Trainingskollege Nico Langmann über das „Team Thiem“: „Sowas passiert überall“

In den letzten Wochen und Monaten war die Berichterstattung über die ATC-Akademie von Wolfgang Thiem im niederösterreichischen Traiskirchen nicht besonders positiv. Im Gespräch mit Rollstuhl-Tennis-Profi Nico Langmann, der ebenfalls Teil des „Teams Thiem“ ist, werden einige verzerrte Perspektiven wieder gerade gerückt.

 

von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet: 19.06.2021, 09:58 Uhr

Nico Langmann trainiert in der ATC-Akademie von Wolfgang Thiem in Traiskirchen
© Privat
Nico Langmann trainiert in der ATC-Akademie von Wolfgang Thiem in Traiskirchen

Sowohl Dennis Novak Mitte April, als auch Jurij Rodionov Anfang Juni haben 2021 teils überraschend das Trainingszentrum Wolfgang Thiems in Traiskirchen verlassen. Mitsamt der schwachen Ergebnisse seines Sohnes in der bisherigen Saison ergab sich ein mehr als durchwachsenes Bild, das durch Aussagen sowohl in den klassischen als auch in den sozialen Medien noch zusätzlich verdüstert wurde. Neben Thiem oder Sebastian Ofner ist auch Rollstuhl-Tennis-Ass Nico Langmann weiterhin Teil des Trainingskollektivs der ATC-Akademie südlich von Wien.

Auf die Frage, ob er sich in der Akademie von Wolfgang Thiem noch wohl fühle, meinte der Wiener in einem Gespräch mit tennisnet.com ohne lange Gedankenpause: „Absolut! Mir ist schon klar, dass die Akademie in den letzten Wochen und Monaten ziemlich gescholten wurde. Krisen sind aber Teil einer jeden sportlichen Karriere, das trifft alle von uns, und wir haben auch alle schon einiges hinter uns. Aber wenn man so im Rampenlicht steht wie Dominic und Wolfgang, dann kriegen das die Leute halt auch viel mehr mit.“

Psychologisches Dilemma bei den Spielern

Die Frage, woran es liegen könnte, dass gleich so viele unangenehme Dinge auf einmal an die Oberfläche gespült wurden, analysierte Österreichs Nummer eins im Herren-Rollstuhl-Tennis so: „Das war halt ein Novum, dass praktisch alle erfolgreichen heimischen Tennisspieler in diesem Pool drinnen waren.“ Tennis sei aber am Ende des Tages doch ein Individualsport: „Wenn eine Person für sechs, sieben Leute verantwortlich zeichnet, dann bleibt vielleicht der eine oder andere ein wenig auf der Strecke, und dann ist es eh verständlich, dass er sich was Neues sucht. Es ist nicht so, dass das der Akademie nachhaltig schaden würde. Sowas passiert überall.“

Zusätzlich tue sich auch ein psychologisches Dilemma bei den Spielern auf, wenn sie in ein so erfolgsverwöhntes Trainingsteam einsteigen: „Ganz ehrlich, ich hatte selbst mit dem Wolfgang kürzlich ein Gespräch genau über dieses Thema. Ich hatte mir im Herbst letzten Jahres einige Ergebnisse eingefangen, die nicht so gut waren, als ich plötzlich gegen Leute verloren habe, gegen die ich vorher relativ eindeutig gewonnen habe. Ich hab dann das Gespräch mit Wolfgang gesucht und habe gesagt, dass ich im Training merke, dass sich jeder Schlag von Mal zu Mal verbessert, aber ich bekomme es einfach nicht ins Match rüber.“

„Dominic wird wieder sehr, sehr stark zurückkommen“

Wolfgang Thiem habe sich laut Langmann auch immer wieder selbst hinterfragt, und ihn auch sehr offen darauf angesprochen, wie er das Training für ihn persönlich besser machen könne. „Er hat aber auch gesagt, dass er das Problem kennt, dass Spieler mit einer anderen Trainingsphilosophie, die zu ihm wechseln, vielleicht etwas länger brauchen, sich auf seine Herangehensweise zu adaptieren. Und er kennt den Gedanken, den auch ich hatte, dass, wenn man zum Team Thiem geht, dass das ja das Beste sein muss, dass es da dann von selber gehen muss. Aber Tennis geht nie von selber, sondern immer nur mit vollem Einsatz.“

Auch müsse natürlich die Einstellung und die Philosophie des Trainerteams zu jedem einzelnen Spieler passen. Und wenn es dann nicht laufe, dann steige der Druck von Stunde zu Stunde: „Du denkst Dir, das gibt es doch nicht, das kann doch nicht sein, liegt es an mir, oder was? Diese mentale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Und dann muss man sich auch irgendwann eingestehen, dass die Erwartungshaltung zu groß war.“

Die Formkrise der österreichischen Nummer eins im Herrentennis lasse den 24-Jährigen hingegen sehr entspannt: „Ich glaube, dass wir uns alle keine großen Sorgen machen müssen. Dominic wird wieder sehr, sehr stark zurückkommen.“

Nächste Woche folgt ein großes tennisnet.com-Interview mit dem sympathischen Wiener zu seiner erfolgreichen Olympia-Qualifikation für Tokio, wie er mit der Corona-Krise umgegangen ist und wie die Situation nach der COVID-Pandemie auf der ITF-Rollstuhl-Tennis-Tour so aussieht.

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