Steve Darcis: "Das ist für mich nicht der Davis Cup"

Im Vorfeld der Begegnung mit Österreich hat Belgiens Davis-Cup-Kapitän Steve Darcis einmal mehr Kritik am neuen Format geübt.

von Nikolaus Fink
zuletzt bearbeitet: 16.09.2026, 13:46 Uhr

Steve Darcis vermisst den alten Davis Cup
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Steve Darcis vermisst den alten Davis Cup

Ab 11:32 Uhr stellte sich Steve Darcis am WAC-Platz im Wiener Prater den Fragen der Medienvertreter. Belgiens Davis-Cup-Kapitän sprach dabei über …

… die Absagen von Alexander Blockx und Raphael Collignon: Das ist natürlich schwierig, aber Teil des Spiels. Das kann passieren. Das ist der Davis Cup. Wir haben gedacht, dass wir mit drei Top-50-Spielern als großer Favorit hierher kommen werden. Jetzt haben wir nur mehr einen. Natürlich können auch die anderen beiden (Gauthier Onclin und Kimmer Coppejans, Anm.) richtig gut Tennis spielen, sie sind wirklich engagiert für das Land. Ich habe immer noch ein gutes Gefühl. Vielleicht hat sich die Ausgangslage von 80:20 auf 50:50 verschoben. Es wird sicherlich ein großartiges Duell. 

… Jürgen Melzer: Wir kennen uns sehr gut, wir haben in der gleichen Zeit gespielt. Wir haben oft gegeneinander gespielt, bei Turnieren und im Davis Cup. Jetzt sind wir Kapitäne für zwei verschiedene Länder. Es ist auch für mich sehr nett, jetzt mit ihm hier zu sein. Natürlich sind wir wieder einmal Gegner, aber wir kennen keine andere Rolle. Es ist schön, dass so ein Typ wie er dem Tennis verbunden geblieben ist. Er kennt sich im Tennis sehr gut aus und es ist für den österreichischen Tennissport sehr gut, jemanden wie ihn auf der Bank zu haben.

den Umstand, dass der Davis Cup in Anbetracht von Blockx' Absage möglicherweise zu nah an den US Open liegt: Man hat die Antwort, viele Spieler sind nicht dabei. Es gibt also vielleicht ein Problem. Es ist schwierig, der Kalender ist sehr herausfordernd. Es gibt viele Turniere, die Saison ist sehr lang. Ich kann die Spieler verstehen. Er (Blockx, Anm.) ist 21 Jahre alt, hat im Viertelfinale gespielt und überall Schmerzen. Jetzt müsste er auf einem anderen Belag, in einem anderen Land, mit Jetlag und Schmerzen spielen ... Wenn du bei einem Grand-Slam-Turnier gut spielst, ist ein Einsatz beim Davis Cup gleich danach sehr schwierig.

… eine mögliche Lösung des Problems: Ich arbeite nicht für die ITF, also kann ich das nicht beantworten. Die Frage ist immer, was man machen kann. Wir spielen nur mehr auf zwei statt drei Gewinnsätze. Ich habe von Anfang an gesagt, dass das für mich nicht der Davis Cup ist. Das ist der World Cup of Tennis. Man spielt für sein Land, das ist natürlich immer großartig. Aber es ist mehr ein World Cup als der echte Davis Cup. Für mich bedeutet Davis Cup drei Gewinnsätze, drei Tage ... Es gibt Veränderungen und ich denke, dass sie erneut etwas ändern müssen, um die besten Spieler in den Teams zu haben. Vielleicht sollten wir alle zwei Jahre spielen, ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung.

… den Zustand des belgischen Tennis: Wir hatten das schon vor ungefähr zehn Jahren. Wir haben im belgischen Tennis seit vielen Jahren sehr gute Spielerinnen und Spieler. Das Level war immer gut. Um drei Spieler in den Top 50 zu haben, benötigt man auch etwas Glück. Das ist gutes Timing, sie spielen zur gleichen Zeit gut. Das ist auch für sie gut, weil sie sich gegenseitig pushen und so ein Konkurrenzkampf entsteht. Das ist wirklich positiv, sie kämpfen nicht gegeneinander und verstehen sich sehr gut. 

.. die österreichischen Spieler: Ich kenne sie sehr gut, weil ich ja auch als Coach auf der Future- und Challenger-Ebene unterwegs bin. Ich habe sie alle schon oft gesehen und kenne sie daher sehr gut. Das sind alles gute Wettkämpfer und sie spielen unter österreichischer Flagge alle sehr, sehr, sehr gut. Sie waren im Vorjahr wie wir bei den Final 8 dabei. Das ist ein sehr, sehr gefährliches Team. Wir wissen, dass es am Wochenende ein großer Kampf wird.

… Zizou Bergs als Option für das Doppel: Ja. Es ist schwierig, das jetzt zu beantworten, weil ich viele Optionen habe. Jürgen weiß das und umgekehrt weiß auch ich, welche Optionen er hat. Ich weiß aber natürlich nicht, für welche er sich entscheidet. Wir werden nach dem ersten Tag sehen. Die Spiele am Freitag können alles verändern. Aber eines ist gewiss: Wir brauchen drei Punkte, egal wie. Dafür werden wir kämpfen. 

… den Austragungsort: Sie (die Veranstalter, Anm.) haben einen großartigen Job gemacht. Es wird sicher eine tolle Atmosphäre, ich denke, es wird voll sein. Sie arbeiten viel am Platz, alles sieht toll aus. Der Club ist großartig, die Location ist großartig, das Hotel ist großartig, die Stadt ist großartig. Es ist alles für ein tolles Tennis-Wochenende angerichtet. Ich bin nicht überrascht, weil in Österreich immer alles gut organisiert ist und für die Spieler das Beste gemacht wird. Das spüren wir.

… Österreichs Entscheidung, auf Sand zu spielen: Ich hätte das natürlich nicht gemacht. Aber nicht, weil meine Spieler nicht auf Sand spielen können, sondern weil es unter der Saison schlecht ist, auf Sand zu spielen. Sie kommen aus den USA, fliegen dann nach Asien und dazwischen spielen sie auf Sand ... Aber: Das ist der Davis Cup! Man kann aussuchen, was man möchte. Das ist fair. Wir mögen es auch, auf Sand zu spielen. Das Timing ist aus Sicht der Spieler nicht gut. Aus Davis-Cup-Sicht ist es lustig (lacht).

von Nikolaus Fink

Mittwoch
16.09.2026, 13:46 Uhr
zuletzt bearbeitet: 16.09.2026, 13:46 Uhr