WTA: Diese Damen könnten mehr aus ihrer Karriere machen

Die Redakteure von tennisnet.com haben sich erneut zusammengehockt, um die Spielerinnen auf der Damentour ausfindig zu machen, die bei weitem nicht ihr ganzes Potential ausschöpfen konnten.

von der gesamten Redaktion
zuletzt bearbeitet: 16.10.2021, 09:17 Uhr

© Getty Images
Sloane Stephens ist nur eine Spielerin auf der WTA-Tour, die ihr Potential nicht wirklich ausschöpft.

Immer wieder hoch gelobt und besungen, aber am Ende doch nicht ganz das erreicht, was sie in sich gehabt haben - viele Tennisspielerinnen können die in sie gesetzten Erwartungen von Fans, Trainern oder Experten nicht erfüllen. Die Gründe dafür sind oft vielfältig, manchmal nicht wirklich greifbar. Neben körperlichen Problemen macht meist die Psyche und die innere Einstellung der großen Karriere einen Strich durch die Rechnung.Vor mehr als zwei Wochen hat sich die Redaktion von tennisnet.com den Tennis-Herren gewidmetund versucht Erklärungen zu finden, warum Spieler wie Nick Kyrgios, Bernard Tomic oder Denis Shapovalov noch immer nicht da stehen, wo sie von ihren Anlagen im ATP-Ranking eigentlich hingehören. Diesmal sind die Damen an der Reihe und auch diesmal ist die Liste völlig subjektiv. Wir freuen uns auf Kommentare von Euch auf facebook!

Kiki Bertens: Am 13. Mai 2019 sah es so aus, als hätte das holländische Damentennis ein neues ganz großes Aushängeschild. Kiki Bertens, 27, schaffte den Sprung auf Platz vier der WTA-Charts, kurz zuvor hatte Bertens beim WTA-1000-Event von Madrid ihren bis dato größten Karrieretitel gefeiert. Gut zwei Jahre später ist klar, es sollte auch der größte bleiben für die Holländerin. Im Juni gab Bertens nämlich bekannt, ihre Karriere überfrüht beenden zu müssen. Der Körper mache nicht mehr mit, anhaltende Probleme seien durch die COVID-19-bedingte Pause verstärkt worden. Der Weg zurück, so die 29-Jährige, zu steinig. Ein bitteres Ende unter der Laufbahn Bertens', die bereits 2016 auf Sand richtig aufzeigen konnte, bei den French Open damals das Semifinale erreichte. Was bleibt von der Laufbahn Bertens sind zehn Titel auf der WTA-Tour. Und ein äußerst unrühmliches Ende. Mit der Frage: "Was wäre wenn?" (Michael Rothschädl)

Eugenie Bouchard: Schon als junges Talent wusste Eugenie Bouchard zu überzeugen - Juniorinnen-Wimbledon-Sieg inklusive. Mit 20 Jahren dann der große Durchbruch mit einem WTA-Tour-Turniersieg, dem Wimbledon-Finale bei den Großen und zwei weiteren Grand-Slam-Halbfinals. Lohn der Mühen war ein Platz in den Top fünf der Damenwelt und die WTA-Auszeichnung als „Most Improved Player“. Wer nun glaubte, dass dies der Auftakt zu einer ganz großen Karriere war, irrte leider. Bereits im Folgejahr ging die Formkurve der Kanadierin steil bergab. Unrühmlicher Negativ-Höhepunkt der schwachen Saison 2015 war dann eine zugezogene Gehirnerschütterung im Umkleidebereich der US-Open-Anlage in Flushing Meadows. Mehrer Trainerwechsel folgten, eine Umkehr der Negativentwicklung zeitigte keiner davon. Zu schneller Erfolg, immer wieder auftauchende Gerüchte über Essstörungen, mehr Interesse an Modelaufträgen als an der Tenniskarriere - ob es einen bestimmten Auslöser für den Abstieg von „Genie“ gab, oder ob es eine Ansammlung mehrerer unglücklicher Umstände war, kann wohl niemand anderer als die Dame aus Montreal selbst beantworten. Heute ist Bochard 27 Jahre alt und an Weltranglisten-Rang 173 positioniert. Ob noch einmal der große Coup für die Nordamerikanerin drinnen ist, bleibt fraglich. Wünschenswert wäre es, hatte „Genie“ ihre Fans doch nicht nur mit ihrem attraktiven Tennis scharenweise in die Stadions dieser Welt gelockt. (Stefan Bergmann)

