Porsche Tennis Grand Prix: Maria Sharapova - Von der „Kuh auf Eis“ zur „Terra-Pova“

Maria Sharapova avancierte im Laufe ihrer Karriere von der Liebhaberin für schnelle Beläge zur Liebhaberin für Sandplätze. Und für schnelle Autos: Drei Mal in Folge triumphierte sie beim Porsche Tennis Grand Prix und wurde zur Porsche-Markenbotschafterin.

von Florian Goosmann / mit Inhalten aus dem Porsche Newsroom
zuletzt bearbeitet: 24.04.2020, 19:06 Uhr

Maria Sharapova
© Getty Images
Premierensieg beim Porsche Tennis Grand Prix 2012: Maria Sharapova

Der Porsche Tennis Grand Prix 2020 fällt aufgrund der Corona-Pandemie leider aus. In einem tennisnet-Special blicken wir gemeinsam mit unserem Partner Porsche in exklusiven Interviews und ausführlichen Artikeln auf die schönsten Geschichten der vergangenen Jahre zurück.

Der Tag, an dem aus Maria Sharapova eine der besten Sandplatzspielerinnen aller Zeiten wurde, war ein banaler Herbsttag in New York, an dem man ihr zur Sicherheit ein großes „X“ auf die rechte Schulter malte, bevor sie in den OP-Saal geschoben wurde./

Sharapova hatte damals nicht geplant, in Stuttgart zu siegen. Sie hatte auch nicht zwingend vor, bei den French Open zu gewinnen. Oder überhaupt bei einem größeren Turnier auf Sand. Als ihre Schultersehne wieder zusammengeflickt war, hatte sie jedoch ihre Flexibilität aus früheren Zeiten eingebüßt, und der harte Aufschlag, mit dem sie Wimbledon (2004), die US Open (2006) und die Australian Open (2008) gewonnen hatte, war futsch. Und mit ihm die Fähigkeit, viele freie Punkte ohne allzu großen Aufwand, zu viel Bewegung oder besonderes taktisches Geschick zu gewinnen.

Sharapova, die Expertin für schnelle Beläge und schnelle Punkte, wusste direkt, dass es nur einen Weg geben würde, wieder große Erfolge zu feiern: Sie würde ihr Tennis neu erfinden müssen. Mit eigentlich erst 21 Jahren – einem Alter aber, in dem der Spielstil eines Tennisprofis so gut wie in Stein gemeißelt ist.

Das eigene Spiel auf 180 gedreht

Maria Sharapova hatte ihr Handwerk auf den US-Hartplätzen der Trainerlegenden Nick Bollettieri und Robert Lansdorp gelernt. Speziell das Credo von Lansdorp kann man umschreiben mit: „Flach spielen, hoch gewinnen.“ Mit Sandplatztennis hatte der Ex-Coach von Tracy Austin, Pete Sampras, Lindsay Davenport nicht viel am Hut, und als Sharapova die Tenniswelt mit ihrem ersten Grand-Slam-Sieg in Wimbledon überraschte, verdankte sie dies ihrem harten Aufschlag und den flachen Grundschlägen, die sie bei Lansdorp in endlosen, tödlich langweiligen Übungseinheiten perfektioniert hatte.

„Ich muss gerissener werden und mehr auf Strategie gehen. Weniger von meinem Aufschlag abhängig sein als von meinem Return“, war Sharapova klar, als sie Ende 2008 mit der Reha begann. „In gewisser Weise würde ich eine bessere Spielerin sein. In anderer Weise eine schlechtere. Aber egal wie: Ich muss lernen, anders zu gewinnen als bislang“, erinnert sie sich in ihrer Autobiografie „Unstoppable“.

Drei Siege beim Porsche Tennis Grand Prix

Sharapovas Aufstieg zur Sandkönigin dauerte gute drei Jahre – und nahm im Frühjahr 2012 so richtig Fahrt auf: beim Porsche Tennis Grand Prix.

Sharapova schlug Samantha Stosur (Nummer 5 der Welt), Petra Kvitova (Nummer 3) und im Finale Victoria Azarenka (Nummer 1) und gewann ihren ersten Porsche – einen 911 Carrera S Cabriolet. Danach siegte sie in Rom und im Anschluss bei den French Open, wo sie ihren „Karriere-Grand-Slam“ fix machte, sich in eine Reihe von Spielerinnen wie Billie Jean King, Chris Evert, Martina Navratilova, Steffi Graf und Serena Williams einfügte – und nebenbei die Weltranglistenspitze zurückeroberte.

In Stuttgart blieb sie weiter ungeschlagen: 2013 triumphierte sie im Endspiel über Li Na, nachdem sie im Halbfinale Angelique Kerber niedergerungen hatte, und erklärte auf die Frage, ob es nun eng würde in ihrer Garage: „Für einen Porsche ist immer Platz.“ Kurz zuvor hatte Porsche bekannt gegeben, dass Sharapova die neue Markenbotschafterin werden würde.

