Warum das WTA-Turnier in Linz auf graue Plätze setzt: Instagram-Filter, bevor es cool war

Seit 2015 setzt das WTA-Turnier in Linz auf einen grauen Belag. Abgesehen vom Laver Cup steht das größte Damen-Tennisevent Österreichs damit weltweit alleine da. Die Spielerinnen freuen sich über einen guten Kontrast und ärgern sich über ihre eigenen Outfits.

von Lukas Zahrer aus Linz
zuletzt bearbeitet: 10.10.2019, 21:03 Uhr

Es wirkt wie ein Instagram-Filter, der sich über die Plätze der TipsArena in Linz legt. Ein feiner Sepia-Filter. Das Feld ist Dunkelgrau bemalt, außerhalb der Linien schimmert ein deutlich helleres Grau.

„Auf der Suche nach der Perfektion wollten wir etwas probieren. Wir trauten uns damals drüber, heute sind wir sehr glücklich darüber“, erklärt Turnierdirektorin Sandra Reichel im Gespräch mit tennisnet die Entscheidung, sich vor vier Jahren von den blauen Courts zu verabschieden.

Für TV-Zuseher ist der Tennisball über der grauen Farbmischung gut erkennbar. Deutlich besser als etwa auf einem roten Sandplatz.

Linz macht sich den Status eines Hallenturniers zunutze. Bei einem Freiluft-Event wäre ein dunkelgrauer oder schwarzer Belag unmöglich: Dieser würde unter Sonneneinstrahlung zu viel Hitze aufnehmen.

WTA Linz: Sponsoren spielen mit

Über die Ästhetik lässt sich streiten, für Reichel ist der Gesamtauftritt gelungen. „Das Setting passt zu unserem Traditions-Turnier. Es schaut elegant aus, die Sponsoren werden einheitlich präsentiert“, sagt sie.

Dass die Partner und Geldgeber dabei Teile ihrer „Corporate Identity“ aufgeben, weil die Firmenlogos auf den Banden hinter den Plätzen in schwarz-weiß platziert sind, ist laut Reichel kein Problem. „Sie verstehen, dass die Wirkung eine bessere ist. Weniger ist Mehr, die Optik kommt gut an. Es ist eben nicht so bunt und plakativ.“

In früheren Jahren hatten Titelsponsoren sogar ein Mitspracherecht bei der Farbwahl der Plätze. Heute spielt der Gesamtauftritt eine größere Rolle. Lediglich auf den LED-Banden an den Seiten des Platzes werde Werbung in Farbe eingespielt. „Es ergibt sich ein ruhigeres Bild, das die Spielerinnen schätzen“, erklärt Reichel.

Plätze in Linz machen "einen guten Kontrast“

Und tatsächlich: Jelena Ostapenko schwärmte angesprochen auf das Linzer Grau über die Farbe der Plätze. „Mir gefällt es sehr. Das Licht kann in der Halle sehr hell werden. Die Farbe macht einen guten Kontrast und fühlt sich angenehm für das Auge an“, meint die Lettin.

Ein Nebeneffekt, der sich durch die Farben ergibt: Die Spielerinnen heben sich deutlich hervor, sorgen sie abgesehen vom Ball doch mit ihren Outfits für die einzigen leuchtenden Farben.

Einzig Coco Gauff ärgerte sich, dass sie vor der Anreise in Oberösterreichs Landeshauptstadt nichts von den grauen Plätzen wusste. „Ich hätte mir ein bunteres Outfit mitgenommen“, sagt sie mit einem Lächeln. Ihr sei die Farbe des Platzes nicht wichtig, im Training hatte sie allerdings „hin und wieder Probleme, wenn der Hintergrund zu hell war“, da sie dann den Ball schlechter sehe.

Madrid Masters: Experiment auf blauem Sand

Dass die Farbe des Platzes für großen Ärger bei Profis sorgen kann, zeigte die Ausgabe von 2012 der Madrid Open. Damals setzte Turnierdirektor Ion Tiriac blauen Sand um. Offiziell sprach er von einer besseren Optik bei TV-Übertragungen, allerdings freute sich der Hauptsponsor, eine spanische Versicherung, darüber, dass die Konzernfarbe auch auf den Plätzen zu finden war.

Die Spieler ärgerten sich allerdings über einen rutschigen Belag und einen ungewöhnlichen Ballabsprung. Tatsächlich sollen für den Untergrund dieselben Ziegelsteine wie in den Jahren zuvor und danach zerhackt worden sein. Allerdings fehlte durch die aufgetragene Farbe das Eisenoxid an der Oberfläche, das soll für komische Flugkurven gesorgt haben.

Während sich Roger Federer den Titel holte, drohte Rafael Nadal nach einer Drittrundenniederlage gegen Fernando Verdasco gar mit einem Boykott. Seit 2013 wird auch in Madrid wieder auf gewohntem, weinroten Sand gespielt.

Laver Cup übernimmt dunkelgrauen Belag

Die Hartplätze dieser Welt sind heute fast ausnahmslos in Blau gehalten. Die Farbtheorie besagt, dass Violett oder Pink eine ideale Komplementärfarbe zum gelbgrünen Tennisball abgeben würden. Das ATP Masters von Shanghai kommt dem mit einem Indigo noch am nächsten. Ein grelles Blau bleibt aber die bevorzugte Farbe für Hartplätze.

So ist das Damen-Turnier von Linz einer der wenigen Ausreißer. Der Laver Cup setzt seit seiner Einführung 2017 auf ähnliches Terrain. Die Umrahmung der Plätze beim Einladungsturnier war aber jeweils deutlich dünkler als jene in Linz. „Die ziehen dieses Anthrazit noch konsequenter durch. Das passt sicher auch besser zu einem Herren-Event“, erklärte Reichel.

Auf die Idee, die Farbe des Tennisballs zu ändern, kam übrigens noch niemand.

WTA Linz: Farbe der Plätze seit 2000

JahrFeldUmrandung
2000MintgrünMintgrün
2001-2003DunkelblauHellblau
2004BlauBlau
2005-2009WeinrotPetrol
2010-2012BlauGrau
2013-2014BlauBlau
2015-DunkelgrauHellgrau

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10.10.2019, 19:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 10.10.2019, 21:03 Uhr