"Reize das Publikum nicht absichtlich": Daniil Medvedev macht sich in Madrid unbeliebt

Daniil Medvedev hat beim Davis Cup in Madrid wieder mal das Publikum gegen sich aufgebracht. Nicht absichtlich allerdings, wie er erklärte.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 05.12.2021, 12:20 Uhr

Daniil Medvedev
© Getty Images
Daniil Medvedev

"The more you whistle, the better I play."

Gesagt hat diesen kleinen, aber großartigen Satz der frühe Horst Skoff: 1987 war's in Monte Carlo, im Match gegen Publikumsliebling Yannick Noah. (Skoff siegte in drei Sätzen.)/

Medvedev: Erinnerungen an New York

Er könnte genau so gut von Daniil Medvedev stammen. Der Weltranglisten-Zweite hatte bei seinem Lauf in 2019 bei den US Open gleich zwei Mal in Folge mit dem Publikum angelegt...

Und auch in Madrid ist Medvedev auf einem großartigen Weg, sich ein gellendes Pfeifkonzert vorm Finalmatch gegen Kroatien einzufangen.

Nach dem Sieg gegen Jan-Lennard Struff jedenfalls hatte er schon einen Vorgeschmack bekommen, was er mit mehreren Gesten in Richtung der Zuschauer befeuerte, unter anderem mit dem "Calma"-Zeichen von Fußballstar Cristiano Ronaldo. Wie er im Anschluss erklärte, war es eine Referenz an den spanischen Coach vom Kollegen Karen Khachanov, Jose Clavet nämlich, der immer zur Ruhe ermahne, wenn man Karten, Fußball oder Tennis spiele. Und natürlich sei es auch eine Hommage an Ronaldo gewesen, der ja lange Jahre in Madrid gespielt hat.

Medvedev: "Spanien zu schlagen, war das Highlight"

Medvedev aber quasselte sich weiter ins Unglück. Das Highlight der Woche sei der Sieg gegen Spanien in Madrid gewesen, erzählte er im On-Court-Interview, und er tat es in so vielen Wiederholungen, dass man ihm nach allen juristischen Theorien zumindest einen Eventualvorsatz in Abgrenzung zur bewussten Fahrlässigkeit ankreiden muss.

Medvedevs Ansprache im Wortlaut: "Es waren wunderbare zwei Wochen für uns. Spanien zu schlagen, war das Highlight. Spanien in Madrid zu schlagen... wir waren alle so happy in der Umkleide, die Heimfavoriten geschlagen zu haben. Es war ein wirklich nettes Gefühl und ich bin sehr glücklich darüber."

Er werde ja nicht müde zu erklären, dass die Leute nicht verstehen würden, wie man ihn zum Verlieren bringe: "Man sollte mich unterstützen." Auf die weitergehenden Pfiffe erklärte er: "Es ist okay, Leute. Macht weiter. Ich gewinne einfach weiter."

Medvedev: "Mache das nicht mit Absicht"

In der Pressekonferenz mimte Medvedev freilich das Unschuldslamm. Die "Calma"-Geste? Ein Spaß, "aber vielleicht die falsche Entscheidung, das passiert. Aber ich musste das durchziehen und dazu stehen. Weil ich gerne zu dem stehe, was ich tue." Generell sei sein Reizen des Publikums allerdings "ein Spiel, das ich nicht absichtlich spiele", versicherte er. Wenn er in Pressekonferenzen etwas gefragt werde, habe er Zeit zum Nachdenken. Was er auf dem Platz, komme aus den Emotionen heraus, "das ist viel Adrenalin im Spiel". Er hasse es auch, zu verlieren. "Im (privaten) Leben bin ich ruhiger."

Medvedev versicherte: "Ich sage es mit 100-prozentiger Ehrlichkeit: Ich reize das Publikum nicht absichtlich. Wenn ich etwas tue, das es triggert, geschieht es nicht, um es böse oder traurig zu machen oder gegen mich zu stellen. Es ist einfach etwas, das ich in dem Moment fühle."

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Sonntag
05.12.2021, 11:26 Uhr
zuletzt bearbeitet: 05.12.2021, 12:20 Uhr

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