Porsche Tennis Grand Prix: Eva Lys - Lernen von den Spitzenkräften
Eva Lys (WTA-Nr. 78) hat beim Porsche Tennis Grand Prix ein quasi verlorenes Match noch gedreht - und das Stuttgarter Publikum begeistert. Die wichtige Nachricht ist für sie aber eine andere.
von Florian Goosmann aus Stuttgart
zuletzt bearbeitet:
15.04.2026, 10:15 Uhr

Es gab nicht sonderlich viel Positives zu berichten vom deutschen Damentennis in den letzten Tagen - Stichwort Billie Jean King Cup, Stichwort erneuter Abstieg. Auf Eva Lys aber ist Verlass in Sachen Begeisterungsfähigkeit, nachzufragen beim Stuttgarter Tennispublikum.
Denn in der Porsche-Arena wurde es immer lauter und lauter am Dienstagabend. Kein Wunder: Eva Lys drehte hier einen 2:6, 1:4 und 15:40-Rückstand - und was eigentlich ein ernüchterndes 2:6, 1:6 hätte werden können, wurde am Ende ein 2:6, 7:5, 6:4. Tennis halt. Aber eben auch nur, wenn der Einsatz stimmt.
Bei Eva Lys stimmte er. Dabei sei es ihr gar nicht ums Gewinnen gegangen, wie sie nach ihrem Comeback-Sieg erklärte. Eher um andere Dinge. Den Rhythmus. Die Schläge. “Aber je länger das Spiel gedauert hat, umso besser habe ich mich gefühlt.”
Die Belohnung: Schon heute darf Lys wieder ran, im zweiten Abendmatch nach 18.30 Uhr gegen die an vier gesetzte Elina Svitolina.
Sehenriss bei Lys erst mal unentdeckt
Lys hatte sich zum Saisonbeginn in Sydney ihr Knie überstreckt, war allerdings drei Wochen lang ohne Befund geblieben. Lys hatte weiterhin Schmerzen und ein dickes Knie nach dem Spielen, aber auf den MRTs sei nichts von einer Verletzung zu sehen, so die australischen Ärzte. Erst in Hamburg sei man auf die gerissene Sehne aufmerksam geworden. Die Folge: mehrere Wochen Pause.
Mittlerweile sei sie schmerzfrei, hatte Lys im Vorfeld des Porsche Tennis Grand Prix verkündet. Ihre Matches in Miami und Charleston seien “eine Art Generalprobe” gewesen - wobei sie nach Charleston wieder Probleme bekommen habe. Und dennoch Entwarnung. In den USA sei sie jedoch “ganz weit davon weggewesen, wirklich fit zu sein". Aber sie brauche ihre schnellen Beine, und eben jene Matches hätten durchaus geholfen, dass sie nun hier, in Stuttgart, so präsent gewesen sei.
Eva Lys: “Brauche Spielerinnen, die viel Druck ausüben”
Dass Lys aber in Stuttgart auch ein derart hohes Level abrufen konnte, ist erstaunlich. Noch dazu gegen eine Paula Badosa, die mächtig Dampf macht. “Wenn Paula den Ball in ihrem Schlagbereich hat, ist es manchmal unmöglich, ihn zurückzuspielen", weiß Lys. Beeindruckend, wie sie ab Mitte des zweiten Satzes und im dritten Durchgang dagegenhielt - “im ersten und zweiten Satz hat man schon gesehen, dass ich noch etwas langsam war”, sagte sie. Am Ende aber ließ sich Lys einfach nicht von der Grundlinie wegdrücken.
Auch das: kein Zufall. Genau deswegen trainiere sie mit hochklassigen Spielerinnen, verriet Lys - die auch in Stuttgart am Wochenende schon mit Badosa und Coco Gauff geübt hatte. Selbst wenn man gegen eine bessere Spielerin mit 0:6 im Training verlieren würde, dann sei es halt so. “Ich brauche Spieler, die viel Druck auf mich ausüben. Weil das am Ende des Tages das Level ist, das sie spielen. Wenn ich mit dem Druck nicht umgehen kann, muss ich mein Spiel verbessern."
