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Becker lobt Zverev nach Auftaktsieg bei US Open: "Bist mit jeder Minute besser geworden"

Nach den ganzen Corona-Turbulenzen der letzten Monate hatte er ihn als „deutsches Sorgenkind“ für die US Open bezeichnet. Doch am späten Montagabend war TV-Experte Boris Becker auch der erste, der sich im Münchner Eurosport-Studio vor dem aus New York zugeschalteten Erstrundengewinner Alexander Zverev verneigte.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 01.09.2020, 12:29 Uhr

© Getty Images

„Das war ein Bombenmatch“, sagte der Tennis-Kanzler, „du bist mit jeder Minute besser geworden.“ Und tatsächlich: Wie Zverev seine extrem schwere Auftakthürde gegen den früheren US Open-Finalisten Kevin Anderson (Südafrika) meisterte, mit einer Mischung aus zupackender Entschlusskraft und mentaler Festigkeit, ließ durchaus auf ein längeres Grand-Slam-Abenteuer des 23-jährigen Hamburgers hoffen.

7:6 (7:2), 5:7, 6:3, 7:5 lauteten die nackten Zahlen zu einem ungewöhnlich souveränen Arbeitstag des nationalen Frontmannes, der seinen ersten Sieg nach der siebenmonatigen Zwangspause und einem kritischen Schlagzeilengewitter in der weltweiten Gesundheitskrise feierte. „Ich bin froh, endlich wieder Tennis bei einem Grand Slam spielen zu können“, sagte Zverev, „es war ein Match mit hoher Qualität. Das gibt einen Schub fürs Selbstbewusstsein.“ Zverev trifft nun in der zweiten Runde auf den amerikanischen Teenager Brandon Nakashima, einen hungrigen Außenseiter von Weltranglisten-Platz 223. „Nichts zu unterschätzen“ gebe es da, meinte Zverev: „Der Junge hat nichts zu verlieren da draußen. Der spielt völlig unbeschwert auf.“

Aber was eben erstaunte: Auch Zverev, der in Corona-Zeiten Vielkritisierte und Vielgescholtene, spielte bei der extrem schweren Erstrunden-Prüfung gegen den langjährigen Top Ten-Mann Anderson gelassen und dennoch hochkonzentriert auf. Es wirkte, als könne er in diesem ersten wichtigen Match seit mehr als einem halben jahr alles abschütteln und hinter sich lassen, was ihn zuletzt bedrängt hatte. Und was er sich selbst an Kritik eingehandelt hatte. Vor einer Woche, bei der Grand Slam-Generalprobe, beim ebenfalls in New York ausgetragenen Cincinnati Masters, hatte Zverev während der Niederlage gegen Andy Murray noch etwas verkrampft aufgespielt.

Papa Zverev geht es nach COVID-19-Infektion wieder gut

Doch wie es dazu kam, klärte er nach dem Triumph gegen Anderson auf. Eine Stunde vor Spielbeginn habe er von dem positiven Corona-Test von Vater Alexander erfahren, da könne man „nicht im Spiel 100 Prozent komplett da sein.“ Inzwischen gehe es allen in der Familie aber „richtig gut“, da spiele man gleich „viel befreiter.“ Für Zverev ist die Grand-Slam-Gemengelage gleichwohl seltsam, erstmals in seiner Karriere sind weder Trainervater noch Extracoach, in diesem Fall Neuzugang David Ferrer, mit von der Partie. Zverev ist zwar nicht allein in New York, schließlich sind Fitnesscoach Jez Green und Physio Hugo Gravil an seiner Seite, aber sportlich muss er sich letztlich schon selbst durchbeißen – trotz aller Ferngespräche mit Papa und Ferrer. „Ich rede viel mit ihnen, mit David natürlich viel über die Taktik. Aber auf dem Platz bist du dann auf dich gestellt“, sagt Zverev.

Die besondere Situation, auch in seinem Team, scheint Zverevs Sinne zu schärfen. Er wirkt fokussiert, und es macht ihm auch nicht sonderlich viel aus, im gespenstisch leeren Ashe-Stadion zu spielen – im 25.000-Zuschauer-Palast, in dem sich nunmehr zu den Matches allenfalls gelangweilte Spielerkollegen und Coaches aufhalten. „Ich nehme es, wie es kommt. Es ist ja nicht zu ändern“, sagt Zverev, „außerdem ist es immer noch besser, im leeren Ashe-Stadion als auf Platz 15 draußen zu spielen.“ Gegen Anderson profitierte der Deutsche auch von seiner offensiveren Grundausrichtung, von der Mentalität, das Spiel gegen den Topgegner selbst in die Hand nehmen zu wollen. „Wenn er diese Grundaggressivität weiter auf den Platz bringt, kann er hier noch vielen weh tun“, sagte Experte Becker.

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von Jörg Allmeroth

Dienstag
01.09.2020, 17:43 Uhr
zuletzt bearbeitet: 01.09.2020, 12:29 Uhr

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