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Top 10: Der weiße Sport im Film (Remastered), Teil 2

Wir haben unsere Liste der besten Tennis-Filme aus dem Jahr 2016 auf den neuesten Stand gebracht. Diesmal sind die Positionen sechs bis vier an der Reihe.

von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet: 12.03.2022, 12:59 Uhr

© YouTube
Strangers on a train von Alfred Hitchcock

Reichlich verstaubt wirkt aus heutiger Sicht unser Überblick über Filme mit Tennisbezug aus dem Jahr 2016. Kein Wunder sind doch in den letzten sechs Jahren einige hervorragende Neuzugänge zu verzeichnen gewesen. Und spätestens mit dem sechsfach Oscar-nominierten Kino-Highlight "King Richard" ist der Tennissport auch bei Cineasten wieder in aller Munde. Alles Grund genug für uns der Bestenliste einen neuen Anstrich zu verpassen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Für die bessere Übersicht haben wir diesmal auch Bewertungen von internationalen Kritikerseiten einfließen lassen, damit ihr nicht nur unserer profunden Meinung vertrauen müsst. Also - Vorhang auf für die Plätze sechs bis vier und eine gute Projektion!

6. Final Set (Frankreich 2020)

Regie: Quentin Reynaud
mit: Alex Lutz, Ana Giradot, Kristin Scott Thomas

Ähnlich der Premisse der leichten Tennis-Liebeskomödie Wimbledon, die wir bereits im vorigen Teil unserer Top-10-Liste vorgestellt haben, möchte es auch im Film des französischen Regisseurs Quentin Reynaud ein praktisch ausgemusterter Ex-Profi noch einmal wissen. Im Gegensatz zur Hollywood-Variante geht es im europäischen Machwerk jedoch deutlich dramatischer zu. Thomas Edison (Alex Lutz) will mit 37 Jahren ein letztes Ausrufezeichen in seiner Karriere setzen. Zwar rät ihm sein Arzt aufgrund der lädierten Bänder in seinen Knien von einem Comeback ab, davon möchte unser Filmheld allerdings nichts wissen. Edison trainiert verbissen und wird dabei von seiner verständnisvollen Frau Eve (Ana Giradot) und seiner Mutter Judith (Kirstin Scott Thomas / Der englische Patient, Only God Forgives) tatenvoll unterstützt. Das Verhältnis zu seiner Mutter, selbst Tennistrainerin, ist zwar angespannt, am Ende beherzigt Thomas aber viele ihrer zahlreichen Ratschläge. Eine erhoffte Wildcard für die French Open wird ihm nicht gewährt, ein beschwerlicher Gang durch die Qualifikation ist damit unvermeidlich. Die nicht enden wollenden Anstrengungen wirken sich auch auf das Eheleben von Thomas und Eve aus. Während das Drehbuch des Films klare Stärken und Schwächen aufweist, überzeugen die Sportszenen mit interessanten Perspektiven und bildgewaltigen Zeitlupen. Wer über die eine oder andere dramaturgische Schwäche hinwegsehen kann, wird mit einem durchaus sehenswerten Tennis-Film belohnt. (IMDb: 6,6/10, Rotten Tomatoes: 88/100)