Und Markenbotschafterin Sharapova gewann weiter: 2014 siegte sie zum Auftakt in einem der hochklassigsten Matches aller Zeiten in der Porsche Arena mit 7:6 (5), 6:7 (5), 7:6 (2) gegen Lucie Safarova, am Finalsonntag bog sie gegen Ana Ivanovic einen Satzrückstand in einen Sieg und schaffte es erstmals seit Martina Navratilova (1984, 1985, 1986), den Porsche Tennis Grand Prix drei Mal am Stück zu gewinnen. Sechs Wochen später triumphierte sie erneut in Roland Garros und holte ihren fünften und letzten Grand-Slam-Titel.

Aus Maria Sharapova, die einst nach einer ernüchternden Niederlage im Sandkasten von Paris erklärt hatte, sich wie „eine Kuh auf Eis“ gefühlt zu haben, war längst eine der besten Sandplatzspielerinnen aller Zeiten geworden.

Sharapova über ihre "Magic Moments" in Stuttgart

Lustigster Moment: Ihr Missgeschick beim Gewinn des ersten Porsche 2012 auf dem Centre-Court

„Ich erinnere mich daran, wie ich nach meinem ersten Titelgewinn in Stuttgart mit dem Porsche gemeinsam mit Matthias Müller von der Rampe in die Arena fuhr. Die Handbremse war noch angezogen. Das Auto machte ein quietschendes Geräusch, von dem ich nicht wusste, was es war. Ich dachte schon, dass der Porsche kaputt ist. Herr Müller war zu höflich, um mir zu sagen, dass ich die Handbremse lösen muss.“

Aufregendster Moment: Die Fahrt im Porsche 911 GT2 RS mit Mark Webber 2018 auf dem Entwicklungsgelände

„Das war eine unglaubliche Erfahrung. Wir hatten so viel Spaß zusammen. Die Geschwindigkeit auf der Strecke war beängstigend. Wie schnell wir fuhren, weiß ich nicht mehr. Ich habe die ganze Zeit geschrien und hatte das Gefühl, dass ich mein Leben in Marks Hände gebe. Ich musste ihm schon viel vertrauen, als wir diese vielen Runden gedreht haben. Immer wenn ich das Video von der Fahrt sehe, bekomme ich Gänsehaut.“

Speziellster Moment: Ihr 27. Geburtstag im Dirndl auf dem Cannstatter Wasen

„Ich mag meine Geburtstage, einige passierten während des Turniers. Ich hatte zum ersten Mal ein Dirndl an und fühlte mich pudelwohl. Man bekommt ein gutes Gefühl, wie es ist, eine langjährige Tradition zu feiern. Ich mag es sehr, mich schick anzuziehen und dadurch manchmal einen anderen Charakter anzunehmen. Meinen langjährigen Manager Max Eisenbud in einer Lederhose zu sehen, war ein großes Highlight für mich.“

Wertvollster Moment: Der Gewinn von drei Siegerfahrzeugen

„Alle drei Porsche sind noch in meinem Besitz. Ich teile sie mit meiner Familie. Sie sind immer noch in einem guten Zustand und fahren sich richtig gut. Ich liebe es, selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Das hat etwas Kraftvolles. Ich liebe Roadtrips und die Freiheit des Fahrens. Immer wenn ich am Steuer sitze, kehren einige Erinnerungen zurück. Ich will unbedingt mit dem Porsche die Küste Kaliforniens bereisen.“

Emotionalster Moment: Ihre Turnierrückkehr beim Turnier 2017

„Es war ein toller Ort für mich, um auf die Tour zurückzukehren, vor allem wegen meiner großen Erfolge in Stuttgart und weil ich schon so lange Teil der Porsche-Familie war. Auch wenn es fernab von meiner Heimat und Familie war, fühlte es sich wie Heimat an.“

Ehrwürdigster Moment: Das Showmatch 2015 mit Andre Agassi vor dem Porsche Museum

„Andre Agassi ist immer eine besondere Person für mich gewesen. Ich habe ihn stets bewundert, wie er auf und abseits des Platzes war. Mit solch einem Champion den Court zu teilen, war ein toller Moment für mich. Für das Match wurde extra ein Tennisplatz am Porsche-Museum aufgebaut. Das war schon spektakulär.“

Süßester Moment: Der Launch des „Speedy“ von Sugarpova 2014

„Wir haben für meine Marke Sugarpova einen besonderen Yoghurt-Gum mit dem Namen ‚Speedy‘ kreiert – ein Kaubonbon in Form eines 911. Ich habe es während meiner Karriere sehr genossen, Sugarpova ins Leben zu rufen und die Marke mit meinem Team weiterzuentwickeln. Nach meinem Karriereende habe ich nun noch mehr Zeit, damit Sugarpova weiterwächst.“

Lehrreichster Moment: Das Spielen auf Sand in der Porsche-Arena

„Ich musste lernen, wie man auf Sand spielt und sich bewegt. Die ersten Jahre auf dem Belag waren sehr herausfordernd für mich. Ich habe die Herausforderung angenommen und viel an meiner Beinarbeit und Balance gearbeitet. Ich musste viele physische Elemente in meinem Spiel verbessern, um auf Sand erfolgreich zu sein. Der Sand in Stuttgart spielt sich schneller als woanders. Ich denke, dass die Qualität bei einem Sandplatzturnier in der Halle auch besser ist, weil es keine belastenden Faktoren wie Wind oder Regen gibt. Hallentennis erlaubt dir, dein bestes Tennis spielen zu können.“

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