Countdown zum 42. Porsche Tennis Grand Prix: Maria Sharapova - Von der „Kuh auf Eis“ zur „Terra-Pova“

Am 20. April startet der 42. Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Wir stimmen euch in den kommenden Wochen mit den schönsten Geschichten ein!

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 13.03.2019, 14:40 Uhr

Maria Sharapova
© Getty Images
Premierensieg beim Porsche Tennis Grand Prix 2012: Maria Sharapova

Der Tag, an dem aus Maria Sharapova eine der besten Sandplatzspielerinnen aller Zeiten wurde, war ein banaler Herbsttag in New York, an dem man ihr zur Sicherheit ein großes „X“ auf die rechte Schulter malte, bevor sie in den OP-Saal geschoben wurde.

Sharapova hatte damals nicht geplant, in Stuttgart zu siegen. Sie hatte auch nicht zwingend vor, bei den French Open zu gewinnen. Oder überhaupt bei einem größeren Turnier auf Sand. Als ihre Schultersehne wieder zusammengeflickt war, hatte sie jedoch ihre Flexibilität aus früheren Zeiten eingebüßt, und der harte Aufschlag, mit dem sie Wimbledon (2004), die US Open (2006) und die Australian Open (2008) gewonnen hatte, war futsch. Und mit ihm die Fähigkeit, viele freie Punkte ohne allzu großen Aufwand, zu viel Bewegung oder besonderes taktisches Geschick zu gewinnen.

Sharapova, die Expertin für schnelle Beläge und schnelle Punkte, wusste direkt, dass es nur einen Weg geben würde, wieder große Erfolge zu feiern: Sie würde ihr Tennis neu erfinden müssen. Mit eigentlich erst 21 Jahren – einem Alter aber, in dem der Spielstil eines Tennisprofis so gut wie in Stein gemeißelt ist.

Das eigene Spiel auf 180 gedreht

Maria Sharapova hatte ihr Handwerk auf den US-Hartplätzen der Trainerlegenden Nick Bollettieri und Robert Lansdorp gelernt. Speziell das Credo von Lansdorp kann man umschreiben mit: „Flach spielen, hoch gewinnen.“ Mit Sandplatztennis hatte der Ex-Coach von Tracy Austin, Pete Sampras, Lindsay Davenport nicht viel am Hut, und als Sharapova die Tenniswelt mit ihrem ersten Grand-Slam-Sieg in Wimbledon überraschte, verdankte sie dies ihrem harten Aufschlag und den flachen Grundschlägen, die sie bei Lansdorp in endlosen, tödlich langweiligen Übungseinheiten perfektioniert hatte.

„Ich muss gerissener werden und mehr auf Strategie gehen. Weniger von meinem Aufschlag abhängig sein als von meinem Return“, war Sharapova klar, als sie Ende 2008 mit der Reha begann. „In gewisser Weise würde ich eine bessere Spielerin sein. In anderer Weise eine schlechtere. Aber egal wie: Ich muss lernen, anders zu gewinnen als bislang“, erinnert sie sich in ihrer Autobiografie „Unstoppable“.

Drei Siege beim Porsche Tennis Grand Prix

Sharapovas Aufstieg zur Sandkönigin dauert gute drei Jahre – und nimmt im Frühjahr 2012 so richtig Fahrt auf: beim Porsche Tennis Grand Prix.

Sharapova schlägt Samantha Stosur (Nummer 5 der Welt), Petra Kvitova (Nummer 3) und im Finale Victoria Azarenka (Nummer 1) und gewinnt ihren ersten Porsche – einen 911 Carrera S Cabriolet. Danach siegt sie in Rom und im Anschluss bei den French Open, wo sie ihren „Karriere-Grand-Slam“ fix macht, sich in eine Reihe von Spielerinnen wie Billie Jean King, Chris Evert, Martina Navratilova, Steffi Graf und Serena Williams einfügt – und nebenbei die Weltranglistenspitze zurückerobert.

In Stuttgart bleibt sie weiter ungeschlagen: 2013 triumphiert sie im Endspiel über Li Na, nachdem sie im Halbfinale Angelique Kerber niedergerungen hat, und erklärt auf die Frage, ob es nun eng würde in ihrer Garage: „Für einen Porsche ist immer Platz.“ Kurz zuvor hatte Porsche bekannt gegeben, dass Sharapova die neue Markenbotschafterin werden wird.

Und Markenbotschafterin Sharapova gewinnt weiter: 2014 siegt sie zum Auftakt in einem der hochklassigsten Matches aller Zeiten in der Porsche Arena mit 7:6 (5), 6:7 (5), 7:6 (2) gegen Lucie Safarova, am Finalsonntag biegt sie gegen Ana Ivanovic einen Satzrückstand in einen Sieg und schafft es erstmals seit Martina Navratilova (1984, 1985, 1986), den Porsche Tennis Grand Prix drei Mal am Stück zu gewinnen. Sechs Wochen später triumphiert sie erneut in Roland Garros und holt ihren fünften (und bislang letzten) Grand-Slam-Titel.

Aus Maria Sharapova, die einst nach einer ernüchternden Niederlage im Sandkasten von Paris erklärt hatte, sich wie „eine Kuh auf Eis“ gefühlt zu haben, war inzwischen eine der besten Sandplatzspielerinnen aller Zeiten geworden.

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Erneutes Comeback in Stuttgart

Ob sich die Comeback-Geschichte bei der 42. Auflage des Porsche Tennis Grand Prix wiederholt? Ende Februar musste die 31-Jährige erneut wegen ihrer lädierten Schulter unters Messer. „Nur ein kleiner Eingriff“, beruhigte sie ihre Fans und versprach: „Ich bin entschlossen, gestärkt zurückzukommen, und – noch wichtiger: ohne die Schmerzen, unter denen ich seit Beginn des Jahres spiele.“

Wo, wenn nicht in Stuttgart, wäre ein erfolgreiches Sharapova-Comeback passender?

Alle Infos zum 42. Porsche Tennis Grand Prix!

von Florian Goosmann

Dienstag
12.03.2019, 10:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 13.03.2019, 14:40 Uhr