Nach Wobker-Disqualifikation: Ist die Verhältnismäßigkeit ein Problem?
Ida Wobker erlebte am Samstag die harte Seite der eigenen Emotionen. Die junge deutsche Nachwuchshoffnung wurde nach einem Schlägerwurf disqualifiziert. Die Verhältnismäßigkeit im Umgang mit Wutausbrüchen von Tennisprofis wirft jedoch Fragen auf.
von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet:
05.07.2026, 13:47 Uhr

Mit der Disqualifikation von Ida Wobker im Juniorinnen-Wettbewerb von Wimbledon erlebte das deutsche Tennis einen kontroversen Moment beim diesjährigen Rasenevent. Die 15-Jährige warf ihr Racket auf den Rasen und dieser prallte vom Boden mit so viel Wucht ab, dass das Arbeitsgerät im Zuschauerbereich landete. Das bedeutete nach dem Regelwerk die sofortige Disqualifikation für die 15-Jährige. Einen Ermessenspielraum gibt es dabei nicht.
Der Tennissport kommt sehr oft mit klaren Regeln daher. Vor allem wenn es um das Verhalten der Akteure auf dem Court geht. Das ist eine Stärke dieser Sportart. Doch hin und wieder darf die Frage gestellt, ob Regeln eigentlich noch zeitgemäß sind bzw. der Verhältnismäßigkeit entsprechen. So auch bei der Regelung um den Schlägerwurf.
Denn durchaus kann man die Frage stellen, warum ein Schlägerwurf schlimmer eingestuft wird als das viel häufiger vorkommende Ballwegschlagen. Denn wer einen Ball mit herrlicher Wut im Bauch in quer über eine der Anlage dieser Welt pfeffert, der kommt laut Regelwerk mit einer Verwarnung davon. Anders war es 2020 bei den US im Fall von Novak Djokovic, der dabei eine Linienrichterin traf, was zur sofortigen Disqualifikation führte.
Mehr oder weniger direkte Disqualifikationen?
Das Racket von Ida Wobker traf keine Zuschauer bei der Reise in die Publikumsränge. Trotzdem erfolgte die Disqualifikation. Hätte Novak Djokovic damals niemanden getroffen, hätte der Serbe weiterspielen dürfen. Grundsätzlich ein Punkt, der durchaus hinterfragt werden kann. Denn ob ich ein Racket schleudere oder einen Ball wegschlage. Beide Vorgänge entsprechen keineswegs dem erwünschten Benehmen eines Tennisprofis.
Eventuell sollten die regeln gelockert werden, um den Emotionen der Akteure mehr Raum zu geben. Ida Wobker hätte in diesem Fall mit einer Verwarnung ihre Lektion in diesem Match gelernt. Oder die Regeln werden noch strenger ausgelegt: Wer einen Ball in die Zuschauerränge schlägt, der muss zukünftig ebenfalls direkt mit einer Disqualifikation rechnen. Dann bleibt auch einfach alles noch viel häufiger dort, wo es hingehört. Auf dem Tenniscourt.