5. Die Royal Tenenbaums (USA 2001)

Regie: Wes Anderson
mit: Gene Hackman, Gwyneth Paltrow

"Die Royal Tenenbaums" von Kultregisseur Wes Anderson (Grand Budapest Hotel, Die Tiefseetaucher) ist mittlerweile ein moderner Klassiker. Die skurrile Komödie legte sowohl erzähltechnisch als auch stilistisch den Grundstein für das mittlerweile ausgeprägte Schaffen des siebenmal für den Oscar nominierten US-Amerikaners. Die Tenenbaums sind eine vom Glück verfolgte Familie: Chas (Ben Stiller / Zoolander, Nachts im Museum) ist ein wirtschaftliches Genie, Richie (Luke Wilson / Old School, Natürlich blond) ein charismatischer Tennisgigant und Margot (Gwyneth Paltrow / Ironman, Shakespeare in Love) eine preisgekrönte Drehbuchautorin. Doch nach der Scheidung ihrer Eltern Royal (Gene Hackman / Superman, The French Connection) und Etheline (Anjelica Huston / The Addams Family, Hexen hexen) bricht alles zusammen und die drei Kinder verfallen in schwerwiegende Depressionen. Nach Jahren des Schweigens kehrt Royal zu seiner Familie zurück. Er erzählt, er habe Krebs im Endstadium. Wird seine Krankheit die Familie wieder zusammenbringen? Neben herrlich schrägem Humor, einer opulenten Ausstattung und faszinierend abgedrehten Charakteren, überzeugt den filmschauenden Tennisfan besonders Luke Wilson als glamouröser Tennisprofi - dem Mimen gelingt eine herrliche Persiflage auf bekannte Größen wie John McEnroe oder Björn Borg. Kurzum: Ein Pflichtfilm und völlig zu Recht auf Platz fünf unserer upgedateten Liste. (Bewertungen: IMDb 7,6, Metacritic 76/100, Rotten Tomatoes 81/100)

4. Der Fremde im Zug (USA 1951)

Regie: Alfred Hitchcock
mit: Farley Granger, Robert Walker

Fragt man einen echten Cineasten nach einem Film mit Tennisbezug, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Augenblicke der Titel "Der Fremde im Zug" fallen. Nicht nur ist der Klassiker vom Meister der Spannung, Alfred Hitchcock (Psycho, Vertigo), einer der besten Thriller aller Zeiten, auch unser geliebter "weißer Sport" ist in das fulminante Leinwandopus optisch und storytechnisch so perfekt eingebettet, dass einem der Film, einmal gesehen, wohl ewig in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte nach einem Roman von Patricia Highsmith handelt von Guy Hanes, einem erfolgreichen und ehrgeizigen Tennisprofi mit politischen Ambitionen (Farley Granger / Cocktail für eine Leiche, Hans Christian Andersen), der während einer Zugfahrt Bruno Anthony (Robert Walker), einen seltsam offenherzigen Mann, kennenlernt. Dieser schlägt Guy einen kuriosen Handel vor: Sollte Guy Brunos verhassten Vater töten, würde er sich mit einem Mord an Guys Ehefrau revanchieren. Guy lebt von seiner "besseren Hälfte" getrennt, und will schon seit längerem die Scheidung, um die Tochter eines Senators zu heiraten - die Ehefrau weigert sich aber zuzustimmen. Aus dem perfiden Plan entspinnt sich ein Psychodrama mit dichter Atmosphäre, dem man sich nur entziehen kann, wenn man an akuter Schwarzweiß-Allergie leidet. Und das wäre ungemein schade. Auf der Filmplattform imdb.com rangiert das Meisterwerk Hitchcocks sehr lange unter den besten 250 Filmen aller Zeiten. (Bewertungen: IMDb: 7,9/10, Metacritc 88/100, Rotten Tomatoes: 98/100)

Honourable Mention:

Tatort: Finale am Rothenbaum (D 1991)
Regie: Dieter Kehler
mit: Manfred Krug, Charles Brauer

Außer Konkurrenz läuft bei unserem Special der Tatort-Krimi "Finale am Rothenbaum". Die Folge 239 der deutsch-österreichischen Kriminalreihe führt die Kommissare Stoever (gespielt vom leider bereits verstorbenen Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Brauer) an den Hamburger Rothenbaum, wo sie den Entführungsfall des Tennisprofis Andreas "Andy" Behrens (der auffallend Ähnlichkeiten mit Boris Becker hat) aufklären sollen. Während sich die Fernsehzeitschrift TV-Spielfilm mit "Spiel, Satz und Sieg für Krug und Brauer" recht überzeugt zeigte, fiel der Fernsehfilm bei den Tatort-Fans weitestgehend durch. In den Spielszenen ist einige Male Carl-Uwe Steeb zu sehen. (Bewertungen: IMDb: 5,3/10)

Hier geht es zu den Plätzen zehn bis sieben.

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zuletzt bearbeitet: 12.03.2022, 12:59 Uhr