Expansion der ATP: Nehmen die Absagen von Sinner, Alcaraz und Zverev ab 2028 zu?
Die Absagen der Stars um Jannik Sinner beim ATP-1000-Masters in Montreal schlugen hohe Wellen. Dieses Turnier könnte ein Vorgeschmack sein auf die größten Events in den kommenden Jahren ohne Stars.
von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet:
28.07.2026, 07:32 Uhr

Das Fehlen von Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Novak Djokovic beim ATP-1000-Masters in Montreal wird öffentlich breit diskutiert. Doch zudem stellt sich die Frage, ob ein Verzicht der Stars bei den großen Tourevents zukünftig nicht häufiger passieren könnte. Denn dafür gibt es einige gute Gründe aus Sicht der Profis.
Denn ab 2028 wird es in Saudi-Arabien ein zehntes Masters-Turnier geben. Damit könnte die Verzichtquote bei den Topstars weiter ansteigen, die seit vielen Jahren bereits über eine zu hohe Belastung im Tourkalender hinweisen. Mit der Ausweitung der meisten Masters-Turniere auf ein zweiwöchiges Event haben die besten Spieler der Branche weniger Zeit für die Regeneration.
Ab 2028 in jedem Monat ein Top-Event
Vor allem der Februar hat zwischen den Australien Open und dem Sunshine Double in Miami und Indian Wells im März bisher noch immer Luft für eine Pause erlaubt, da maximal 500er-Turnier in diesen Wochen auf dem Plan standen. Mit der Einführung des Turniers in Saudi-Arabien in zwei Jahren ist die Lücke nicht mehr existent. Stattdessen wird es dann von Januar bis Oktober in jedem Monat mindestens ein Masters-Turnier oder einen Grand Slam geben, das gespielt werden kann bzw. gespielt werden muss. Dazu kommen die ATP Finals im November. Bleibt mit dem Dezember noch ein Monat, der zur Regeneration diesen kann. Obwohl dieser eigentlich die Saisonvorbereitung umfassen soll.
Für die Topstars bedeuten weniger Ruhepausen auch eine größere Verletzungsgefahr und eine größere mentale Belastung. Rick Macci, auf der Tour als Coach der Williams-Schwestern Andy Roddick oder auch Maria Sharapova aktiv war, hat daher Verständnis für die Absage eines Jannik Sinner: „Sein Workload ist ein ganz anderer im Gegensatz zu anderen Spielern. Die physische und mentale Belastung ist verschieden.“
Ungewollter Protest der Spieler?
Es wäre also nicht verwunderlich, wenn der Plan der Expansionsplan ATP der letzten Jahre im stillen Zwangsprotest der besten Spieler der Welt endet, da diese physisch und psychisch irgendwann nicht mehr zu den besten Leistungen fähig sein. Auf Dauer werden steigende Preisgelder als „Schmerzensgeld“ auch nicht mehr helfen können.
Verletzungen, wie sie Carlos Alcaraz in diesem Jahr erlitten hat, können sicherlich jederzeit passieren. Doch Jannik Sinner machte in diesem Jahr beispielsweise die Erfahrung bei seinem frühen Ausscheiden in Paris, dass die körperliche Fitness ihre Grenzen hat. Seitdem achtet der Südtiroler viel genauer auf seine Gesundheit und wird dies auch in Zukunft tun
Die ATP wird daher hoffen, dass man sich durch lukrative Deals mit Saudi-Arabien und anderen Veranstaltern nicht verzockt hat.
