, der anstelle eines dritten Satzes ausgespielt wurde. Man denke nur an die Partien zwischen Alex de Minaur und Alexander Zverev, vor allem aber an das Treffen zwischen Carlos Alcaraz und Taylor Fritz, wo der Spanier zwei Matchbälle parieren musste (und konnte).
Im Doppel ist diese Variante auf der ATP-Tour ja längst gelebte Praxis. Im Einzel dagegen hält sich die Experimentierfreude bei der ATP in dieser Hinsicht in überschaubaren Grenzen. Was wohl auch mit den Wünschen vieler Spitzenspieler zusammenhängt, die natürlich davon profitieren, wenn die Matches auf regulärem Wege ausgespielt werden. Denn in - wie auch immer - verkürzten Formaten spielt der Zufall eine größere Rolle.
Die Dynamik der Partien würde sich verändern
Denn es ist ja so: Wer den ersten Satz gewonnen hat, weiß beim Laver Cup schon, dass er mindestens eine Entscheidung im Match-Tiebreak sicher hat. Das wäre Learner Tien durchaus recht gewesen, der konnte gegen Alexander Zverev den ersten Durchgang aber eben nicht auf seine Seite bringen. Der starke Aufschläger Zverev wäre in einer Kurzentscheidung sicherlich auch Favorit gewesen - aber wie das Match gegen de Minaur gezeigt hat, kann beim Tiebreak bis zehn viel passieren.
Wäre es also nicht einmal einen Versuch wert, bei einem Turnier oder einer kleineren Turnierserie (wie den Sandplatz-Events in Bastad, Gstaad und Kitzbühel) einfach mal den dritten Satz im Einzel durch ein Match-Tiebreak zu ersetzen? Einfach um den Fans (und Spielern) noch ein bisschen mehr Spannung mitzugeben? Es würde die Dynamik der meisten Partien jedenfalls ordentlich verändern. Ob zum Besseren, könnte man ja nach der Probe bewerten.
Kleiner Nebeneffekt: Dann würde der Laver Cup nicht als einziger Wettbewerb ins Head-to-Head der Spieler eingehen, bei dem der dritten Satz nicht ausgespielt wird.
Dass bei den „großen“ Events nicht am Status Quo gerüttelt wird und werden soll, ist indes klar. Aber auf der mittleren Ebene könnte man ja vielleicht schon einen Versuch wagen.
