US Open: "Nie ein Spiel so genossen" - Ben Shelton befeuert den Traum einer gesamten Nation
In einem großen nächtlichen Drama wirft Ben Shelton bei den US Open Carlos Alcaraz raus. Eine ganze Tennis-Nation träumt nun vom großen Coup.
von SID/red.
zuletzt bearbeitet:
09.09.2026, 14:09 Uhr

Nachdem Ben Shelton und Carlos Alcaraz in dieser ohnehin niemals schlafenden Stadt die Nacht mit einem unvergleichlichen Tennis-Tango durchgetanzt hatten, hielten sie in enger Umarmung am Netz inne. "Es war mir eine riesige Ehre, das bedeutet mir so viel", sagte Publikumsliebling Shelton nach seinem Sieg in einem denkwürdigen Viertelfinale der US Open über den spanischen Titelverteidiger. Und die Fans, die bis kurz vor vier Uhr morgens im Arthur Ashe Stadium mitgefiebert hatten, jubelten glückselig.
Mit einem 6:7 (7), 6:1, 6:3, 1:6 und 7:6 (7) in einem phasenweise maßlos begeisternden Match über 4:28 Stunden hatte Shelton im Duell der beiden wohl spektakulärsten Spieler der Welt Alcaraz' Traum beendet, nach viereinhalbmonatiger Verletzungspause mit seinem achten Grand-Slam-Titel auf die Tour zurückzukehren.
Shelton versicherte glaubhaft, dass ihm sein Sieg in dieser Nacht gar nicht so wichtig sei. "Nie zuvor habe ich ein Match so genossen", sagte der Sonnyboy, der zwischen den Ballwechseln immer wieder mit seinem Vater, Ex-Profi Bryan Shelton, abklatschte: "Egal ob Sieg oder Niederlage - er und ich wären heute lächelnd hier weggegangen."
Wer tritt in Roddicks Fußstapfen?
Während ein Final-Gipfeltreffen zwischen Alcaraz und French-Open-Sieger Alexander Zverev, der in der Nacht zu Donnerstag (1.30 Uhr MESZ) im Viertelfinale auf Botic van de Zandschulp trifft, geplatzt ist, hofft die Tennis-Nation USA auf den Riesencoup. Weil Shelton nun gegen Landsmann Frances Tiafoe spielt, der Alex Michelsen (ebenfalls USA) zuvor in einem weiteren Fünf-Satz-Epos besiegt hatte, steht definitiv ein Lokalheld im Endspiel. Der erste Major-Männertitel seit Andy Roddick (New York 2003) ist greifbar.
Der hochbegabte und oftmals inkonstante Tennis-Unterhaltungskünstler Shelton belebte zwischen Matchbeginn um 23.06 Uhr und dem spätesten Matchende der US-Open-Geschichte um 3.33 Uhr die lange vermisste US-Euphorie wieder. "Das war heute kein Tennismatch", schrieb die New York Times, "sondern ein Schwergewichtskampf zwischen einem US-Akrobaten der Extraklasse auf der einen und einem Künstler mit Fähigkeiten, die sonst keiner beherrscht, auf der anderen Seite."
Dieser Fight fesselte die (anfangs) 24.000 Zuschauer. Shelton spielte am Limit, brach nach einem unnötig verlorenen Auftaktsatz nicht ein, sondern dominierte Alcaraz danach. Auch weil dem Spanier nach seiner Handverletzung doch ein wenig mangelnde Spielpraxis anzumerken war.
Shelton braucht “zwei Tage”
Alcaraz stand mit dem Rücken zur Wand. Eine Position, aus der er seine größten Siege gefeiert hatte wie in den French-Open-Finals 2024 (gegen Zverev) und 2025 (gegen Jannik Sinner). Auch diesmal schien er sich mit grenzenlosem Selbstvertrauen aus dem Loch ziehen zu können.
Nun fand er jemanden, der ihm zumindest mental ebenbürtig war. Und der musste sich danach erstmal sammeln. "Ich brauche jetzt mal zwei Tage", sagte Shelton, bevor er sich dann unendlich euphorisiert und unendlich euphorisch Richtung Bett aufmachte, "bis zum Halbfinale wird das schon wieder okay sein."
Hier das Einzel-Tableau in Flushing Meadows
