Florian Leitgeb: "Ziel in Österreich muss sein, wieder mehr Challenger zu veranstalten"
Am Finalwochenende der Danube Upper Austria Open in Mauthausen haben wir uns mit Veranstalter und Turnierdirektor Florian Leitgeb zum Interview verabredet. Im Gespräch zieht der gebürtige Wiener Sport- und Eventmanager Bilanz über das ATP Challenger 100 in Oberösterreich, ordnet die aktuelle Situation im österreichischen Herrentennis ein und gibt Einblicke in die wirtschaftlichen Herausforderungen sowie die strategische Ausrichtung seiner Turniere.
von Florian Heer aus Mauthausen
zuletzt bearbeitet:
04.05.2026, 07:43 Uhr

tennisnet: Wie fällt das Fazit in dieser Woche in Mauthausen aus?
Florian Leitgeb: Prinzipiell sind wir sehr zufrieden. Einerseits hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter, was für ein Outdoor-Event natürlich sehr wichtig ist. Auf der anderen Seite ist es schade, dass trotz vieler Wildcards kein Österreicher den Sprung aus der Qualifikation ins Hauptfeld geschafft hat. Trotzdem haben wir mit Lukas Neumayer noch einen Lokalmatador, der ins Finalwochenende gekommen ist.
Wie siehst du die aktuelle die Situation im österreichischen Herrentennis?
Es fehlt uns ein wenig die absolute Spitze. Tennis hat in Österreich eine große Tradition durch große Spieler wie Muster, Skoff, Melzer, Thiem. Wir waren immer in der absoluten Weltspitze vertreten und das fehlt uns seit dem Rücktritt von Dominic. Allerdings ist auch mit Sebastian Ofner ein Spieler wieder zurück in den Top 100. Mal sehen, wie weit es bei ihm noch gehen kann. Ein Aushängeschild würde uns allen natürlich sehr helfen. Ansonsten muss ein Ziel sein in Österreich wieder mehr Challenger zu veranstalten, da aktuell 95 Prozent unserer Profis auf dieser Turnierebene zu Hause sind.
Allerdings tun sich viele Organisatoren aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und gestiegenen Anforderungen seitens der ATP gerade schwer. Das Challenger-Turnier in Bad Waltersdorf musste gerade für diese Saison absagen. Wie kommt ihr mit den aktuellen Herausforderungen zurecht?
Wir haben vielleicht einen kleinen Vorteil, da ich nicht von Challengern komme, sondern hauptsächlich auf Tour-Events unterwegs war. Unser Anspruch war es immer, das Bestmögliche für die Spieler herauszuholen, um so nahe wie möglich an ein ATP-250-Event heranzukommen. Beispielsweise haben wir früh auf Electric Line Calling gesetzt, auch wenn das auf Challenger-Ebene noch nicht verpflichtend war. Ich kann allerdings sehr gut nachvollziehen, wenn einige Veranstalter es finanziell nicht mehr stemmen können. Jeder versucht sein Bestes und wir spüren das natürlich auch. Es sind häufig die kleinen Dinge. Wir haben beispielsweise acht Autos im Fahrdienst, die rund um die Uhr die Spieler von A nach B bringen. Daran kann man sehr gut die Entwicklung der Treibstoffkosten innerhalb der letzten fünf Jahre ablesen. Wenn man an ein Challenger-Turnier denkt, macht man sich wahrscheinlich weniger Gedanken darüber, dass wir während der Veranstaltung 4.000 Euro an Sprit verfahren. Das muss auch irgendwo herkommen.
Welche Rolle auf der Einnahmenseite spielen Tourismusorganisationen, die in Italien oder Spanien maßgeblich zum Sponsoring von Tennisturnieren beitragen?
Das Land Oberösterreich ist unser Titelsponsor. Dadurch haben wir gute Verbindungen zum österreichischen Tourismusverband. Als Sponsoringgeber ist dies für sie sehr spannend, da wir Spieler aus rund 18 Nationen am Start hatten. Das Turnier wird zudem über den Stream in die Welt getragen. Oberösterreich erscheint somit als Tourismusdestination auf der internationalen Landkarte.
Im nahegelegenen Linz findet zudem ein WTA-Turnier statt. Gibt es hier Synergien zu beobachten?
Wir fahren unterschiedliche Schienen. Sandra Reichel ist mit ihrem Turnier absolute Weltspitze. Es ist das größte Damenevent in Österreich. Das sind andere Gefilde, in denen man dort segelt. Das Feld in Linz ist sehr stark. Wir sind natürlich für alles offen, aber wir können ihr mit unserem Turnier nicht wirklich helfen und andersrum ist es ebenso schwierig.