Caroline Garcia: Ach Kinder, wie die Zeit vergeht. Mehr als zehn Jahre ist es mittlerweile schon her, als Andy Murray während der French-Open-Zweitrundenpartie zwischen Caroline Garcia und Maria Sharapova die Vorhersage traf, dass die Französin künftig Weltranglistenposition eins belegen werde. Kurios: Obwohl Murray sich von Garcia tief beeindruckt zeigte, verlor die damals 17-Jährige das Match in drei Sätzen. Hatte man sich trotz der Niederlage große Erfolge der Französin erwartet, so sollte ihr der große Durchbruch doch nie so wirklich gelingen. In den WTA-Charts kletterte Garcia zwar bis auf Position vier, bei einem Grand-Slam-Turnier kam sie allerdings nie über das Viertelfinale hinaus. Im Doppel lief es für die nunmehrige Weltranglisten-59. etwas besser, 2016 triumphierte sie an der Seite von Kristina Mladenovic bei den French Open – doch selbst im Paarlauf sollte Murrays Prognose nicht eintreffen. Nach wie vor wartet man beinahe schon sehnsüchtig auf die endgültige Leistungsexplosion der so talentierten 27-Jährigen, die mit ihrer Variabilität und ihrem Spielwitz nicht nur erfolgreiches, sondern auch äußerst attraktives Tennis spielen könnte. Die Betonung liegt auf könnte. (Nikolaus Fink)

Madison Keys: Zu Madison Keys gab‘s ja mal eine interessante Statistik: Keys schlage ihre Vorhand im Durchschnitt so schnell (teils schneller) wie die Herren. Zum Verhältnis: Die meisten Frauen schlagen glatter, mit weniger Spin – der Unterschied zu den Herren ist also zwangsläufig gar nicht so extrem, wie man denken könnte. Aber Keys ist eine andere Hausnummer. Ihr Aufschlag, die Vorhand – das sind echte Waffen. Aus denen „Maddie“ bislang doch zu wenig gemacht hat. Weil sie zu oft nicht den richtigen Schlag zur richtigen Zeit ansetzt. Und selten einen Plan B aufruft. Schade ist‘s. Denn eigentlich hat Keys alles, um schon ein paar Majors in der Tasche zu haben. Aktuell? Steht sie nur noch auf Platz 50. Ob sie‘s noch mal nach oben schafft? Sie ist ja erst 26 Jahre. Ich bin gespannt. (Florian Goosmann)

Sloane Stephens: In ein paar Jahren wird Sloane Stephens mit ihrer hoffentlich großen Kinderschar an Thanksgiving vor dem Kamin im Drittwohnsitz in Lake Tahoe sitzen, völlig geschafft vom wie immer köstlichen Truthahn, den Ehemann Jozy Altidore fachmännisch zerlegt hat. Als die wunderbare Sloane gerade wegzunicken droht, kommt ihre älteste Tochter, benannt nach ihrer besten Freundin dereinst auf der Tour, doch noch mit einer Frage um die Ecke: „Mum. Warum hast Du eigentlich nur ein Grand-Slam-Turnier gewonnen? Es gibt so viele Leute, die sagen, dass Du das größte Talent von allen Spielerinnen warst. Deine Platzeinteilung, Deine Tempowechsel, Dein Spielverständnis - wäre da nicht mehr drin gewesen?“ Und weil man niemanden, aber schon gar nicht seine eigenen Kinder belügen sollte, antwortet Mama Sloane wahrheitsgemäß. „Ach, Maddie. Dafür hätte ich ja ab und zu etwas machen müssen, was mir keinen Spaß macht. Härter trainieren zum Beispiel. Das war es mir dann wirklich nicht wert. Noch ein Stück Kürbiskuchen?“ Und das ist ja die Wahrheit: Sloane Stephens scheint zufrieden mit dem zu sein, was sie auf dem Tennisplatz erreicht hat. Dann sollten wir es auch sein. (Jens Huiber)

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