Vier Jahre Sperre für Vondrousova: Ist das noch fair?
Nach der vierjährigen Sperre von Marketa Vondousova ist die Tenniswelt in Aufruhr. Der Ruf nach Reformen wird größer. Die Betroffene kritisiert die Verantwortlichen scharf.
von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet:
26.06.2026, 16:50 Uhr

Wenn es nach dem Urteil der International Tennis Integrity Agency (ITIA) geht, dann wird Marketa Vondrousova in den nächsten vier Jahren kein Match auf der Tour bestreiten dürfen. Das zu Beginn der Woche veröffentlichte Statement hat der Tschechin viel Unterstützung beschert, doch davon hat die Wimbledonsiegerin von 2023 wenig, viel mehr kommt es nun auf den Einspruch an, den Vondrousova gegen die Entscheidung einlegen wird.
Der Vorfall selber, dass Vondrousova nach verweigertem Test bei einem Kontrolleur, der sich nicht mal ausweisen konnte, nun mit einer langen Sperre leben muss, ist an sich schon eine mehr als fragwürdige Entscheidung. Die ITIA beruft sich dabei auf die Fairness der Regeln und des Sports. Doch genau hier liegt der eigentliche Knackpunkt in der Diskussion. Sind diese Regeln wirklich so fair, wie der Sport selber sein sollte?
Nach positivem Test: Sinner musste nur drei Monate zuschauen
Denn der im letzten Jahr positiv getestete Jannik Sinner musste nur eine dreimonatige Sperre absitzen, deren Zeitraum sich der Südtiroler mehr oder weniger noch selbst aussuchen konnte. Angemerkt sei hierbei, dass Sinner keine Absicht unterstellt oder nachgewiesen wurde, jedoch der Fakt des positiven Tests unbestritten war. Bei Iga Swiatek lief es ähnlich ab. Steht das im Verhältnis zu einer vierjährigen Sperre wegen verweigerter Dopingtests?
Der Fall Vondrousova unterstreicht stattdessen mal wieder die Theorie, der auch viele Profis folgen: Topspieler werden anders von den Organisationen und Verbänden behandelt, wenn es um Sperren geht. Eben das dürfte auch der Grund für den breiten Support gewesen sein, den Marketa Vondrousova in den letzten Tagen erfahren hat.
Vondrousova: “ITIA kümmert nicht die Sicherheit der Sportler”
In einer tschechischen Tageszeitung äußerte Vondrousova nun ihr Unbehagen über die Behandlung: "Meiner Meinung nach kümmert sich die ITIA überhaupt nicht um die Sicherheit der Sportler oder deren psychische Gesundheit". Die 26-Jährige unterstellt den Verbänden sogar, dass sie Menschenleben “zerstören” würden. Die Karriere und die damit verbundene Existenz ist bei einer vierjährigen Sperre durchaus mehr als bedroht.
Es riecht aktuell nach einer dringenden Reform in Sachen Sperren und bei den Testungen. Dass Profis ihren Aufenthalt für mindestens eine Stunde täglich stets angeben müssen, ist irgendwie noch nachvollziehbar. Jedoch dürfte der Umgang von Kontrolleuren und Instanzen mit Sportlerinnen und Sportlern eine Veränderung notwendig machen. Dass sich ein Kontrolleur, wie im Fall Vondrousova, bei einem unangekündigten Besuch nicht ausweisen kann, darf nicht passieren.
Die ITIA muss ihr Image verbessern
Die Zeiträume von Sperren sind durch die Verhältnismäßigkeit ebenfalls stark reformbedürftig. Personen mit wirklichem Dopingvergehen müssen länger gessperrt sein, als eine Person, die einen Fremden nicht ins eigene Haus lassen will. Egal wie viele versäumte Tests im Vorfeld zu Grunde liegen.
Doch vor allem muss die ITIA auch an ihrem Image arbeiten. Die Organisation muss den Ruf loswerden, sie würde oftmals politisch agieren, wenn große Namen im Spiel sind. Das nimmt schon ohne Kontakt zu den entsprechenden Instanzen das Vertrauen in eine gerechte Behandlung aller Beteiligten.
