Sorgen im deutschen Frauentennis: Nach der "Goldenen Generation" kommt die große Lücke

Nach dem Rücktritt von Julia Görges muss der Deutsche Tennis Bund allmählich sorgenvoll in die Zukunft blicken. Hinter der Generation um Görges, Kerber und Co. klafft bei den Frauen eine große Lücke.

von SID
zuletzt bearbeitet: 23.10.2020, 18:01 Uhr

Wer einen Ausblick auf die drohende düstere Zukunft des deutschen Frauentennis wagen möchte, muss nur die aktuelle Weltrangliste studieren - und etwas Geduld mitbringen. Eine deutsche Spielerin unter 30 Jahren ist in den Top 100 überhaupt nicht zu finden, die beste unter 25 Jahren rangiert gar erst auf Platz 178. Und so wurde dem Deutschen Tennis Bund (DTB) mit dem Rücktritt von Topspielerin Julia Görges schmerzhaft vor Augen geführt: Dem so erfolgsverwöhnten Frauenbereich stehen harte Zeiten bevor.

Schließlich befinden sich auch die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber (32) und Andrea Petkovic (33), beide wie Görges aus der sogenannten "Goldenen" Frauen-Generation im DTB, im Herbst ihrer Karrieren. Und die ehemalige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki (31) kämpft schon seit Jahren nach vielen Verletzungen und Krankheiten überhaupt wieder um Anschluss.

Wenig verwunderlich war daher, dass sich Frauen-Bundestrainerin Barbara Rittner im Gespräch mit dem SID "wehmütig" zeigte, nachdem die frühere Top-10-Spielerin und Wimbledon-Halbfinalistin Görges am Mittwoch mit 31 Jahren das Ende ihrer sportlichen Laufbahn verkündet hatte. "Es ist schon der zweite Rücktritt der Goldenen Generation nach Anna-Lena Grönefeld", klagte Rittner. Doppelspezialistin Grönefeld (35) hatte ihre Karriere im vergangenen Dezember beendet.

Riesige Lücke bei DTB-Frauen

Auch bei der früheren Weltranglistenersten Kerber ist ein solcher Schritt nicht mehr fern - der verbliebene Traum vom Karriere-Grand-Slam mit dem Titel bei den French Open ist kein realistischer mehr. Petkovic verdingt sich schon jetzt nebenher als Buchautorin und TV-Moderatorin. Und auch Laura Siegemund (32), die jüngst mit ihrem Doppel-Titel bei den US Open und dem Einzel-Viertelfinale in Roland Garros ihren zweiten Frühling einläutete, ist keine Nachwuchshoffnung mehr.

Der Blick richtet sich daher unweigerlich auf diejenigen, die nachkommen - doch da folgt auf die "Goldene" die "Verlorene Generation", es klafft im deutschen Frauen-Tennis eine riesige Lücke. Dabei hatte es einige vielversprechende potenzielle Nachfolgerinnen gegeben. 

Carina Witthöft (25) galt nach ihrem Drittrundeneinzug bei den Australian Open 2015 als 19-Jährige als große Hoffnung, nimmt sich aber seit über einem Jahr eine Auszeit. Die hochtalentierte Annika Beck (26) absolviert statt einer großen Tenniskarriere ein Medizinstudium. Anna-Lena Friedsam (26) wurde oft von Verletzungen ausgebremst, Antonia
Lottner (24) konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen. 

Schon im vergangenen Jahr hatte Rittner, Head of Women's Tennis im DTB, von einem "beängstigenden Gesamtbild" gesprochen. Daher konzentriert sie sich bereits auf die nächste Generation, die vielversprechende Spielerinnen bereithält. Die 18-jährige Alexandra Vecic etwa, die im Frühjahr bei den Australian Open das Halbfinale im Juniorinnen-Einzel erreicht hatte. Oder die gleichaltrige Eva Lys, auch wenn Rittner vor zu hohen Erwartungen warnte. 

"Wunderdinge sind da nicht zu erwarten erstmal", sagte sie tennisnet Anfang Oktober: "Wir brauchen da viel Geduld." Vielleicht kaschieren Kerber oder Siegemund die Übergangszeit ja noch mit dem ein oder anderen Erfolg.

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zuletzt bearbeitet: 23.10.2020, 18:01 Uhr