Ivan Ljubicic über Dominic Thiem: „Unterschied zu den Big-3 immer noch groß“

Ivan Ljubicic hat die hohe Erwartungshaltung gegenüber Dominic Thiem gebremst. Der kroatische Ex-Profi glaubt nicht an einen erfolgreichen Angriff des Österreichers auf die Nummer eins im ATP-Ranking in der kommenden Saison.

von Lukas Zahrer
zuletzt bearbeitet: 14.12.2019, 18:34 Uhr

„Er ist ein fantastischer Spieler. Wir haben immensen Respekt vor ihm, denn er hat ja drei Mal geschlagen in diesem Jahr. Aber die Big-3 haben unzählige Slams, Thiem war gerade einmal in zwei Finals. Der Unterschied ist noch immer groß“, sagte Ljubicic im Rahmen des Diriyah Tennis Cups.

Zwar habe Thiem gutes Tennis gezeigt und bewiesen, dass er große Turniere gewinnen kann. Für den Sprung an die Spitze der Weltrangliste sei es aber noch zu früh. „Ich glaube nicht daran“, sagte Ljubicic. „Er war ja noch nicht einmal in den Top-3. Vielleicht gehen aber auch alle Big-3 gleichzeitig unter.“ Dann seien die Chancen für Thiem gegeben, wenngleich Ljubicic dies für wenig realistisch hält.

Thiem gewann im vergangenen Jahr fünf Titel auf der ATP-Tour, darunter seinen ersten bei einem Masters 1000 in Indian Wells. Bei den French Open erreichte der 26-Jährige zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Finale bei einem Grand-Slam-Turnier, unterlag allerdings auch zum zweiten Mal Rafael Nadal.

„Er ist ein Spieler, der eigentlich das Potenzial hat, eines Tages Grand Slams zu gewinnen“, sagte Ljubicic über die aktuelle Nummer vier der Weltrangliste, warnte aber zugleich: „Ich erinnere mich an Guillermo Coria, der 2004 im Paris-Finale gegen Gaston Gaudio verlor. Wir sagten sofort: Er ist ein künftiger Grand-Slam-Sieger.“

Doch dem Argentinier gelangen zwar neun Titel auf der Tour, aber kein Major-Triumph. „Thiem muss sich – wie etwa auch Stefanos Tstisipas – erst bei den ganz großen Turnieren regelmäßig beweisen und seine Chancen wahrnehmen“, sagte Ljubicic.

Ivan Ljubicic über Roger Federer: „Harte Arbeit“

Der 40-Jährige stattete dem Einladungsturnier in Saudi-Arabien einen Kurzbesuch ab und trainierte eine Gruppe von 30 Nachwuchsspielern. Die Anweise war kurz, da er mit seinem Schützling Roger Federer in Dubai an der Form für 2020 arbeitet.

In der Saisonvorbereitung zog Ljubicic Vergleiche mit seiner aktiven Zeit. „Es ist nicht mehr wie früher. Die Tour gibt dir keine längere Auszeit, in der du dich komplett auf die Saison vorbereitest. Heute musst du mehrere kleine Pausen während der Saison einlegen“, sagte Ljubicic in dem Wissen, dass Federer in der Turnierplanung stets Qualität vor Quantität stellt. „Es wirkt bei Roger immer so, als ob ihm alles so leicht zufliegen würde. Hinter allem steckt aber harte Arbeit.“

Federer bestreitet Ende Dezember ein Show-Match in Hangzhou (China), wo er gegen Alexander Zverev antreten wird. Laut Ljubicic wird der Schweizer am 27. Dezember in die Stadt im Osten Chinas reisen, nach dem Event allerdings wieder nach Dubai zurückkehren. Sein Antreten beim ATP Cup sagte Federer ab, der erste Auftritt wird damit erst bei den Australian Open stattfinden.

„Er war ja schon in diesem Jahr nahe dran. Ich glaube fest an einen weiteren Grand-Slam-Sieg, sonst würden wir nicht so hart arbeiten“, gab Ljubicic einen Ausblick auf 2020.

Im Rennen um die Nummer eins der Welt sieht er Nadal und Novak Djokovic leicht vor Federer. „Sie werden etwas mehr spielen als Roger, deshalb sind sie im Vorteil“, sagte er. Einen Tipp für den Ranglistenersten am Ende des kommenden Jahres wollte sich Ljubicic nicht festlegen, meinte aber angesprochen auf die Big-3: „Wenn sie gegeneinander spielen, gibt es eigentlich immer ein großartiges Match. Es ist ganz einfach: Jener, der zwei, drei Slams gewinnt, wird die Nummer eins.“

Den Status des Tennissports sieht Ljubicic „so gut wie nie zuvor – und es wird noch besser werden“. Zwar gebe es viele Nostalgiker, aber man müsse sich „vor Augen halten, dass die Welt 2019 besser dasteht als vor 30 oder 40 Jahren“.

Ljubicic war 14 Jahre lang auf der ATP-Tour unterwegs und gewann dabei zehn Titel. Bei den French Open 2006 erreichte er das Halbfinale, sein einziges bei einem Grand-Slam-Turnier. Kurz zuvor stand er auf Platz drei der Rangliste, was sein bestes Karriere-Ranking bedeutete. 2005 gewann er mit der kroatischen Mannschaft den Davis Cup. Von 2013 bis 2015 trainierte er Milos Raonic, eit 2016 ist er einer der Coaches von Roger Federer.

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von Lukas Zahrer

Samstag
14.12.2019, 20:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 14.12.2019, 18:34 Uhr

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