Unaufhaltsam in Paris: Zverev greift nach nächstem "Ding"
Alexander Zverev präsentiert sich bei den French Open in titelreifer Form. Nach seiner bisher besten Leistung ist das Selbstbewusstsein riesig.
von SID
zuletzt bearbeitet:
03.06.2026, 12:57 Uhr

Das Pokerface des Alexander Zverev zeigte schließlich doch erste Risse. Immer und immer wieder hatte der Hamburger bei den French Open Fragen zu seinem möglichen ersten Grand-Slam-Triumph emotionslos abgewimmelt, und nein, er würde auch "niemals" für einen solchen Erfolg seine Olympia-Goldmedaille aus Tokio eintauschen. "Aber ich hätte auch nichts dagegen, meiner Liste noch ein paar Dinge hinzuzufügen", sagte Zverev - und lächelte.
Es war ein kleiner, aber vielsagender Einblick in die innere Gefühlswelt des Hamburgers. Auch wenn Zverev versucht, im Rampenlicht von Roland Garros cool zu bleiben, weiß auch der 29-Jährige, dass am Bois de Boulogne die Stunde geschlagen hat. Während die anderen Favoriten wie Jannik Sinner und Novak Djokovic schon lange den Heimweg angetreten haben, steigert sich die deutsche Nummer eins von Spiel zu Spiel. In dieser titelreifen Form soll auch das Halbfinale gegen den starken Tschechen Jakub Mensik nur eine Zwischenstation sein.
Zverevs Selbstvertrauen ist riesig. Der bärenstarke Auftritt beim 7:6 (7:3), 6:1, 6:3 im Viertelfinale gegen Rafael Jódar, womit Zverev zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren in die Vorschlussrunde an der Seine einzog, war ein Ausrufezeichen. Gegen den Spanier hatte Zverev nur zu Beginn einige Probleme, mit Verlauf das Spiels überrollte er den hochgehandelten Teenager regelrecht. "Ich musste erst meinen Rhythmus finden", sagte Zverev. Doch dann lief es wie geschmiert.
Für den 29-Jährigen war es der 91. Sieg bei einem Grand Slam seit 2020, nur Djokovic (124 Siege) und Sinner (93) haben in dieser Zeitspanne mehr. Bis Sonntag könnte er nun zu dem italienischen Weltranglistenersten aufschließen. Dass er dabei mit Mensik, der sich trotz Schmerzen im linken Bein beeindruckend mit 6:4, 6:3, 7:6 (7:3) gegen den Brasilianer Joao Fonseca durchsetzte, auf den nächsten - und im Vergleich zu Zverev unerfahrenen - Nachwuchsstar trifft, spielt dabei keine Rolle.
"Ich konzentriere mich auf mein Spiel. Und das, was ich kontrollieren kann, ist mein Tennis", sagte Zverev: "Für mich ändert sich mein Leben nicht sonderlich, ob ich jetzt gegen Djokovic spiele im Halbfinale oder gegen einen von den jungen Jungs." Er wisse, dass es ein "hartes Match wird. Für mich ändert sich von der Vorbereitung her nichts."
Mensik, der als jüngster Tscheche jemals im Halbfinale eines Grand Slams steht, ist für Zverev kein Unbekannter. Ende April hatte der Weltranglistendritte seinen zehn Jahre jüngeren Kontrahenten im Achtelfinale des Masters in Madrid in drei Sätzen bezwungen. Zverev sollte also wissen, worauf es ankommt.
"Ich muss wirklich auf mein Spiel vertrauen, auf mein Tennis und auf mich selbst", sagte Zverev: "Wenn ich gut spiele, dann ist das meiner Meinung nach schon 99 Prozent der Arbeit." Sollte das auch gegen Mensik gelingen, wäre das nächste "Ding" für seine persönliche Liste zum Greifen nah.