Du hast in einem Interview mal erzählt, dass du Tennis „falsch kennengelernt hast“, da du mit deinem Vater Ronnie und dessen Schützling Thomas Muster ausschließlich auf den großen Events unterwegs warst. Was ist die Hauptmotivation sich jetzt bei Challenger-Turnieren zu engagieren?
Die Hauptmotivation ist die Förderung des Tennis in Österreich. Wir haben vor sechs Jahren in Tulln begonnen, da unser ehemaliger Schützling und mein guter Freund Jürgen Melzer Sportdirektor des Österreichischen Tennisverbandes wurde. Mein Vater und ich haben dann Tulln ins Leben gerufen, um Jürgen auch eine Art Starthilfe zu geben. Der Verband kann durch diese Turniere auch Wildcards an heimische Spieler vergeben. Das macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn man sich die aktuelle Dichte der Italiener in der Weltspitze ansieht, kommt das nicht von ungefähr. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass ein italienischer Spieler sechs Monate nicht sein Land verlassen muss, um Challenger-Turniere zu spielen.
Wie ist die aktuelle Situation in Mauthausen? Wird das Turnier auch in den kommenden Jahren stattfinden?
Wir haben seit Tag eins die gleichen Partner und sind mit ihnen gemeinsam gewachsen. Diese glauben an das Produkt und daher kann ich sagen, dass Mauthausen nicht in Gefahr ist von der Bildfläche zu verschwinden. Nichts ist für die Ewigkeit, aber wir haben langfristige Verträge mit der Region und den größten Partnern. Das macht es für uns einfacher.
Die Konkurrenz in dieser Turnierwoche ist sehr groß. Es werden parallel Challenger 175 Events in Aix-en-Provence und Cagliari ausgetragen. Spürt ihr dies am Teilnehmerfeld?
Man merkt es natürlich. Allerdings haben wir uns auf der Tour etabliert. Wir haben fünf Spieler aus den Top 150 am Start und das zeigt, dass wir uns nicht verstecken müssen. Letztes Jahr haben sich Marin Cilic oder Fabio Fognini dazu entschieden bei uns anzutreten. Das zeigt, dass es nicht alles falsch ist, was wir hier machen.
Gibt es einen Spieler, den du in dieser Woche gerne geschaut hast?
Ich kannte Darwin Blanch tatsächlich noch nicht. Er war für mich ein heißer Anwärter auf den Titel. Es ist immer interessant junge Spieler auf ihrem Weg zu begleiten. Ein Flavio Cobolli, der Alexander Zverev vor drei Wochen in München aus dem Turnier nahm, war vor drei Jahren noch beim Challenger in Tulln am Start. Diese Spieler erinnern sich gerne an die Turniere, wo sie willkommen waren.
Ihr seid Co-Owner der ATP-Lizenz für die BMW Open. Wie fällt dein Fazit für das Turnier in München aus?
Es ist ein wunderschönes Turnier und bin sehr froh den Schritt gemacht zu haben mit dem MTTC Iphitos die Lizenzen zusammenzulegen (Anm.: Lyon und München). Vom ersten Tag als das Event als 500-Turnier ausgetragen wurde, sind wir mit einem Strahlen über die Anlage gegangen. Wir haben seit 2025 zwei richtig tolle Sieger gesehen. Zuerst der Traumstart mit Sascha als Champion. Heuer hat sich dann mit Ben Shelton der letztjährige Finalist den Sieg geholt. Die Namen, die dort an den Start gehen, für die brennt das Tennis-Herz. Wir freuen uns bereits riesig auf das neue Stadion und es wird von Jahr zu Jahr sogar noch besser.
Ist es durch die Beteiligung beim Turnier in München auch schön wieder in die Welt der ATP-Tour Events einzutauchen?
Für mich sind die Challenger und die ATP Tour zwei unterschiedliche Dinge, aber der Sport bleibt das gleiche. Ich bin in München nicht dabei, um mich zu profilieren oder mein Ego zu stärken – sondern Tennis ist meine Leidenschaft. Ich kenne fast nichts anderes und bin auf dem Tennisplatz aufgewachsen. Ich bin mit Thomas Muster auf den größten Turnieren unterwegs gewesen und habe erst später mit Lucas Miedler kenngelernt, wo das Profitennis eigentlich beginnt. Jetzt habe ich beides eng nebeneinander: München als ATP 500 und Mauthausen, Tulln als Challenger 100-Events.
Wie geht es nach der Woche in Mauthausen weiter?
Wir werden uns die nächsten Tage mit dem Team zusammensetzen und evaluieren, wo es Verbesserungspotentiale gibt. Wo kann man Prozesse effizienter gestalten. Es gilt die Events langfristig zu sichern. Unser Augenmerk wird aber immer darauf liegen, dass die österreichischen Spieler eine Bühne erhalten.
Vielen Dank.
