Medvedev, FAA, Lehecka - warum gerade jetzt die Trennung?
Die erstaunliche Häufung der Trainer-Entlassungen der letzten Tage könnte sportliche, aber auch kalendarische Ursachen haben.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
13.07.2026, 00:46 Uhr

Daniil Medvedev ist nach seiner Niederlage gegen Jan-Lennard Struff in der dritten Runde von Wimbledon 2026 noch ein paar Tage länge im Südwesten Londons geblieben. Man musste gar nicht besonders detektivisch veranlagt sein, um Medvedev in der französischen Bäckerei seines Vertrauens zu erkennen, seine Ehefrau Daria und die beiden Töchter waren auch mit dabei. Was nicht für Thomas Johansson galt, wobei es ja eher ungewöhnlich wäre, hätte das Spieler-Coach-Duo gemeinsam Croissants eingekauft.
Aber mittlerweile darf man davon ausgehen, dass Johansson zu jenem Zeitpunkt schon wusste, dass er sich nach einem neuen Job umsehen muss. Oder darf, je nachdem, wie freudvoll die Zusammenarbeit mit Medvedev tatsächlich gewesen ist. Aber nachdem sich in den letzten Tagen auch Félix Auger-Aliassime von Frederic Fontang und Jiri Lehecka von Michal Navratil getrennt haben, lohnt es vielleicht, ein bisschen über diese Häufung zu spekulieren.
Einer der Gründe könnte wohl sein, dass mit Wimbledon das erste Halbjahr bilanziert wird. Die kommenden Aufgaben finden für Medvedev, Auger-Aliassime und Lehecka allesamt auf Hartplatz statt. Und das nach einer schöpferischen Pause. Da kann man sich also gut sortieren. Zumal die Hardcourts vom genannten Trio ohnehin am meisten geschätzt werden.
Medvedev bleibt die Ruhe selbst
Sportlich lassen sich auch Motive für Veränderungen finden: Daniil Medvedev hat die Spielzeit ja so stark wie schon lange nicht mehr begonnen, bei den French Open aber ganz früh gegen Adam Walton verloren, in Wimbledon eben gegen Jan-Lennard Struff. In einer Art und Weise, die ihn normalerweise nah an den Wahnsinn getrieben hätte. Denn Struff, der große Kämpfer, musste in jedem Satz einen Rückstand von mindestens einem Break aufholen. Und das gelang dem Deutschen auch. Medvedev aber blieb die Ruhe selbst.
Félix Auger-Aliassime hatte die große Chance, Novak Djokovic aus dem Wettbewerb zu schmeißen. Und gegen Ende des fünften Satzes wirkte der Kanadier, kein Wunder, auch deutlich frischer als Djokovic. Das Match-Tiebreak ging dann aber eben doch an den serbischen Großmeister. Sehr frustrierend.
Und Jiri Lehecka konnte gegen Alexander Zverev viele Chancen nicht nutzen. Wie so oft bei Grand-Slam-Turnieren. Diese kleine Melange könnte dazu beigetragen haben, dass das Trainerkarussell wieder Schwung aufgenommen hat. Und die Herren Fontang, Navratil und Johansson muss man sich derweil wohl keine Sorgen machen: Der nächste Trainerjob ist möglicherweise nur ein paar Wochen entfernt.
