Roger Federer nach Halle-Sieg: Zehn Mal "Zuhause" gewonnen

Als Roger Federer am vorletzten Samstag am Sportpark Hotel in Halle ankam, überreichte ihm Turnierdirektor Ralf Weber eine schicke Begrüßungstorte. Das zückersüße Geschenk trug eine sinnige Aufschrift: „Welcome, Home“, war da in Zierlettern zu lesen. Federer hatte ein Lächeln im Gesicht, als er sich artig bedankte: „Es fühlt sich auch so an, wie ein Stück Zuhause neben dem Zuhause.“

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 23.06.2019, 18:34 Uhr

Federer ist vieles in dem beschaulichen Städtchen in Ostwestfalen. Unzweifelhaft der Publikumsliebling der Fans, auch eine Art Neben-Botschafter des Turniers. Aber eins ist er vor allem: Die sportlich prägende Figur, der überragende Titeljäger, der Rekordchampion, der Rasenkönig.

Kein Wunder, dass Halle nun auch eine historische Rolle in Federers Karriere spielt, als jener Standort, an dem der 37-jährige Superstar zum ersten Mal ein Turnier zum zehnten Mal gewann. Am Sonntag, nach dem 7:6 (7:2), 6:1-Erfolg des Maestros gegen den Belgier David Goffin, war dieser neuer Superlativ in Federers Arbeitszeugnis und auch in den Annalen des Events festgeschrieben.

„Es ist unglaublich, dass ich hier so viele Pokale geholt habe“, sagte Federer, der Artist mit dem besonderen Gespür für Rasen, „das ist ein Riesenmoment in meiner Karriere. Und dieser Schauplatz ist ganz besonders für mich“. Federer ist nun neben Rafael Nadal (12 Titel French Open, 11 Barcelona) überhaupt der einzige Spieler in der modernen Tennisgeschichte, der bei einem Turnier zehn oder mehr Erfolge feierte.

Roger Federer: Halle erinnert ihn an Schweiz

Schon lange vor seinem internationalen Durchbruch hatte der junge Federer ja einst in Halle aufgeschlagen, sogar bei den Junior Gerry Weber Open. Federer gefiel es in der provinziellen Idylle, er mochte immer „die Nähe zu den Fans“, die er hier leben kann und „spüren darf“. Zwischen den French Open und Wimbledon tankte er stets auf in Halle, fühlte sich wohl inmitten von „Wald und Wiesen“, fühlte sich auch ein wenig erinnert „an meine Schweizer Heimat.“ 

2003 holte er seinen ersten Titel, damals noch gegen Nicolas Kiefer, drei Wochen später siegte er erstmals in Wimbledon. Ein gutes Omen, fand Federer. Weitere Rasen-Doubles folgten. Federer schloß mit den Turniermachern einen Lebenszeitvertrag, der dafür sorgte, dass er in der Wettbewerbswoche von Halle nur dort spielt – und nirgendwo anders.

„Roger ist hier nicht einfach nur ein Spieler, der zu Gast ist. Sondern ein Teil der Familie“, sagte Turnierdirektor Weber jüngst in einem TV-Interview. Das wird mutmaßlich auch so bleiben, wenn Federer irgendwann aufgehört haben wird, nächstes Jahr oder übernächstes Jahr. Oder noch später. Es gebe viele Ideen, viele Überlegungen zur Einbindung Federers über die Profizeit hinaus, sagt Weber, „aber alles hat seine Zeit. Noch freuen wir uns über den Spieler Federer.“

Roger Federer: Form "besser als in den Vorjahren"

Wer würde Federer im Hier und Jetzt auch die 37 Jahre anmerken, auch die 20 Jahre im knüppelharten Tourgeschäft. Er kann noch immer siegen bis zu einem Pokalcoup, gegen die Jüngeren und ganz Jungen, gegen Spieler, die fast schon seine Söhne sein könnten. Obwohl er in diesem Jahr wieder Stopps im Sandplatzbetrieb einlegte, erschien er in Halle frisch und ausgeruht.

Er sagte selbst, er fühle sich in diesem Stadium der Tennisserie „besser als in den Vorjahren.“ Hart kämpfte sich der Künstler in den ersten Runden durch, gewann in wahren Centre Court-Dramen gegen starke Rivalen wie den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga oder den Spanier Roberto Bautista-Agut. 

Auf der Zielgeraden aber nahm er mit gestärktem Selbstbewusstsein Tempo auf, hatte wenig Mühe im Halbfinale gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert. Goffin allerdings verlangte ihm lange Zeitalles ab, er spielte im ersten Satz auf Augenhöhe, verlor erst im Tiebreak mit 2:7.

Danach aber war sein Widerstandsgeist gegen den Rasen-Meister gebrochen, schnelle Breaks von Federer zum 1:0 und 4:1 im zweiten Akt machten den Weg frei zum Sieg – und zum nächsten denkwürdigen Kapitel in der Erfolgschronik des Maestro, der in diesem Jahr schon den Coup des 100. Laufbahntitels in Dubai festgeschrieben hatte.

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von Jörg Allmeroth

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zuletzt bearbeitet: 23.06.2019, 18:34 Uhr

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